188 Der Elektromagnetismus.
ten Schwefelsäure stehende amalgamirte Zink mit dem in der Salpetersäure stehendenPlatin verbindet, wird ebenso wie vorhin das Zink in der Schwefelsäure aufgelöst,an dem Platin dagegen entwickelt sich, indem der an ihm ausgeschiedene Wasserstoffsich sogleich mit dem Sauerstoff der Salpetersäure verbindet, salpetrige Säure.
Die Bunsen'sche Kette gleicht der Grove'schen; nur wird anstatt der Platinaeine poröse Kohle in die Salpetersäure eingetaucht.
Die beschriebenen Anwendungen zweier Flüssigkeiten anstatt einer einzigen führ-ten außer der Beständigkeit des Stroms glücklicherweise auch noch den Vortheil einerVerstärkung desselben in Folge der verschiedenen Berührungen mit sich.
Stärke des elektrischen Stroms.
Die Stärke des elektrischen Stroms hängt ersten- ab von der Natur der Me-talle und Flüssigkeiten, welche miteinander im Contact sich befinden, und zweitensvon der Beschaffenheit des leitenden Kreises, des Wegs, auf welchem sich die Elektri-cität bewegen soll. Taucht man Zink und Kupfer in verdünnte Schwefelsäure, sogeben sie einen schwächer» Strom, als wen» Zink und Platin oder Zink und Kohlein dieselbe Flüssigkeit unter übrigens gleichen Umständen eingetaucht werden. Dieelektricitäterregende Kraft (die sogenannte elektromotorische Kraft) ist also bei der Be-rührung von Zink und Platin oder Kohle größer als bei der Berührung von Zinkund Kupfer, und bei sonst gleichen Umständen ist die Stärke des elektrischen Strom-dieser elektromotorischen Kraft proportional.
Wenn man den Strom einer und derselben Kette, z. B. aus Zink und Pla-tin, durch verschiedene Drähte gehen läßt, so zeigt sich bald, daß der Strom um soschwächer ausfällt, je länger und dünner die Drähte sind, durch welche das Zinkmit dem Platin in Verbindung gesetzt ist. ES setzen also auch die Metalle demDurchgänge des elektrischen Strom- einen Widerstand entgegen, der von der Längeund Dicke des Drahts, aber auch außerdem von der Substanz des Metalls abhängt;denn bei gleicher Länge und Dicke bietet ein Draht aus Ncusilber einen größern Wi-derstand dar als einer au- Eisen, und letzterer wieder einen weit größern als ein gleicherDraht aus Kupfer, und dieser wieder einen größern als ein gleicher Draht aus Sil-ber. Die Leitungsfahigkeit steht offenbar mit dem Leitungswiderstande im umgekehr-ten Verhältnisse; sie ist daher am größten in Silber, dann folgt das Kupfer, danndas Eisen und zuletzt das Neusilber, das unter den vier genannten Metallen die ge-ringste Leitung-fähigkeit besitzt. Je größer nun der Lertungswiderstand oder, was das-selbe, je geringer die Leitung-fähigkeit des die Kette schließenden (die beiden Metalleverbindenden) Draht- ist, desto geringer wird die Stärke des Strom- einer und der-selben Kette.
Ohm, welcher zuerst genaue Untersuchungen über die Stärke deS elektrischenStroms in Beziehung auf die ihn leitenden Theile der Kette ausführte, stellte dasGesetz aus, daß die Stärke des elektrischen Stroms proportional ist der oben erwähn-ten elektromotorischen Kraft der Kette, aber umgekehrt proportional dem Widerstand»in den leitenden Theilen derselben.
Aber nicht nur die Metalle, sondern auch die in den Ketten vorhandenen Flüssig-keiten setzen dem elektrischen Strome bei seinem Durchgänge einen Widerstand, undzwar einen außerordentlich großen entgegen. Den Widerstand, welchen verdünnteSchwefelsäure oder Kupfervitriollösung, die in eine cylindrische Glasröhre einge-füllt sind, dem elektrischen Tronic entgegensetzen, ist mehr als Millionen mal größerals der Widerstand eines Stücks Kupfer, welches genau den Raum und die Formder in der Glasröhre befindlichen Flüssigkeit hat. Soll eine Flüssigkeit daher nurwenig Widerstand darbieten, so muß ihre Länge (die Richtung, nach welcher sie derelektrische Strom durchläuft) möglichst kurz, ihr Querschnitt (d. h. ihr Durchschnitt,senkrecht auf die Länge) aber möglichst groß gemacht werden. Die verschiedenen Flüs-sigkeiten zeigen aber bei gleicher Länge und gleichem Querschnitt verschiedene Wider-stände: so leiten die Auflösungen von Salzen in Wasser bester als reine- Wasser,