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Briefe an Biancvni.
äußeren Randes, nämlich einen starken Finger breit.Die Figuren sind zwei Palmen zwei Zoll römischesMaaß hoch. Das Helldunkel ist meisterhaft; die Schat-ten find in großen Massen in der schönsten Harmonieund Abstufung aufgetragen. Zch habe sie Stundenlang mit der größten Aufmerksamkeit betrachtet, undda ich das Museum mehr als zehnmal besehen habe,so glaube ich nichts Wichtiges, was der Auszeichnungwerth ist, vergessen zu haben. Die Beschreibung, dieich davon machen werde, wird mehr malerisch als an-tiquarisch ausfallen. Der Maler sowohl, alö der Al-tcrthumsforscher müssen sich zuweilen bei gewissen Klei-nigkeiten aufhalten, die den Augen derer entgangen,die blos sehen, ohne zu bemerken. Aber da auch Klei-nigkeiten bedeutend sind, so wird auch der Maler,wen» es gewisse noch nicht hinlänglich erörterte Dingebetrifft, bei Umständen, die dem Anschein nach unbe-deutend scheinen, ebenso nachdenklich sein, als bei denbedeutendsten Dingen, wenn er das Kostüm der Altengenau beobachten will; daher kommt es, daß wir vonso wenigen Werken eine wissenschaftlich und kcnner-mäßig ausgeführte Beschreibung haben.
§. is. Das erste Gemälde enthält vier weiblicheFiguren; die vornehmste, deren Gesicht man von vornsteht, sitzt und hebt mit der rechten Hand das Pal-lium oder Pep lum, das auf dem Hintertheile ihresKopfes ruht, in die Höhe. Dieses Peplum ist violettmit einem Finger breiten grünen Rande. Ihr Kleid(»inlc-i) ist fleischfarben. Ihre linke Hand ruht aufder Schulter eines schönen Mädchens, das man imProfil steht, das neben ihr steht und das Kinn auf dierechte Hand stützt. Der Fuß der andern ruht, zumZeichen ihrer Würde, auf einem Schemel. Gleichneben ihr steht eine sehr schöne Figur, deren Gesichtman ganz steht, die sich ihren Haarputz ordnen läßt,und die linke Hand auf der Brust liegen hat; dierechte hängt herunter, und ist in derStellung, als obfic auf einem Klavier spielen wollte. Ihr weißes Kleidhat enge Aermel, die bis auf die Knöchel der Handreichen. Der Mantel ist violett, mit einem daumen-breiten gestickten Rande. Die weibliche Figur, die mitdem Haarputze beschäftigt ist, und etwas höher steht,ist in's Profil gewendet, doch so, daß man die Augen-braunen des andern Auges sehen kann- Die Aufmerk-samkeit auf ihre Beschäftigung steht man an ihrenAugen und an ihren geschlossenen Lippen. Zu denFüßen steht ein dreibeiniges Tischgen; auf dem zier-lich gcfimSten Tischblatte steht ein weißes Kästchenmit Lorbeerblättern, und neben solchem erblickt maneine violette Kopsbinde, vermuthlich, um nach vollen-detem Haarputz den Kopf der andern weiblichen Figurdamit zu schmücken. Unter dem Tischgen steht ein schö-nes großes Gefäß von Glas, wie man aus der Farbeund Durchsichtigkeit vermuthen kann.
tz. 20. Das zweite Gemälde stellt einen tragi-schen Dichter ohne Bart vor, fitzend, in einem weißenGewand mit engen Aermeln, die bis an die Knöchelder Hand reichen. Unter der Brust wird das Kleidmittelst eines gelben, eines kleinen Fingers breiten
Gürtels zusammengehalten. Mit der rechten Handhält er eine Lanze in die Höhe; in der linken hat erdas pararaninm, oder das kurze Schwert, das querüber die Hüften hängt, die mit einem herabhängendenröthlichen Gewände, das den Sitz bedeckt, bekleidetsind. DaS Gehänge des DegcnS ist grün. Eine weib-liche Figur kehrt ihm den Röcken zu, und kniet mit demrechten Fuße vor einer mit einem hohen Haarputze,ö)-xos genannt, gezierten tragischen Maske, die aufeinem Postamente steht. Die Figur, die mit einemPinsel auf den obern Theil dieses FußgestclleS schreibt,scheint mir die tragische Muse Melpomene zu sein;sie schreibt vermuthlich den Namen eines Trauerspie-les; man steht aber nur einige Züge von Buchstaben.Ihre linke Schulter ist entblößt und das Gewand gelb.Ihre Haare sind auf dem Wirbel zusammengebunden,welches die Jungfrauen von den verehlichtcn Personenunterschied, die ihre Haare jederzeit im Nacken zusam-menbanden. Die Larve steht gleichsam in einem Käst-chen, dessen Seitenwände einen Karnics haben, unddas mit einem blauen Tuche überdeckt ist. Unterwärtshangen weiße Bänder mit zwei Schnüren am Endederselben. Hinter dem Postamente steht ein Mannauf einen Spieß gestützt. Der tragische Dichter richtetsein Gesicht gegen die schreibende Muse.'°)tz. 2l. Das dritte Gemälde stellt zwei nackte^ männliche Figuren und ein Pferd vor. Die erste^ sitzende Figur zeigt das Gesicht von vorn, und scheintden Achilles vorzustellen, der ein feuriges undstolzes Ansehen hat, und auf die Erzählung der andernFigur aufmerksam ist. Der Sitz des Stuhles ist miteinem rothen Tuche bekleidet, das sich für einen Krie-ger schickt, und die gewöhnliche Farbe der Spartanerim Kriege war; dieses bedeckt ihm zugleich die rechteHüfte, auf welcher seine rechte Hand ruht. Der Man-tel, der über den Rücken herunterhängt, ist gleichfallsroth. Die Seitenarme des Stuhles ruhen auf Sphpn-ren, die so auf dem Stuhle angebracht sind, daß dieArme erhöht genug sind; und auf dem linken ruht derEllbogen. An den einen Fuß des Stuhls ist das pa-raronim» angelehnt, das sechs Zoll lang ist, und aneinem grünem Gurte an zwei Ringen hängt. Derneben ihm stehende unbekleidete Mann ruht auf einemStäbe, der unter die Achsel des rechten 'ArmS , aufwelcher seine linke Hand liegt, gestemmt ist. Dielinke Hand ist von dem rechten Arme bedeckt, denner hält die rechte Hand in die Höhe, nach Art einerPerson, die etwas erzählt, und das eine Bein istüber das andere geschlagen. An dieser Figur fehltder Kopf, sowie auch an dem Pferde.
7l» Diese« Gemälde würd- von der kerrulanischen Akademie im4. Tbeile der lxrculanischen Gemälde lan. 41 . abgebildet, undsie halten daselbst den tragischen Dichter für den Aeschylo«.Tiber Winekelmann im 2. Bande der st/onum. ant. „lest.pae. z. c. L. p. 223. bestreiket diese Behauptung; er nimmtseine Gründe von den Haaren her, welche dem Aeschylo«fehlten, und von dem Bart, de» er haben sollte; dies, Zwei-fel wiederholte er auch im 7. B. 3. K. §. 21. der Sie ch, derKunst.