Band 
Siebenter Band.
Seite
83
JPEG-Download
 

83

Der Kirchenstaat.

de- Kampfes berichtete. Nom, erklärte er, könne sich nur noch halten, wenn Tras-tevere, dessen Bewohner sich in die Stadt flüchten müßten, preisgegeben und alleTibcrbrückcn in die Luft gesprengt würden. Aber dieser Plan, fügte Garibaldi mitrntsehender eisiger Kälte hin;», müsse augenblicklich beschlossen werden, wenn die Aus-führung nicht unmöglich werden solle. Und wie lange, fragten mehre Stimmen ;ugleicher Zeit, würde Nom sich dann halten können? Einige Tage! erwiderte derGeneral. Der größte Theil der Versammlung bebte vor einem solchen Opfer, dasmit dem Zwecke, der erreicht werden sollte, in gar keinem Verhältniß stand, zurück,und nach einer beißen Berathung, welcher Cernuschi's Worte den Ausschlag gaben,indem er mit überwallender Bewegung ausführte, daß ein längerer Widerstand Nomunter seinen Trümmern begraben müsse, decretirte die Versammlung mitten in einerfeierlichen und düstern Stille, die von den Deputirtenbänken und Galerien durchSchluchzen unterbrochen wurde, daß „die römische Constituente, auf ihrem Postenverbleibend, von einer Vertheidigung absteht, die unmöglich geworden ist". RomSHeldenmuth hatte seine äußersten Grenzen erreicht; über sie hinaus lag nur noch derkalte Wahnsinn, nicht des Heroismus, sondern des Verzweiflungskampfes.

Nachdem das Triumvirat den Beschluß der Constituente dem Municipium mitdem Auftrage mitgetheilt, ihn zur Kenntniß der römischen und französischen Armeezu bringen, legte es sein Mandat nieder, und erließ eine Proklamation an das Volk,worin es hieß: „Römer! Das Triumvirat hat sich freiwillig aufgelöst. Die Con-stitucnte wird euch die Namen unserer Nachfolger bekannt machen. (Diese ernanntein der That neue Triumvirn in den Personen Sallceti's, Mariani's und Calandrel-li's.) Die Assembler hat nach den gestrigen Erfolgen deS Feindes, geleitet durch denWunsch, Rom den äußersten Gefahren zu entziehen und den fruchtlosen Verlusta» Menschenleben zu verhindern, das Aufgeben des Widerstandes beschlossen....Eure Triumvirn, die als einfache Bürger zu euch zurückkehren, beseelt das erhebendeBewußtsein, die reinsten Absichten für euch gehegt zu haben und den Ruhm ihrerNamen eure» heldenmüthigsten Thaten beigesellt zu sehen.... Eine dunkle Wolkeerhebt sich heute zwischen euch und eurer Zukunft. Es ist die Wolke einer Stunde.Harret standhaft aus in dem Bewußtsein eure- Recht- und in dem Glauben, fürden so viele der Besten unter euch gefallen sind."

DaS Municipium sandte am 2. Juli eine Deputation an Oudinot, um ihmden Beschluß der Constituente mitzutheilen und sich die Sicherung des Eigenthumsund der Personen der Bewohner von ihm auszubedingen. Der Obergeneral Roselli»lachte ihm gleichzeitig in einer Depesche dieselbe Mittheilung, und Oudinot antwor-tete, mit lebhafter Anerkennung von dem Muthe der Römer sprechend, daß er dieFeindseligkeiten sofort einstellen werde. Das Municipium erließ darauf folgende denk-würdige Proklamation: „Römer! Der Muth, den ihr bei der Vertheidigung RomSbezeugt, und die Opfer, die ihr dargebracht, haben euch selbst bei dem Feinde Ruhmund Achtung erworben. Eine fernere Vertheidigung würde, wie das Decret derConstituente es ausspricht, unmöglich geworden sein, ohne die Stadt der Vernich-tung preiszugeben. Eure Municipalvertrrtung hat keinen Vertrag (von dem Feinde)angenommen, um nicht im »lindesten die Würde eines so hochherzigen Volks zu ver»gedeih und erklärt, einzig der Gewalt zu weichen. Die Gesetze der Humanität undder Civilisation, die Disciplin einer geregelten Armee, und die Versicherungen ihrerBefehlshaber versprechen uns die Achtung der Personen und des Eigenthums. EureMunicipalvertretung verspricht euch, soweit es nur in ihrer Macht liegt, zu verhüten,daß Jemand von euch eine Beleidigung widerfährt. Sie bedarf eurer Mitwirkung,»m sicher sie zu erhalten. Sie vxrtraut auf eure würdige Haltung, die der Weltgezeigt hat, wie die Römer unter glücklichen und feindseligen Verhältnissen gleicher-weise die Ordnung zu erhalten gewußt haben, und die selbst die Feinde zwingt, die««adt der Monumente mit Ehrerbietung zu begrüßen, und ihre Bewohner, die durchchre Bravheit (virtü) das Vergessen der römischen Größe unmöglich mache», zu achten."