166 Die Nahrungsmittel.
sehnlichen Gewichtstheil eines schwer schmelzbaren Fetts, des sogenannten Talgstoffs.Lalgstoff aber ist in dem menschlichen Körper nicht enthalten, er verwandelt sich durchdie Verdauung in leichter schmelzbare Fette, die unter der Haut des Menschen, inder Augenhöhle, in der weibliche» Brust, aber auch in der Butter der Kühe und imSchweineschmalz vorhanden sind.
Verdaulichkeit und Nahrhaftigkeit der Nahrungsmittel.
Wenn die Verdauung aus Auflösung und Umwandlung besteht, so muß sichdie Verdaulichkeit lediglich richten nach der Leichtigkeit, mit welcher die Nahrungs-stoffe aufgelöst und umgewandelt werden.
Für alle Stoffe, die wie die Salze bei der Verdauung keine Umwandlung zuerleiden brauchen, um den wesentlichen Blutbestandtheilen zu gleichen, wird demnachdie Verdaulichkeit durch die Löslichkeit in den Verdauungsflüssigkeiten gemessen. Sowerden Kochsalz und Muskelsalz leichter gelöst als Muskelcrde, die Muskelcrde wie-der leichter als die Knochenerde, die Knochenerde leichter als das Haarmetall. Unddeshalb ist die Knochenerde schwerer verdaulich als daS Salz der Knorpel oder dasMuskelsalz.
Don den Nahrungsstoffcn, welche die Verdauung erst in Blutbestandtheile zuverwandeln hat, sind diejenigen am schwersten verdaulich, die sich in der Zusammen-setzung am weitesten von den Blutbestandtheilen entfernen.
Darum ist es so wichtig, daß die pflanzlichen Eiweißkörper nicht vollkommenmit den thierischen übereinstimmen. Der Thierkörper und der Leib des Menschenmüssen den Erbsenstoff oder den Kleber erst in Bluteiweiß verwandeln, und darumsind Kalbsbröschen z. B., die zum größten Theil aus Eiweiß bestehen, unendlich ver-daulicher als Brot und Linsen, von welchen jenes den Kleber und diese den Erbsen-stoff enthalten.
Ein großer Theil der Fettbildner wird bei der Verdauung in Fett verwandelt.Darum ist Butter auf Brot verdaulicher als Zucker, und ein Stück Butterbrot mit'Zucker wieder viel verdaulicher, als Butterbrot, das man mit Kartoffelstärke bestreuthätte. Denn das Stärkmehl muß durch die Verdauung erst in Zucker, der Zuckerin Fett übergeführt werden, während in der Butter die wesentlichen Fette des mensch-lichen Körpers fertig enthalten sind.
Soweit nun zwei Nahrungsstoffe im Darmkanal dieselben Blutbestandtheile lie-fern, wird man den verdaulichsten ohne Weiteres für den besten erklären können.Er wird in der reichlichsten Menge umgewandelt und gelöst und gehl also auch amvollständigsten in das Blut über. Das heißt also, daß wenig von ihm im Darmkanalungelöst übrig bleibt, um mit dem Koth entfernt zu werden. So sehr ist also dieVerdauung durchaus das Gegentheil vom Stuhlgang, daß gerade diejenigen Nah-rungsstoffe, die am leichtesten verdaut werden, den geringsten Beitrag zum Kothliefern.
Wenn aber zwei Nahrungsstoffe dem Blute verschiedene wesentliche Bestandtheilezuführen, dann ist cS weit entfernt, daß man ihren Werth nach der Verdaulichkeit bc-stimmen könnte. Wir haben gesehen, daß das Kochsalz, welches zugleich das Kuorpel-salz ist,, viel leichter verdaut wird als die Knochenerde. Nach dem Obigen bedarf eskeiner Erläuterung, ja kaum der Erwähnung, daß man den Leib unfehlbar zu Grunderichten würde, wenn man deshalb die Knochenerde in der Nahrung durch das leichterverdauliche Kuorpelsalz, oder das schwer lösliche Haarmetall durch das leichter ver-dauliche Muskelsalz ersehen wollte. Denn das Blut ist nun einmal-nicht blos flüs-siges Fleisch, der Leib ist Fleisch und Knorpel, Hirn und Nerven, Haut und Knochen.
Aus allem diesem folgt unmittelbar, daß eine einzelne der oben bezeichnetenGruppen von Nahrungsstoffen unmöglich genügen kann, um das Leben zu fristen.Zn den Nahrungsmitteln aber sind geeignete Verbindungen von Nahrungsstoffen ge-geben, aus welchen alle Blutbestandtheile hervorgehen können. Die Nahrungsmittelsind aus Nahrungsstoffen zusammengesetzt.