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Briefe an Bianconi.
erregte. 22) Künstler befühlen diesen Torso, lassenihre Hand auf ren schönen schlangenförmigcn Windun-gen sanft hingleiten, und rufen auö-' OIi,denn! Ich habe aber noch von Niemanden dasWarum sagen hören- Die Römer sind nicht gewohntnachzudenken, davon kann ich unwiderlegliche Beweisegeben.
§. 27. Eine Charitas des Bernini ist ihreSache. Bernini hatte ein vielumfassendes und ori-ginelles Genie; er war einer der berühmtesten Künst-ler seines Jahrhunderts, und hatte einen für seineJahre bewundernswürdigen Versuch seiner Kunst be-wiesen durch die Verfertigung seines Apolls undseiner Daphne in der Villa Borghese , die allzu ge-zierte Manier abgerechnet; aber in der Folge kam ervon dem rechten Wege ab, wurde ein großer Archi-tekt und blieb ein schlechter Bildhauer. Aberwieder auf unsere erste Rede zu kommen: zu einemsolchen hohen Ideal hat sich der Bildhauer der bemel-deten herculanischen Statuen nicht erheben können-Er hat uns einen Jupiter vorgestellt, der aber zusehr Mensch ist, in der Gestalt des Nebenbuhlerseines Amphitrpon, und nicht in der Gestalt, wieer mit einem finstern Blicke die Erde zittern macht-Und die Wahrheit zu sagen, können sich die beidenJupiter zu Portici glücklich schätzen, daß man siegelassen hat, wie sie sind; sie würden zu erniedrigterscheinen, wenn sich die dortigen Bildhauer an siewagten. Unter andern ist ein Bacchus da, miteinem modernen Kopf, an dem ein spanischer Bild-hauer so geflickt hat, daß eS ein wahrer Skandal ist;ßkliilukrzue cueurrit uil nsa» treinar, wenn man nurdaran denkt. Der berühmte Bernini hat mehr alsfranzösische, dieser aber mehr als ostrogothische Er-gänzungen gemacht; und gleichwohl hat man seinemMeißel die Verzierung einer Kirche auf königliche Ko-sten anvertraut. Der arme Schelm ist darüber ge-storben- Ein anderer königlicher Bildhauer, von Ge-burt ein Römer, den Dapardi im höchsten Gradelobt, hat ein Modell zu einer Statue des Königs zuPferd verfertigt, an der er bereits zu arbeiten wirdangefangen haben. Den Musen zum Trotz hat er,noch ungerechnet, daß der Monarch aussieht, als einturnirender Reiter, ihm auch Steigbügel gegeben,von welchen die Alten nichts wußten.^') Die Steig-
82> i»> iweiten Abschnitte dieser Briese,
83 ) n. er. I- »- 28 - 30 - «oral. I. Z- Oll, l. r. 8 .
84, Ueber die Frage, vb die Allen sich der Steigb ügel beim-keilen bedient haben, ist oon den Gelehrten diel g-strit.len worden- Im Allgemeinen nimmt man an, daß si-elst nach dem vierten Jahrhunderte christlicher Zeitrechnnngerfunden worden- Man sehe darüber einige Briese vonTnper und Sperling in dem Supplement des Po-len » S zu den römischen und griechischen Alterehümern7V 4. p. l9I. »egg. lind Du Dnngs 6/orrae. nieeteae et in-Fmae taten- ». Si-tapi». Winckelmann hat in densttonum. ant. ineck. /-an. 4. er. 12. Page. 265. von den Mit-teln gehandelt, deren die Alte» sich statt ibrer zu». Auf-steigen bedienten. Nach dem Xenvphon D- mag- egutt-»per. xag. S5S, schwangen die Jünglinge sich springend auf
böge! zu Portici sind der Pendant zu den Hufeisender Centauren des Corradini im großen Gartenzu Dresden , und zu dem legionarischen Kuiraß derPallas am Eingänge des Brühlischen Palais rc.
6, Nachrichten von andern beträchtlichen he»culanilchen Alterthümern.
Z. 28. Ottavio Bapardi, in seinem Ver-zeichnisse, das er uns in seinem Prodromo mit-theilt, läßt sich, unter sehr vielen andern ganz irrigenBegriffen, auf die Erklärung eines erhabenen Bild-werks auf einem silbernen Gesäße ein.^) „Ein Gefäß— sagt er — in Form eines Mörsels ... in erhabe-ner Arbeit sieht man eine Apotheose darauf —
daS Pferd; und ei gab zu diesem Zwecke, sowohl in Erle,chenland als in Nom, Schulen für diese Uebung, wo dieJünglinge sowohl von der linsen, als von der rechtenSeite, und von hinten über'S Kreuz, sich aus ein hölzer-nes Pferd schwangen. Den Allen gab dieser Schrisistcller
den Rath, sich nach Weise der Perser aus'S Pferd heben
zu lassen. Aber in dem Werke ck- 2i- egue-tti, pag. S42.schreibt er, daß einige sich des Spießes zum Aussigen be-dienten, nämlich daß sie den rechten Fuß auf einen eiser-nen Stift fehlen, der horizontal am untern Ende de«Schafts befestigt war, den sie mit drr rechten festhielten,während sie mir der linken den Zügel des Pferdes saß.ten, wie man auf der daselbst Nr. 2Ü2. beigebrachtenGemme und »och aus zwei andern Memmen bemerkt, die
er anführt. Dadurch wird aber für die, welche keine
Lanze trugen, weil sie nicht in'« Feld zogen, die Schwie-rigkeit nicht gehoben. An« dem P l u tarch vonfug. praee.princ. aper. D. 2. p. 139. 21. weiß man, baß die Schwa-chen und Verzärtelten Pferde hatten, die abgerichtet wa-ren, die Knie zu beugen, m» da« Aussihen zu erleichtern.Bergier 22i-t. cker grnrrck, c/rernrnr cker 2kom. Itv. 2. Leck.ZI. und Pratill i 21-1,l'i» ckppia kiö. I. c. 7. p. 38.haben geglaubt, daß an den Seiten der alten Landstraße»Steine errichtet gewesen, um aufzusteigen; eine Meinung,die »ach WinckelmannS Behauptung nicht Stich hält,obgleich nicht zn läugnen ist, daß manche sich dieser zuändert» Gebrauch gesetzten Steine oder Einfassungen derStraße zu diesem Zweck bedienten. Wie es aber auchdamit bewandt sein mochte, so glaube ich, daß der Bild-hauer nicht zu tadeln sei, daß er dieser Statue zu PferdeSteigbügel gegeben habe. Er hat da« Kostüme beobachtet,wie des Künstlers Pflicht ist, und wie W. selbst in svvielen Stellen seiner Kunstgeschichte fordert. Wennwir die Künstler tadeln, welche Personen des Alterthum«in moderner, venezianischer oder römischer Rüstung undTracht darstellen, wie W. selbst im fünften Abschnittedieser Briefe thut, und im folgenden zu thu» fortfährt,warum fordern wir, daß Personen und Krieger unsererZeit sich im allen Kostüme kleiden obrr rüsten sollen 7Fea. Auch diese Streitfrage ist oft und vielfältig vonunsern Kunstgelehrten hin und her geworfen worden;aber noch Niemand hat unsers Wissen« etwas ganz Ge-nügendes darüber vorgebracht; indessen kommt eS doch beiibrer Beantwortung darauf an, vb bei Denkmälern be-rühmter Männer unserer Zeit, wenn beide« nicht verein-bar ist, die Kunstfordeeung oder die historische Wahrheitden Vorrang behaupte; und darüber sollte unter denKunstverständigen doch wohl Uebereinstimmung der Mei-nungen mögltch sein, sobald man nur über da« Principselbst erst einig wäre. Fernow,
85) e xatere, n, 54ü.