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Zweiter Band.
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Briefe an Bianconi.

so vermuthet man, daß sie bereits obne denselbenvon auswärts dahin gebracht worden ist. Den Griffdavon hat die Bildsäule noch in der Hand.

h. 25. Das Besondere an dieser Bildsäule isteine Schnalle, die beinahe wie eine Rose gebildet undunter der Fußsohle befindlich ist; und zeigt die Artder Befestigung an, mittelst welcher die Riemen ver-bunden und zusammengeschnürt wurden, womit dieFlügel an den Fersen angemacht werden konnten, diedeswegen angeschraubt waren, damit man solche ab-nehmen und wieder anmachen konnte. Die Rose un-ter dem Fuße ist symbolisch, und zeigt einen Merkur an, der nicht nöthig hat, zu Fuße zu gehen. Dertrunkene Satyr, der, zum Zeichen der Fröhlichkeit,mit den Fingern der rechten Hand die Castagnetenspielt, ist die zweite Bildsäule, und verdient gleichfallsAufmerksamkeit. Die dritte ist ein junger sitzenderund schlafender Satyr, der den rechten Arm auf denKopf gelehnt hält. Aber diese Figuren mit aller ihrerSchönheit können blos einem neueren armseligen undverhungerten KallistratoS Stoff zum Gespräche dar-bieten; daher will ich mein Urtheil über einige Büstenfällen und, wider die Regel einiger Schriftsteller, diedas stärkste Argument bis zuletzt aufheben, mit demschönsten den Anfang machen. Dieses ist der Kopfeines jungen Helden von etwas mehr als natürlicherGröße. Ein archäologischer Pfarrer würde ihn einenPtolomäus taufen. Um den Kopf herum hat er 88Locken; stellen Sie sich diese Locken vor wie schmaleStreifen von Papier, die mit den Fingern zusammen-gerollt und hernach losgelassen und etwas auseinan-der gezogen winde». Diejenigen, so die Stirne be-decken, sind vier- oder fünfmal, die an den Schläfenherunterhängen, achtmal, und die hinten herabhan-gen, bis auf zwölfmal gewunden. An den Ränderndieser streifigen Locken ist rund herum eine Linie ein-geschnitten. Alle diese Locken sind nicht mitgegossen,sondern erst nachher daran gemacht worden, so daßsie, wenn man den Kopf aufhebt, eine kurze zitterndeBewegung machen. Ein anderes Brustbild, aber vonhetrurischem, oder dem ältesten griechischen Styl, hatebenfalls auf der Stirne bis an die Schläfe solcheangesetzte Locken, aber auf eine andere Art, nämlichwurmförmig und von der Dicke eines Federkiels, oderdes stärksten Eisendrahts. An einem andern Kopfe,der für einen Plato ausgegeben wird, sind großeLocken an die Schläfe angesetzt.") Dieser nicht soängstlich, sondern im erhabenen Styl der Bronzenverfertigte Kopf kann mit Recht ein Wunderwerk derKunst genannt werden. Er sieht von der Seite nie-derwärts; die Stellung zeigt Verachtung an; die Ge-sichtSzüge aber nicht; die Stirne ist gedankenvoll, derBlick aber angenehm. Der lange Bart, der nicht sodicht, als der Bart eines Jupiters, aber mehr gekräu-selt und von einander getheilt ist, als man an denKöpfen sieht, welche den Plato vorstellen sollen, istin Furchen gezogen, wie man mit dem feinsten Kamme

machen könnte, ohne daß dieselben scharf eingeschnittensind, sondern so weich wie graues Haar. Auf dienämliche Art sind die wellenförmigen Haupthaare ge-bildet. Aber, Freund, kein Mensch ist im Stande,das Künstliche dieses Kopses mit Worten zu beschrei-ben. Auch ist ein Brustbild des Demosthcnes vor-handen; der Beweis davon ist die griechische Inschriftk >//o. >8) Dieses sein Bild kann man

für das einzige halten; denn das Brustbild des Ant.Agostini und der Karneol des Joh. Pet. Bel-lori sind sehr zweideutig. Ich könnte Ihnen auchein vorgebliches Brustbild des Heraklit anführen,wenn ich nicht noch zweifelhaft wäre, ob man ihmsolches zuschreiben kann. ") Von dem Brustbild desHcrmarchus habe ich bereits in einem meiner vori-gen Briefe Erwähnung gethan.^")

5. Nachrichten von den marmornen Ditdlaulenzu Hercuianum.

§. 26. Die marmornen Bildsäulen sind allenur mittelmäßig; ich will cS aber nicht so geradewegbehaupten, ohne Ihnen Beweise davon zu geben. Indem nämlichen kleinen Tempel, aus welchem die größ-ten Gemälde, und unter andern Achilles und Chi-ron, die ich Ihnen schon bei einer andern Gelegenheiterwähnt habe,°') ausgegraben worden, find auch zweiBildsäulen des Jupiters gefunden worden, derenobere Hälfte unbekleidet ist; sie sind weit über Lebens-größe, aber ohne Kopf. Die Bildsäule eines Vatersder Götter muß eine ideale Sache sein, und was denKörper anbelangt, so muß er von allem dem frei sein,was das Bedürfniß der menschlichen Schwachheit er-fordert, ohne Adern und Arterien, so weit sich diePhantasie der göttlichen Natur nähern kann, die miteigener Kraft wirkt, und nicht von der Nahrung, derVerdauung, und der Absonderung des Blutes abhän-gig ist; da ein ätherischer und belebender Geist in den-selben eingegoffcn ist, der, keiner Veränderung unter-worfen, sich überall gleich verbreitet, und eigentlichso zu sagen die Gestalt bildet, deren Umriß blos einGefäß dieses Geistes zu sein scheint. Der Unterleibmuß nicht dick sein; denn er muß zwar völlig, abernicht vollgestopft aussehen, und anzeigen, daß er ge-nieße, ohne etwas zu sich zu nehmen. Nach dieserhohen Idee hat Apollo nios von Athen seinen ver-götterten Hercules gebildet, nachdem er sich vonden Schlacken der Menschheit auf dem Berge Oetagereinigt hatte. Ich habe schon ehemals mit Ihnenvon diesem wunderwürdigen Uebcrbleibsel des Alter-thums geredet, welches bei dem großen Buonar-roti solch inniges Vergnügen und Verwunderung

78) Ebendns. 7a». II. x. 55. S. auch Tos. 18. diese« 2tenBandes.

79) S. 7- I. cle vnonri U'Lreol. 7av. 51. p. 115.

80) >>n ersten Abschnitte dieser Briefe, j 7.

81) im §. 15. und 18. dieser Briefe.

77) S, 7, l. S»' Leo«« SLe «»1«»a, 7»». II. p. lIS.