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Zweiter Band.
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Briefe an

§. rs. Kurze Zeit nachher fand man eine Bild-säule ohne Füße und Arme; der Kopf ist davon ge-trennt. Sobald sie nach Rom gebracht worden, erfuhrich solches von dem Erganzer der oben erwähntenVenus, und wir beiden gingen mit dem Besitzer der-selben nach der Villa Borghese , wo sie in einem Schop-pen steht, um sie in Augenschein zu nehmen. An demKopse erkannte ich die Bildung und Züge des Fla-ir ia nischen Geschlechts, und fand Aehnlichkeit mitdem Kopfe des Domitian . Der Rumpf ist in derbesten Manier gearbeitet, aber von Salpeter zerfressenund mit solchem bedeckt, so daß man den Marmor mitden Fingern zerreiben kann. Man siebt deutlich, daßdaran Gewalt gebraucht worden, nämlich tiefe, kreuz-weise mit eisernen Werkzeugen gehauene Löcher. DerKopf ist besser erhalten. Da der Rumpf gleich unterder Oberfläche der Erde, der Kopf aber viel tieferunten an der Mauer gefunden worden, so ist es wahr-scheinlich, daß dieser Torso schon einmal ausgcgrabengewesen, und weil man den Kopf vermißte, wiedervernachläßigt und neuerdings wieder mit Erde bewor-fen worden, daher er von der Feuchtigkeit und fressen-den Luft so viel gelitten hat. Die ganze Bildsäulewird ungefähr zwölf Palmen hoch sein. Wir wissenaus dem Sueton, ^») paß alle Bildsäulen diesesKaisers gemißhandelt, vergraben und verstümmelt wor-den. Auö dem, was ich gesagt habe, erhellt, daß auchdiese nicht von der Verachtung und Wuth des Pöbelsverschont geblieben ist. Montfaucon redet voneiner Bildsäule des Domitian im Palast Giustiniani,seinem Vorgeben nach der einzigen in der Welt.ist vielleicht diejenige, die sich seine Gemahlin vomSenat auSbat. Nach dem ProcopiuS war solcheaber von Bronze, da hingegen diese von Marmor ist,und man sieht, daß der darauf gesetzte Kopf einesDomitian nicht derjenige ist, der anfänglich daraufgestanden hatte. Im vorigen Jahrhunderte ward andem nämlichen Orte folgende Inschrift eines Parthc-niuS gefunden, die Fabretti (0. 7. Inscr. num.388. p. 34V.) anführt:

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tz. 38. Nach der obbemeldeten Bildsäule des Do-mitian zu muthmaßen, sollte ich fast glauben, daßdie in der Aufschrist erwähnte Person der nämliche

mährte, weshalb sie dieselben auch In ihren Villen und aufEpaziergängen pflanzten, und mit solcher Sorgfalt pflegten,daß sie sogar ihre Wurzeln mit Wein begossen. Fernow.

124) Sie steht in der Villa Albani, und eine Abbildung davon be-findet sich in des Cavaceppi Kacco/ta ck« Statue, ete. D. 1tab. 2. Sie ist nackt i»> Heroen costume. Winckel-mann erwähnt ihrer auch in der Geschichte der KunstN. B- 3, K. 22 . §. und in den Denken, x- U. K. 8.

Fea.Fea.

Bianconi.

l>»rtl>enius cubkculo praepvsilus dieses Kaisers ist,dessen Sueton in seinem Leben 6. 16. Meldung thut.Ich kann nicht unterlassen, Ihnen eine andere Neuig-keit zu berichten, nämlich, daß in der Gegend von Eor-neto nach Civitavccchia zu, auf tausend Höhlen vollder ältesten Grabmäler gesunden worden sind rc.

§. 37. AIS der Kardinal Alex. Albani vorkurzem seine Verrathe von alten marmornen Bruch-stücke», die wir cnmteri (Begräbnißplätze) nennen, durch-musterte, fand man eine auf einem Stuhle sitzendeFigur; auf dem zerbrochenen Fußgestelle entdeckte mandie Buchstaben . . . Auf der Lehne des Stuhles

war ein erhöhter Streif mit den Titeln von zehnTrauerspielen des Euripides, der in einen Winkeldes Lollegii komani der Jesuiten geworfen wordenwar. Ich lief geschwind dahin. Das Maaß und dieGestalt des Bruchs, die ich mir vorher auf Papier ge-zeichnet hatte, traf vollkommen mit einander überein;es wurde also dieses Stück gegen einige alte silberneMünzen der Kaiser eingetauscht. Die alten Denkmälerhaben oft einerlei Schicksal mit jenem Diebe, der daseine Ohr in Madrid und das andere in Neapel ließ.In allem werden nicht mehr als 37 Trauerspiele dar-auf verzeichnet stehen, die vielleicht von den Alten fürdie Vorzüglichsten gehalten wurden; darunter habe ichdie Namen von fünfen gefunden, deren kein Schrift-steller erwähnt. Auch ist noch etwas Besonderes dabei,wovon ich zu seiner Zeit Gebrauch machen werde.

Der daran fehlende Kopf soll von einem alten Brust-bilde kopirt werden. Erwägen Sie nun selbst, wie eineSache der andern die Hand bietet, und daß man allesgesehen haben muß, wenn man sich für einen Alter-thumSkenner ausgeben will. Ohne die Kenntniß deseinen der vier letzten herculanischen Gemälve hätte mandiese Figur nicht ergänzen können. Man entdecktkleine Stifte daran, die ein offenbares Kennzeichen derlinst» pur», oder des Scepters find, ungeachtet esscheint, daß solche einem Poeten nicht gebühre, der nicht,wie Homer , vergöttert worden. Ich behauptete dar-auf das Gegentheil, führte den tragischen Dichter zuPorti« zum Beweise an, und unterstützte seine banta.mit einem griechischen Epigramm, in welchem demnämlichen Euripides zwar nicht die K»,ia, aber derThyrsus, beigelegt wird. Man verwechsele die Iissl-»mit dem Thprsus, der eine mit Epheublättern umwun-dene Iruslu war; nur sei es ein Stab oder langerScepter. An dem nämlichen aufgegrabenen Orte, wovoriges Jahr (i76t) in einem Weinberge nahe beiFraScati , aber gegen Monte Porzio zu, eine Bildsäuledes Sardanapal, Königs von Assyrien , mit einem

126) Der Ab. Amad uzzi machte gleichzeitig mit unserm Verfas-

ser das Verzetchniß dieser Tragödien in einem Briefe be-kannt, welcher im siebente» Bande cke' lUiieeltanei ckt Tucc»eingerückt ist. Fea. Dieses Denkmal befindet sich imMuseum zu Paris . Siebelis.

127) Man seh- unter §. 20. 27. 28. dieser Briese.

125) In, Lebe» des Domiti an am Ende.