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Zweiter Band.
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Briefe an Bianconi.

§. 22. Das vierte Gemälde enthält fünf Figu-ren: Die erste ist eine fitzende weibliche, mit Epheuund Blumen gekrönte Figur, die ein aufgeschlagenesBuch in der Hand hält. Die Schuhe find gelb, wiefie es auch an derjenigen Figur find, die fich im er-sten Gemälde den Haarputz machen läßt. Die weib-liche Figur, die vor ihr steht, spielt mit der rechtenHand auf einer 4 ',2 Zoll hohen Leper, und hält in derLinken das Instrument, womit die Saiten gestimmtwurden, und welches aus zwei Häkchen besteht.'')Man kann solches im Museum an einem ähnlichen In-strument von Bronze noch deutlicher sehen. Die Lcyerhat sieben Wirbel und folglich eben so viele Saiten.Zwischen diesen zwei Figuren steht ein Pfeifer, derauf zwei gleichen geraden Pfeifen bläst, die er imMunde hat. Dieser ist mit einem Bande, onziiovgenannt, bedeckt und verbunden, um den Athem bessermäßigen und vertheilen zu können. Die Pfeifen be-stehen aus mehreren Stücken, so wie man im Museuman so viele» Stücken von knöchernen Pfeifen ficht, dieohne Einschnitt find, und nicht in einander gesteckt wer-den können. Man könnte fie nicht anders mit einanderverbinden, als mittelst einer Röhre von Metall odervon ausgehöhltem Holz, in welche die Pfeisenstückegesteckt wurden; an einem solchen Stücke ist in derThat die hölzerne Röhre stecken geblieben und verstei-nert worden. Hinter der ersten Figur stehen zwei mitEpheu gekrönte Männer; die Figur, welche am mei-sten nach vorn steht, hat einen Mantel von meergrü-ner Farbe um. Ich bitte Sie, diese Beschreibungniemanden als die Königl. Hoheiten lesen zulassen rc.

4 . Nachrichten von Leu Liiblaulen von Kranzezu Herculanum .

§. 2z. Die herculanischen Figuren von Bronze unddie Brustbilder sind theils mittelmäßig, theils schlecht,wie z. B. die kaiserlichen Bildsäulen in mehr als Le-bensgröße, und geben uns keinen Begriff, daß diealten Bildhauer eben so geschickt in Bronze als inMarmor hätte» arbeiten können. Die beiden größtenWerke in Bronze, zu Rom, find des Marc Aurel Bildsäule zu Pferd auf dem Platz des Kapitals, unddes Septimiuö SeveruS Bildsäule zu Fuß, inder barberinischen Gallerie. Zcne hat viele Feh-ler, die vielleicht daher rühren, daß sie durch dieLänge der Zeit, oder durch die Ruinen, Schaden gelit-ten hat, oder weil die Kunst in jenem Jahrhundert

71) Die Griechen nannten er /opFvrovov. k-vllui. k. 1. c.

g. ISAM. 6r. Fea.

77) Diese hießen bei den Griechen xc>Hoirk§. Dlaio cke Lexubt. l. 7. op. 7) 2. p. L3l. L. 7oü§ r«l§ ^0(iöas§nocrz'zlara utt^k^ovrels xai jZacr«ni^orrag,erit rääv xoXXoTicon «ui Lau-».

!>i,<I« »>ot,r,u»»il», und kollue. t, ». A« a.

schon gesunken war. Die letztere zeigt den Verfall derKünste in jener Zeit, ungeachtet die Arbeit daranviel vorzüglicher ist, als an dem Triumphbogen desnämlichen Kaisers am Fuße des Kapitol. PliniuS bezeugt, daß die Kunst Bildsäulen in Bronze zu gie-ßen, zu den Zeiten des Nero ganz verloren gewe-sen;^) sie muß also unter HadrianS Regierungwieder hergestellt worden sein. Pausanias , wenner eine Bildsäule des IupiterS in Bronze erwähnt,'»)die ei» Schüler des DipönoS und des ScylliS,der ältesten und frühesten Bildhauer, verfertigt hat,sagt, daß fie aus vielen mit Nageln zusammen befe-stigten Stücken bestand. Aber alle herculanische Bild-säulen von Bronze sind auf die Art zusammengesetzt,ungeachtet man ihre Verbindungen nach ihrer Wieder-herstellung nicht mehr sieht. Die Stücke find nichtzusammengelöthet; aber aus gewissen Anzeigen läßtsich vermuthen, daß fie vermittelst geschmolzenen Me-talls verbunden find. Die vielen eingeflickten Stücke,die man an denen Bildsäulen sehr sichtbar bemerkt,welche noch nicht polirt find, dienten dazu, die Lücken,die nach der Zusammensetzung übrig blieben, damitauszufüllen. ES gehören noch mehrere Entdeckungendazu, um zu bestimmen, ob die griechischen Bildhauerallezeit auf die nämliche Art bei ihren Arbeiten zuWerke gegangen find, oder ob das Zusammensetzender Bildsäulen von Bronze nur die Methode der er-sten Künstler vor dem glänzenden Zeitalter der Kunst,und der späteren Künstler in den Zeiten gewesen ist,wo die Kunst in diesem Theile schon in Verfall gera-then war. Die HauSgeräthe und die Vasen vonBronze find fein gearbeitet, und alle Opsergefäßeauf das zierlichste auf der Drechselbank gedreht. Siewußten auch durch Kunst ein so weißes Metall zu be-reiten,^) daß es, dem ersten Anscheine nach, wieSilber aussah.

tz. 24 . Nun will ich aber auch eine ausführlicheNachricht von den vornehmsten Bildsäulen inBronze, und besonders von denjenigen ertheilen, dienach meiner ersten neapolitanischen Reise seit vier Jah-ren gesunden worden find; es wird Ihnen nicht un-angenehm sein, wenn ich eine genauere Beschreibungdavon mache. Der Merkur in Lebensgröße ist un-streitig die schönste Bildsäule in Bronze in der Welt;in Marmor aber gibt es schönere. Da man fie ohneden Schlangenfiab fand, alles übrige aber ganz war,

73) S. die Anmerk. 43. zu den Na chrichtcn >> 0 n den neue-

sten herculanische» Entdeckungen, n>o von dieserso viel bestriltenen Stelle des PliniuS eine richtige Erklä-rung gegeben ist. Fernow

74) Diese Stelle steht in des Pausanias 3. B. K. >7., wo derKünstler LcarchoS genannt wird.

75) Man sehe kliu. /kiek. nak. 16. «. ll. reck. 22. k,. 34. c.2. reck. 3.

76) Bon dieser Art ist ein Schabeisen von sehr jierlicher Ar-

beit, das in, April I77S, in den Grabungen, die man inden pontinischen Sümpfen machen ließ, gefunden worden.E» ist darauf der Name und das Zeichen des Künstlersbefindlich, der Name ist nach dorischer Art im Genitivgestellt ««rnelißi»; da« Zeichen ist eine

Vieg«,örrin. Feg.