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Briefe an Bianconi.
Wasser höher war, als ich selbst, so löschte die Fackelim Wasser aus, und nur mit vieler Mühe konnte mirder außerhalb der Grotte stehende Bediente wiederheraushelfen. In den Ruinen des alten Ojstia ließ ichverschiedene Versuche mit Nachgraben machen, undwenn wir künftiges Jahr wieder dahin kommen, solldie Arbeit wieder vorgenommen werden. In der Ge-gend um Rom sind folgende Entdeckungen gemachtworden. Zwei Knaben, die mit Würfeln aus Knochenspielen, deren einer gewinnt, der andere verliert; dieserder mit einer traurigen Miene auf einem alten Sockelsitzt, besieht den geworfenen Würfel, und hält in derlinken Hand noch vier, und in der rechten Hand nocheinen dergleichen; der andere hingegen steht ausrecht,mit einem Gesicht voll kindischer Freude, und hält inder linken an die Brust gedrückten Hand sechs Würfel,welche die volle Hand kaum alle fassen kann. LordHope hat solche gekauft.'^» Ein anderer in Rom wohnhafter Engländer hat das Glück gehabt, einenHermen zu finden, der ein Hermaphrodit, ge-flügelt, und von der größten Schönheit ist, wiewohlohne Kopf und Arme, und von den Flügeln sieht manblos die Spuren.
§. 3Z. Im vorigen Jahre (i7«2), zur Zeit unsererLandlust zu Castel Gandolfo , ward die außerordentlichgroße Schale oder Tasse von Marmor, von 35 Palmenim Umkreise, mit den Thaten des Herkules ringsumher, gesunden; eö fehlte aber der achte Theil daran,ohne Hoffnung das Fehlende zu finden. Vor Kurzemaber find zu zwei verschiedenen Malen noch zwei Stückedavon gefunden worden, und es fehlt nun nur »ochein kleines Stück. Vorige Woche begab ich michan den nämlichen Ort, wo solche gesunden worden,8 Miglien von Rom , nach Albano zu, welcher Ort
136) Win ekel man» hat die Erklärung dieser beiden Knaben inseinen Nachrichten an Füeßly gegeben, und dieselbe inden Denkn,. I. c. IZ. p. 4>, folgendergestalk wiederhole:„Dieses Werk gleicht dergestalt dem Amor, welchen Apol-lo». Nhod. AeAon. t. z. vev«. 117. -egg. mir dem Gann-med spielend einführt, daß es scheint, der Künstler habeda» Bild von dem Dichter entlehnt. Auch bei diesem hältder stehende Amor in der linken Hand die Würfel, die er demGanymed abgewonnen» unter der Brust, und letzterer sitztauf der Erde, gebückt und unmuthig, daß ihm nur noch zweiübrig geblieben sind, nachdem er den dritten geworfen hat."Auch in der Geschichte der Kunst II. B. 3. K. §. IK.spricht W i n ekelm a»n von zwei Figuren kleiner Mädchenmit Würfclknochen spielend, welche i», Oktober I7K5 in derVilla VervSpi gesunden worden, und beschreibe sie auch ineinem Brief an Henne vom 5. Dec. 1765. Sie gleicheneiner kleinen Figur, die einst der Cardinal Polignac be-saß und die nachher der König von Preußen kaufte. EineAbbildung derselben finde! man in den, Werk des Ficoroni
Abbildung von einer der andern steht in des CavaeeppiKaccotta <ki -kakue. -e. 7. I. tau. so., wo aus Versehen ge-sagt wird, sie sei im Mai 1766 gefunden worden. Fea.
IZT) Dasselbe wiederholt Winckelinann in einem andern Briefean den Baron Riedesel vvm April des folgenden Jahres,wo nur noch ein Palmen breit daran mangelte. Nachherhat er die ganze Schale in den Denkm. n. 64. 65. abgebildetgegeben, und daselbst Dar. 7. e. 25. pag. 80. -egg. erklärt,wo er den Umfang derselben zu Z2 Palmen angibt. Fea.
vor diesem ack statuarins hieß, und sah einen mitweißem Marmor gepflasterten PorticuS aufgraben; dieSäulen waren aber schon davon weggeschafft worden.Zwischen den Fußgestellen, die noch da standen, warein sehr breiter Zwischenraum, nämlich von >o Palmen;und nach einem zerbrochenen Kapitäle zu urtheilen,war die Architektur ionisch- Den nämlichen Tag stellteich eine genaue Untersuchung der Leitungen der agm»Flari-r» und (.llamtia an, indem ich in allen Löchernherumkroch, und mich ganz ausgezogen hatte, umdesto besser herumklettern zu können. Um aber zu derSchale wieder zurückzukehren, so hat der Kardinal zuihrem Platze einen runden dorischen Tempel mit einemPeristpl von 16 Säulen, die bereits fertig und zu die-sem Behufe gereinigt sind, bestimmt. '^) Meine Stie-feln sind schon zur Reise nach Neapel geschmiert; ichwerde aber bald wieder nach Rom zurückkommen, umnachher mit meinem Gönner einige Zeit auf seinemLustschloffe zu Porto d'Anzo zuzubringen, wo er sichden ganzen Monat Mai über aushalten will. In denbeißen Monaten werde ich meine Residenz ganz alleinda aufschlagen, und nach Beendigung dieses Aufent-halts werde ich mit Casanova das Ufer des adria-tischen Meeres bis Urbino bestreichen, um uns mitKapaunen das Paar zu einem Paolo zu mästen. Eineherrliche Aussicht in'S Leben, die ich als eine Entschä-digung für die Nöthcnitzer Einsiedelei ansehe ic.
§. so. Ohne weitere Umschweife sende ich Ihnendie Nachricht von einigen entdeckten Denkmälern, diemir erst neuerdings zur Kunde gekommen sind.
>) Ein Faun oder junger PriapuS, in einer zier-lichen weiblichen Kleidung, der das lange Gewand mitbeiden Händen in die Höhe hebt, wie die Mädchen zuthun pflegen, wenn sie recht zierlich tanzen wollen;aber indem er so sein Geschlecht zu verbergen sucht,richtet sich ein ungeheurer Priap auf und hebt vorndas Gewand. "") Die Figur ist ungefähr Z Palmenhoch, und steht bei dem Bildhauer Cavaeeppi.2 ) Ein Merkur als Knabe, der erste, den man ohneHut gesehen hat; die kleinen Flügel sind an denSchläfen angebracht. Er ist in Lebensgröße und stehtbei dem nämlichen Bildhauer."') 3) Ein sitzender Ge-fangener ohne Beine und Arme, aber von solcher Vor-trefflichkeit der Kunst, daß man, den Laokoon aus-genommen, schwerlich seines gleichen finden wird. Erist beinahe in Lebensgröße. Ein Engländer hat ihnan sich gekauft. ») Der Kopf eines Fauns, mit zwei
IZ8) Dieser Tempel ist nicht ausgeführt worden. Die Schalewurde in, zweiten Kabinet aufgestellt, wo sich acht Säulenbefinden. Fea.
IZS) Der Brief ist von! 30. April 1763. Fea.
140) Diese Figur wurde vom Kard. Alex. Albani gekauft undin seiner Villa aufgestellt, nachdem vorher jene unbescheideneErhöhung des Gewandes weggemeißelc worden. F e a.
141) Cavaeeppi gibt eine Abbildung davon in seiner Tiaccokk» U»
-kakue, ec. D. 7. lüv. 14., und sagt, sie sei «ach Deutschland gegangen. Fea.