80 Der Kirchenstaat.
den letzten Salven das Gebäude aus den Fugen wankte und der größte Theil des-selben zusammenstürzte; viele der hcldenmüthigen Kameraden Mcdici's stürzten von >w
der Hohe unter die raucheudcn Trümmer, die sie begruben. Medici hielt sich trotz- B>
dem mit dem Nest seiner Schar noch bis zum folgenden Tage, wo er sich in geord- Al
netem Rückzüge nach der Bresche an der Porta Pancrazio durchschlug, 300 uncr- sei
schrockene Helden führend, und ebenso viele Todte um und in Vasccllo zurücklassend. au
Mit der Einnahme Vasccllos durch die Franzosen war die Einnahme Roms cnt- hei
schieden. Fast gleichzeitig mußte' Garibaldi, der an diesem Tage augenscheinlich, aber Nc
vergeblich den Tod suchte, indem er sich mit kalter Miene ohne Nothwendigkeit dem zu
dichtesten Kugelregen aussetzte, die Villa Savorclli aufgeben. die
Das blutige Drama, dessen bedeutendste Einzelnheiten nur wir hier angeführt, ine
ging nun rasch seinem tragischen Ende entgegen. Alles Unglück, das über Nom ge- Ae
kommen war, alle Schrecken, die in den Eingeweiden der Stadt gewühlt, hatten den all,
Muth der Vertheidiger nicht zu brechen, das Volk nicht mit Verzweiflung zu er- das
füllen vermocht. Wie viele Mütter auch ihre Söhne, wie viele Frauen ihre Männer, der
wie viele tausend Kinder auch ihre Vätcr in diesem furchtbaren Kampfe zweier Nie- schl
publiken verloren hatten: das Privatunglück wurde bei den Trauernden erstickt von der' der
Größe des allgemeinen Unglücks oder verblutete ungehört und kaum beachtet. Und was ach
wol bemerkt zu werden verdient, eine Thatsache, die bisher von Keinem, der dem Drama Fei
zu Rom als handelnde oder beobachtende Person beiwohnte, weder in Wort noch inSchrift bestricken worden ist: nirgends erhob sich eine Stimme, um die Republik als »ia
Urheberin des Unheils anzuklagen. Überall wurden die Deputirtcn und die Trium- Nc
virn, die man an ihren Tricolorschärpen erkannte, und die einzeln die Straßen durch- der
liefen, hier Hülfe anordnend, dort Gefahren vorbeugend, von den Bürgern mit Bei- St
fall empfangen und ihre Anordnungen mit Hingebung ausgeführt. Selbst in den letz- i>:
ten Tagen der Republik, wo die Regierung mitten unter der allgemeinen Verwirrung Ar!
aller physischen und materiellen Gewalt entkleidet war, und wo es den Anhängern M,der päpstlichen Regierung, wenn ihre Stimme nur einigermaßen in die Wagschale gen
der öffentlichen Meinung siel, ein Leichte« hätte sein müssen, Regierung und Ncpu- den
dlik zu stürzen und damit den vcrderbenspcienden Feuerschlünden Oudinot's Einhalt die
zu thun, ließen sich nirgend die Anzeichen einer Reaction wahrnehmen. Auf das der
Zusammenstürzen der Häuser, auf die Verheerung platzender Granaten, auf den >va
Weheschrei der Verwundeten erfüllten tausend Verwünschungen die Luft; aber diese zösi
Verwünschungen fielen auf andere Häupter. Ja gerade in den letzten Tagen der di«
Republik, die alle vorhergegangenen an Schrecken und Verwüstung überbieten sollten, »u,
schien ganz Nom nur vor einer Furcht zurückzuschrecken: vor dem Einzug der Fremd- Zln
Herrschaft, vor der Rückkehr der Priestergewalt, und in gleichem Maße, wie das Ver- den
derben sich noch zuletzt in seiner ganzen Gewalt zusammenraffte, loderte auch die das
Flamme des Enthusiasmus vor ihrem Erloschen in den Gemüthern auf. Die aus der«
ihren brennenden Häusern flohen, oder ihre Habe in einen Aschenhaufcn verwandelt blik
sahen, schienen sich zu fragen: Was ist verloren, wenn Nom siegt?. Wenn Nom fallt, arn
was mag dann uns noch trösten? Nicht Eine Stimme erhob sich für die Übergabe Scl
Roms. Die Vorstadt Trastcvere, die durch das Bombardement am entsetzlichste» sich
litt und nicht weniger zahlreiche Trümmerhaufen als aufflackernde Feuersäulen auf- Na
wies, wurde von den unglücklichen Bewohnern in schweigsamen Zügen verlassen, um gen
mit dem Rest ihrer Habe, den sie den Flammen entrissen, anderweitig ein Asyl r" fest
suchen. Die Klage war auf ihren Lippen verstummt. Einen schmerzhaften und ruh' dlereudc» Anblick boten fortziehende Frauen dar, die, außer dem Säugling auf dein den
Arme und den Kindern, die sie umringten, keine andere Habe gerettet hatten und rier
mit gelassener Miene durch die bedrohten Straßen dahinschritten. Aus einem solche" viel
Zuge war es, wo eine Mutter, ihre beiden Knaben an der Hand führend, durch ^
eine zwei Schritte vor ihr niedergefallene springende Granate beide Söhne in denn »
selben Augenblick getödtet sah, während sie selbst zu ihrem Unglück vom Tode ver-schont blieb. Ähnliche schreckliche Scenen kamen täglich in Nom vor. ! r