211
Briefe an
der verfallenen Malerkunst, im Stande wären, ein Ge-mälde zu verfertigen, das dieses überträfe. Das großeOriginalgemälde Pauls III. Farnese von Titian ,gleichfalls von drei Figuren, steht neben jenem, wieder Apoll des Kallimachos neben Homers Phö-bus, und wie die Diana in der AeneiS neben der inder Odyssee. Ich aber bin freilich kein Maler, undwill blos bei dem stehen bleiben, was mehr in meinFach gehört.
§. 32. Die Münzen befinden fich auf zwanziggroßen Tischen, die mit einem feinen Drathgitter be-deckt find; fie sind alle in Stäben von Bronze einge-faßt, die man umwenden kann, um sowohl die Haupt-seite als die Kehrseite zu betrachten. Ich habe solchenach weggenommenem Gitter ganze Tage lang besich-tigt. Das Museum ist noch beträchtlicher als dasBuch des P. Pedrusi, i 0«a,'i etc. >") betitelt, be-sagt; ein abscheuliches Geschmiere, das aber von denPedanten sehr hochgeschätzt wird. Der Verfasser hatsich nur mit den römischen Münzen abgegeben, weilsolche zu historischen Streifzügen mehrere Gelegenheitgeben. Das vornehmste in diesem Museum, wenigstensmeinem Geschmack nach, sind die griechischen Mün-zen auf fünf Tafeln, deren größter Theil das Fau-caultische berühmte Museum ausmachte, so der letzteHerzog von Parma kaufte. Der Kardinal Noris er-wähnt derselben in seinem Briefwechsel mit dem Gra-fen Mezzabarba, desgleichen der P. Montfau-con in seiner I?nIneogpnpI,i» grnocs. Diese Samm-lung, und die Freiheit alles genau zu beobachten, hatmir mehr Licht gegeben, als so viele andere Samm-lungen, die ich gesehen habe. Der König hat solchenoch dadurch vermehrt, daß er die goldenen Münzender römischen Kaiser an sich gekauft, die der KardinalAlex- Albani gesammelt, und der Marchese Gri-maldi vermehrt hat, nach deren Tode sie durch Ver-mittelung eines Kaufmanns zu Livorno mit der farne -sischen Sammlung vereinigt worden sind. Der Könighat 4oso neapolitanische Dukaten dafür bezahlt. Siebesteht in 143 Münzen; die seltenste darunter ist einAemilian, versteht fich in Golde. Nun ein paarWorte von der Bibliothek zu 8. Oi'ovnnni Darbon»,-».Sie entstand aus der Büchersammlung des Sanna-zar, deSJanusParrhasiuS, der solche dem Kar-dinal Scripand o vermachte, und aus den Büchern,welche dieser Kardinal selbst besaß, und enthielt imvorigen Jahrhundert eine große Menge schöner griechi-scher und lateinischer Handschriften. Die Gutwillig-keit dieser Augustiner und das Ansehen der Landes-herren hat solche aber beinahe in ein Nichts verwandelt.Zu Ende des vorigen Jahrhunderts kam ein junger
llS) Der Jesuit Paolo Pedrusi hat ovn den Münzen de«Musei eine Beschreibung gemacht unter dem Titel: ll--nri in oro raccolki nel knrnese lUiisso in Nsrms, in zehndicken Bänden in Fol., wovon der erste >S94 herauskam.Der lehte ist l727 gedruckt, und schließt mit dem KaiserTrajan. Zwar gehen die Schaumünzen, die mit Ju-lius Cäsar anfangen, bis auf C v nstan ti n den Großen,«ber die Beschreibung ist seitdem nicht fortgesetzt worden,
Daßdorf,
Bianconi.
gelehrter Holländer, Namens Witt, nach Neapel ;vielleicht war es der nachherige Amsterdamer Bürger-meister, der seinen Namen berühmt gemacht hat. Erüberlistete einen der guten Augustiner, der ihm um3oo Skudi 4o der seltensten griechischen Handschriftenverkaufte. Dieser Handel wurde ruchbar; aus Mangeleines Verzeichnisses konnte der Verkäufer aber nichtüberführt weiden, und Witt reiste mit seiner schönenBeute davon. Diese Nachricht habe ich aus einem ge-wissen Briefwechsel gezogen. Die letzte Verminderungder Bibliothek an so vielen kostbaren Manuscripten,ist von den Oesterreichern geschehen, die auf königlicheOrdre die besten Ueberreste weggenommen haben. Denberühmten Dioskorides, die mit vergoldeten lille -rig waziisculis auf purpurfarbnem Pergament geschrie-benen Evangelisten,'") einen Ilioitoru, 8i<-„Iu-,, l.^-copliron, I)i« Oitnain-,, kuripiäe« etc. sämmtlich Grie-chen, muß man jetzt in Wien suchen. Traurige Ver-änderungen!
9. Nachrichten von einigen in Nom und denumliegenden Gegenden ausgegrabenenAlterthümer».
?. 33. ES ist Zeit, daß wir auch ein wenig vonden römischen Alterthümern reden; nicht von denen,die schon seit langer Zeit von jedermann gesehen wor-den sind, sondern von solchen, die erst jetzt auSgegrabenund entdeckt werden. Großes Rom!
- - - - Po88>5 »iliil »rlie K01I-4
vi8ere inss»8.
§. 34. Bei Grabung des Grundes zu einem Ge-bäude, welches die Silvcstrinermönche von 8->nt<> 8te-lano ilol Oncco aufführen, fand man drei große Trüm-mer vom Gebälk eines Säulenganges, wie man aushrer Krümmung schließen kann. Sie sind von
116) I» der italienischen Erzählung deSKollar, in dem untenangeführten Werke, wird getagt, die Handschrift sei auf pur-purfarbnem Papier, zum Unterschiede pon so vielen andernauf Pergament. Fea,
>17) In den Supplementen deSKollar zum ersten Theile dcrKommentarien der Wiener Bibliothek von Peter L am.becins coi, 73«, - -es-, wird ein Berzeichniß von allenHandschriften und Büchern gegeben, welch- aus der Biblio-thek zu Neapel in die kaiserliche Bibliothek nach Wien ge-bracht worden, Daßdorf,
118) Ilorat, Carm. «aecul, v. ll, >2.
llS) Fl an, ini o Da cca in seinen M-mori- »um. 27, schreibt,daß zu seiner Zeit, als man unter der Kirche St, Stefanogrub, daselbst ein Theil eine« Tempel« entdeckt worden, dessenSäulen von gelben, Marmor noch aufrecht standen, aber somürbe gebrannt waren, daß sie in Stücken zerfiele», als mansie heraus nahm- Auch fand man daselbst Anäre, an wel-chen Widder mit Zierrathen am Halte abgebildet waren.Dieß alles beweist, daß das Gebäude ei» Tempel gewesen;und die Topographen RomS mögen untersuchen, ob viesteichtan jenem Ort der Tempel des SerapiS gestanden, wieNardini Koma antica 55, L, cap, s, PNA 33>, cok, l,vermuthet, De» Beinamen ckel Occn soll, bieten, Schrift-steller zur Folge, jene Kirche von der Statue eine« Cynoee-
14 -