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Das neue deutsche Drama.
denen Vorzug vor vielen gleichzeitigen Prvductionen. Sein Lustspiel „Ludwig XlV.und sein Hof", ist reich an piquanten und amüsanten Wendungen, an charakteristi-schen Pointen, an einer Frivolität, welche bei aller Keckheit doch die Zeit getreulichwiedcrspiegelt. Rost bewies in seinem „Friedrich mit der gebissenen Wange" einnicht unbedeutendes Gestaltungsvermögen, das indessen noch an Verworrenheit leidetund den äußerlichen Bühnenspectakel zu sehr herauskehrt, während Fröbcl in seinen„Republikanern" ein gutgemeintes und geschickt entworfenes Drama gab, das aberdurch allzu große »«poetische Nüchternheit sich um jede tiefere Wirkung bringt. Vonden beiden Wangenheim hat der zu früh verstorbene Dichter des „Strafford" und„Marlow" ein hervortretendes Talent, das aber noch in der Gährung und wüstemOriginalitätsdrang befangen war und den Irrlichtern einer ungebundenen Phantasienachlief; während der Verfasser der „Juristen" in spitzfindigen Verstandescombina-tionen und Berechnungen des Bühneneffects ebenfalls der Sucht nach Originalem,Niedagewesenem huldigt, ohne indessen seinen juristischen Scharfsinn zur Poesie er-heben zu können. Beide Dichter bringen es zu keiner dramatischen Geschlossenheit;aber ihre Verirrungcn selbst zeugen von dramatischem Talente.
Ein vielbesprochenes Drama ist der „Robespierre" von Griepenkerl, ein Drama,das mit den Anspielen eines neuen Messiasthums auftrat und von verzückten Kri-tikern über die Taufe gehalten wurde. Dem Enthusiasmus folgte die nothwendigeReaction; nachdem das Lob aufgespeichert war, kam die nüchterne Kritik mit derÄhrenlese des Tadels. ,, Robespierre" ist ein Stück Geschichte, kein Drama;ihm fehlt die Einheit der Handlung, die Kollision. In den drei ersten Acten istDanton der Held. Der Kampf zwischen Danton und Robespierre ist dramatischwirksam gezeichnet, ohne daß ihr innerster Gegensatz historisch tief erfaßt wäre. Dieeine Scene in Büchncr's „Danton's Tod", in welcher Nobespicrre und Dantonzusammenkommen, ist in ihrer genialen Skizzirung tiefer als Griepenkerl's in dieBreite gehende Gegenüberstellung. Nach Danton's Hinrichtung wird Nobcspicrrcerst zum Helden des Stücks; aber ohne innere Kraft und Konsequenz, denn in denKönigsgräbern von St.-Denis verwandelt er sich zur sentimentalen Mumie. DieBegebenheiten überstürzen sich; auch fehlt jede tiefe innere Entwickelung. Dennochzeugt das Stück'von Talent: es enthält viele glückliche Pointen, besonders in denFrauencharaktern wirksame Contraste und dramatisches Leben. Die Scene, in derLucile Desmoulins sich opfert durch den Ruf: Es lebe der König! um ihrem Gat-ten zu folgen, ist von ergreifender Wirkung. Therese Cabarrus, welche in geschmack-loser Weise die kernige Prosa des Stücks durch blühende Jambenarabcskcn unter-bricht, erhebt sich in einzelnen Stellen zu einem echt dichterischen Enthusiasmus.Der Schluß, der übrigens in Gottschall's „Nobespicrre", an den die beiden letztenActe fortwährend erinnern, noch effektvoller ist, macht auf der Bühne bedeutendeWirkung. Gottschall, der seinen Nobespicrre nicht durch Danton in den Schat-ten stellen läßt und überdies eine tragische Kollision durch den innern Kampf No-bespierrc'S um Annahme der Dictatur wenigstens andeutet, ist in der Vorführungdes 9. Thermidor im Konvent, der entscheidenden geschichtlichen Katastrophe, diebei Griepenkerl hintLr den Coulissen spielt, dramatisch kühner und tiefer als Die-ser, während sich auch das Fest des höchsten Wesens bei Gottschall theatralischwirksamer und lebendiger arrangirt zeigt. Ein anderes Revolutionsdrama ist die„Charlotte Eorday" von Max Kurnick, welcher in dieser Tragödie sich befleißigt,das historische Bild der Heldin auf den Hintergrund des Familienlebens zu zeichnenund dorthin den eigentlichen tragischen Conflict zu verlegen. Doch wird dadurchdie geschichtliche Bedeutung seiner Gestalten beeinträchtigt; besonders Marat erhebt-sich nirgends zür wilden Größe seines systematischen Fanatismus. Kurnick sucht dra-matische Wahrheit durch große Einfachheit'in der Diktion zu erreichen, die sich vo»jedem Wvrtprunke sreihalt. Weniger bestimmt ist Kurnick's „Ein Verbrecher ausdem Volke", ein socialistisches Tendenzstück mit gedrängter lebendiger Handlung uns«inet grasten, nicht genugsam veredelten Wahrheit der Zeichnung.
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