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Briefe an
über welchem stufenweise zwei Absätze, jeder einenPalmen hoch, angebracht waren, um Schüsseln, Tellerund dergleichen darauf zu setzen. Das Fußgeflclle warvon einer Art Peperino mit Breccia belegt, miteinem rings umher gehenden Streifen von Verdeantico; die Absätze waren ausgleiche Weise bekleidet.Ich blieb den ganzen Tag dabei, um es abzuwarten,bis daß der ganze Schenktisch dem Auge sichtbar wäre.Der Direktor des Museums und ich hielten unser Mit-tagsmahl von dem, was für uns in Portici zubereitetworden, auf selbigem; die Asche war aber zu fest undzu hartnäckig, so daß wir das Ende nicht abwartenkonnten. Wir gingen in die Hauptstraße der Stadt,die mit Lava gepflastert war, welche die Alten nichtkannten, die aus einigen um den Vesuv herum ge-fundenen Stücken Bimsstein urtheilten, daß sich dieserBerg in alten Zeiten einmal entzündet haben müßte,da man doch den Bimsstein in den pompejischen Ge-bäuden mit verarbeitet findet.Die Kunst zu be-obachten ward bei den Alten eben nicht sehr geübt, unddarüber haben sie die schönsten Entdeckungen vernach-lässigt- Auch die Straßen des alten Herculanumsind mit Lava gepflastert. Der Schenktisch ist nachmeiner Abreise ganz heraus und nach Portici gebrachtworden. Wenige Schritte davon kamen die Arbeiterbeim Nachgraben an eine kleine Gartenthür, an derenEingang zwei weibliche Statuen von gebrannter Erdestanden;^) sie find 5 Palmen z'/e Zoll eines römischenSchuhes hoch, und haben eine Larve vor dem Gesicht.An der einen fehlt eine Hand, die schon vor Altersmuß gemangelt haben; denn da alles übrige ganz ist,so hätte sie sich auch dabei finden müssen. Dies sinddie ersten Bildsäulen von Thon, die sich erhalten haben,und schätzbar durch das, was sie vorstellen. ZuStabiä sah ich eine schöne Badstube, mit dem dar-an stoßenden Tepidarium; es würde aber mehr alsein Brief dazu gehören, alles zu beschreiben. Nachallen seit vier Jahren angewandten Bemühungen, An-schlägen, Bitten, und vergeblichsaufgewandten Kosten,ist es mir endlich gelungen, die Grundrisse der unter-irdischen Ausgrabungen zu sehen, die ein königlicher
106)Di°dor. I. 4. §. 21. p. 2K7. und Strabo r. L. p. 378.schloffen aus den Spuren von Verbrennung, welche sie anden Steinen de« Berge« sahe», daß er gebrannt habe; undBitruv- t. r. -. s. schloß es au« dem Bimsstein und ausder Pozzolana. Fe a.
107) Die In Pompeji gemachten Entdeckungen und die daselbst
autgegrabenen Gebäude hat der Ritter Hamilto» be>schrieben, und in Kupfer stechen lassen, in einem Band,chen in 4., da« 1777 in London in englischer Sprache er-schienen ist. Auch hat Piranesi verschiedene Aussichtendavon in Kupfer bekannt gemacht. Fea.
108) Eine Statue von gebranntem Thon, 2 Fuß hoch, und
yon vortrefflicher Arbeit, einen Haukgötzen vorstellend,sitzend, und mit einem Hundefell bekleidet, wurde 1773 inder Gegend von Perrugia entdeckt, und daselbst von demAbate Passeri erklärt. Da« Merkwürdige an diesemBilde von Thon ist, daß es den. Name» de« Künstler« ander Base hat: 0. k'Vk'IVS. rldixir. Jetzt werden diebeiden pompejanischen Statuen nicht mehr die einzigensein. Fea.
Winckelmaim« Werke. II, Bd-
Bianconk.
Ingenieur und Aufseher bei dieser Arbeit mit unglaub-licher Genauigkeit verfertigt hat; solche haben mir invielen Sachen Licht gegeben, und ich werde meine da-durch erlangten Kenntnisse mit Gottes Hülfe einmalbekannt machen. Ich habe auch eine Reise nach Pä-stum gemacht, von dessen Architektur ich Ihnen jetztmelden will. Die drei Tempel oder Säulenhallen findalle in einem Stpl, und vor der Festsetzung der Pro-portionsregeln gearbeitet. Die dorische Säule soll sechsihrer Durchmesser hoch sein; die Säulen zu Päst umaber -alten noch nicht fünf derselben. Darausläßt sich schließen, daß die Baukunst erst nach derBildhauerkunst aus gewisse Regeln gebracht worden.Die Architektur amParthenion zu Athen hat wenigZierlichkeit in Vergleichung mit den erhabenen Arbeitenam Fries des Gebälkes, von welchen ich eine sehr ge-naue Zeichnung gesehen habe, die Stuart, ein Eng-länder und Baumeister zu Greenwich verfertigt hat.Die Behauptung, daß die Architektur mehr ideal sei,als die Bildhauerkunst, wird manchem paradox scheinen.Ich schließe aber folgendermaßen: Die Baukunst hatkeinen in der Natur befindlichen Gegenstand nachahmenkönnen, der einem Hause ähnlich sähe; der Bildhaueraber hatte sein Urbild in der Natur vollkommen undbestimmt vor sich. Man muß gestehen, daß die Regelnder Proportion vom menschlichen Körper hergeleitetund also von Bildhauern festgesetzt worden- Diesemachten ihre Bildsäulen sechs Fuß hoch, wie Vitruv sagt; und das genaue Maaß, das ich von ihnen ge-nommen, stimmt damit überein. "») H u et in seinenlluetianis will hier im Text des Vitruv einige Un-richtigkeit finden, und an der Richtigkeit einigermaßenzweifeln. 1") Das Studium der Kunst ist aber eine
lüg) Man sehe die Beschreibung derselben in der Vorrede zuden Anmerkungen über die Baukunst. Daß dieseEäulen weniger als sechs Durchmesser haben, welcheVitruv der ältesten dorischen Ordnung beilegt, beweisetnicht, daß sie vor der Festsetzung dieses Verhältnisses ver.fertigt worden, sondern daß sie von einem niedrigern Ver-hältnisse waren; denn die Gebäude habe» i» alle» ihrenTheilen gute Verhältnisse, obgleich sie in sich selbst nichtvon, besten Geschmacke sind. In den ältesten Zeiten derKunst suchte man zuerst Festigkeit und dann Schönheit;und jene wurde in Gebäuden und in Statuen beabsichtigt,da man auch in der Menschengestalt Festigkeit und Stärkevorzüglich schätzte. Feg.
Ill» Vitrur. t. 3. c, I.
IN) Auch in der Geschichte der Kunst 5. B. 4. K. Il>. §.tadelt W inckcl m ann den Huet wegen dieser Stelledes Vitruv, obgleich auf eine andere Weise, und läßtihn etwas sagen, was er nie gedacht hat. Um o. 12. p.33. zu behaupten, daß der Mensch sowohl im Physische»als im Intellektuellen sich immer verschlimmert habe,führt derlelbe als Beispiel den Vitruv über da« Ver-hältniß des Fuße« zur ganzen Gestalt an, welcher in al-ten Zeiten für den sechsten Theil derselben gehalten wor-den, und jetzt kaum der siebente sei: les Proportion» mstme
Dies würde höchstens beweisen, daß entweder der Fuß sichverkleinert, oder die Hhve der Gestalt zugenommen habe.
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