Band 
Zweiter Band.
Seite
207
JPEG-Download
 

207

Briefe an Bianconi.

hkit, einige wohlgemeinte Betrachtungen über das Buchdes Grafen von CapluS anzustellen. Er hat mitjener großen Ueberlcgung geschrieben, die in einerklugen Vorsicht besteht, nicht zu viel zu wagen; mansieht, daß sein Fuß oft

igne,

8»ggosilo!> einer! tkoloso 23)

betritt. Ihm gebührt zuerst der Ruhm, in das Wesent-liche des Styls der alten Völker eingedrungen zusein.") Solches aber in Paris bewerkstelligen zu wol-len, macht das Unternehmen noch schwerer. Im zwei-ten Theil, 'lab. 39. gibt er uns die Zeichnung einerFigur, die ihm der Bildhauer mittheilte, der dasModell der Statue zu Pferde machen soll, welche dieostindische Compagnie dem Könige von Dänemark willsetzen lassen. Diese Figur, die sich jetzt im Kapitelbefindet, war damals, als Sally sie abzeichnete, beiden Jesuiten zu Tivoli, und der Unterschied zwischendieser Zeichnung, und einer viel genaueren im MuseumCapitolinum, hat den Verfasser doch nicht auf denGedanken gebracht, daß seine Figur mit jener nichteinerlei sein könne. Es ist wahr, der Verfasser desMuseum Capitolinum, Bottari,^) konnte ihm hier-innen keinen Unterricht geben, weil er nichts davon zusagen gewußt hat. CapluS gibt vor, diese Bild-säule sei aus den ältesten Zeiten Griechenlands , alsdie Bildhauerei daselbst der ägyptischen ähnlich war,so wie die Bildsäule des Arrhachion, die in derlösten Olympiade verfertigt, und vom Pausanias beschrieben worden ist. Was dieses anbelangt, so istes nicht ausgemacht, ob die, so zu sagen, ägyptischeStellung dieser Bildsäule, nicht vielmehr eine Stellungwar, die einen besondern Beweis seiner Stärke geben

spielte, wenn die andern beide Hände dazu gebrauchten,nämlich die Rechte mit dem Plektren» oben, und dieLinke unten. Wegen dieser meislerhasten Art zu spiele»,ward ihm in seinem Vaterland» eine Statue gesetzt. Dein,Eicerv heiß die Stelle: ...x-peiiüum, vetus oppielum et

aeckibue posuit; ut eliam illum ip,um artiücio ,uo -upera-se

(Ueber den Ausdruck: Iiitu, ennere, sehe man den lncler.Int. llie. 6. 6. Sciisjtr ,. V. ca»o. Böttiger im atr.Museum I. 2. p. 354. u. Eendschr. t 77.)

95> Ilorat. klart». I,. 3. ock. I. veoF. 7. 8.

94) Die Hauptlüge seines Lebens findet man im ckournak encpckopS-tigue gedruckt in Bouillon, annele 1773. 7'. I. par.2. p. 315. u. ff. Er wurde in Paris den 3l. Okt. I6S2geboren, und starb daselbst den 5. Sept. 1755. Fea.

95, D. 3. kau. 81.

95) Dieser gelehrte Prälat starb 1775 im 87stcn Jahre seine«Alter«. Ein Verzeichnis seiner zahlreichen Schritten, wrr>unter sich seine Anmerkungen zu Dasari'« Leben derMaler und seine kam» »ubterrane» in 3 großen Quart-Bänden auSieichne», ist in des Grafen MazzuechelliScrittori Ä'ItaU» eingerückt.

sollte, weil sie der Stellung gleich ist, in der Milonvon Crotona abgebildet war. °') Arrhachion warein Zeitgenosse der Pisistrate, die zur Beförderungder Künste und Wissenschaften so vieles beitrugen, undman könnte durch einige Münzen beweisen, daß dieZeichnung der Griechen sich schon vom ägyptischen Ge-schmack losgemacht hatte. ^) Die Zeichnung des Cay-lus ist mit der Freiheit gemacht, welche die Franzosen<r5,,ril nennen; und dieses ist zum Theil die Veran-lassung zu dem Jrthum des Verfassers. Die Bild-säule ist im ägyptischen Geschmack zu Hadrians Zei-len verfertigt. Im nämlichen Styl ist ein sogenanntesIdol im Kapitol gearbeitet, und unter diesem Namenist cS auch im Museum Capitolinum 3. 'I'-ab. 73.)angeführt, und ist der wahre ägyptische AntinvuS.An seinem Orte will ich solches beweisen. Der-gleichen capitolinische Paradoxa werden künftig einmaldie römischen Alterthumsforschcr in Aufruhr bringen,die größtentheils nichts weiter als ihre alte Traditionwissen. Der Gras hat auch einen gewissen Jrthumangenommen, der darin besteht, daß er alle gemalteirdene Gefäße für hetrurische hält. Im Museum

97) Pausanias l.. 8. c. 10. p. 582., wo er vom Arrha-chion spricht, sogt, baß derselbe drei Siege errang) dendritten, wo er starb, in der 54. Olympiade; und daß ibmeine Statue errichtet worden; aber er sagt nicht, ob die«erst nach seinem Tode, dc« dritten Stege« wegen, oderschon früher, der beiden ersten Siege wegen, geschehen sei.Doch sagt er ausdrücklich, daß in der Stellung und Ge-bende derselben ihre Alterthümlichkeit zu erkenne» gewesen.I.. 5. c. 14. p. 486. spricht er auch von der Statue desMilo», ohne zu sagen, in welcher Stellung sie sich be-fand. Auch glaube ich nicht, daß Plini u S L. 36. c. 4.--ct. S. darüber Licht geben könne, wo er sagt, daß den Sie-gern in den olympischen Spielen, auch eines Siege« wegen,Statuen gesetzt zu werden pflegten; wenn sie aber dreimalsiegten, so seien ihnen ikonische, d. h. ihre Gestalt undPhysiognomie nachbildende, Statuen gesetzt worden.

Fea.

98) Diese Behauptung scheint durch da« Bestätigung zu erhalten,was Polycharmv« beim Athenätts >5. c. 6. p. 575.am Ende vom Herostratu« erzählt, welcher, al« er inder 23. Olympiade von PaphoS in Eyper» nach Neucrati«seinem Baterlande zurückkehrte, eilte kleine Statue der Ve-nus, eilten Palmen hoch und im alte» Styl gebildet, mitsich gebracht habe: cum »lignanlla ,3 Lvpri kapicon narem

sich also schon in jener Olympiade der uralte Styl verän-dert. Die Statue des Arrhachion war mehr al« 30Olympiaden, oder über 129 Jahre später, und war noch imalten Styl gearbeitet. Wer weiß, ob die» jener uralteStyl war; oder ob derselbe, da wo die Statue gearbeitetworden, sich noch nicht verbessert halte? Nach dem Pli-nill« hatten sich schon um die 54. Olympiade verschiedeneBildhauer in Marmor berühmt gemacht, und mehrere Sta-tuen der Gottheiten gebildet, welche, ihrer Attribute wegen,nicht in egyptischer Manier, leblo«, starrend, mit eng anden Körpern geschlossenen Händen und Füßen gebildet seinkonnten, wie Apollo, Diana, Hereule« uud Mi-nerva, welche Oipöno« und ScylliS verfertiget hatten.Dasselbe gilt von den Malern, welche seit dem Anfangeder Olympiaden so geschätzte Gemälde verfertigten, wie Pli-niuS k,. 36. e. 8. -eet. 34. meldet. Fea.

98) M. s. die vorläufige Abhandlg. im ersten Band dies- Autg.r. «. §. 25.