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Die Geologie. 351
herrschen im Sandstein grüne Körnchen vor (deshalb greensanll), und in den Alpentreten an seiner Stelle dunkle Thonschiefer oder mächtige dichte Kalksteine auf.
Die oberste dieser drei Formationen besteht in England vorherrschend aus weißerKreide, zum Theil mit Feuersteinen, von welcher ersten, Ehrcnbcrg gezeigt hat, daßsie fast nur aus kleinen kalkigen Polytalamicn- und Foramimferenschalen zusammen-gesetzt ist; in den Niederlanden'aus tuffartigen Gesteinen; in Westfalen und Sachsenvielleicht aus Sandstein und Mergel; in den Alpen zum Theil wol aus dichtem,festem Kalkstein.
Wir haben hier nur einige naheliegende Beispiele gewählt, um die ungleicheZusammensetzung der gleichzeitigen Kreidcgebilde darzuthun. Einzelne Glieder diesergroßen Gruppe kennt man i» Portugal, in Südrußland, in Polen und Galizicn,in Griechenland und in Italien, am Kaukasus und am Libanon, wie in Ostindien,in Nord- und Südafrika, wie in Nord- und Südamerika. Aus dem gleichen Cha-rakter der fossilen Meeresfauna, der in sich noch keine Zonenunterschiede wahrnehmenläßt, hat man die Gleichzeitigkeit aller dieser pctrographisch ungleichen Ablagerungenerkannt. Aber trotz innerer Übereinstimmung in allen Breiten der Beobachtung deutetdennoch die äußere Begrenzung dieser Fauna schon eine gewisse klimatische Verschie-denheit der Erdzonen an. Es findet sich nämlich keine dieser durch Krcideverstei-"erungen charaktcrisirte» Ablagerungen über 60" nördlicher und südlicher Breitehinaus, was natürlich nicht ausschließt, daß gleichzeitige Gesteinbildungen irgendwoss"ch näher all den Polen erfolgt sein können, nur ohne analoge Versteinerungen.Die Kenntniß dieser Thatsache verdanken wir, wie so vieles andere Neue, L.Buch, der zugleich darauf aufmerksam macht, daß die Krcideschichten überall,sie, stark gehoben, in hohen Gebirgsketten auftreten, einen andern dichter», festcrn">>d dunkler» pctrographischen Charakter an sich tragen als da, wo sie fast unge-stört noch horizontal liegen. Es ist dies aber eine Erscheinung, die sich fast beialle,, sedimentären Formationen zu wiederholen scheint. Sehr deutlich z. B. in den77?^- die Gesteine der Jura- und Kreidegruppe zum Theil ganz den pctrogra-phischen Charakter unserer norddeutschen Grauwackenbildungcn an sich tragen, mitocnen sie deshalb lange verwechselt worden sind; während dagegen in der weiten Nie-°es europäischen Rußlands, wo fast jede energische Spur vulkanischer Thätig-st fehlt, die Grauwackengesteine zum' Theil aus locken» Sand, plastischem Thonu»d mürbem Kalkstein bestehen.
ß) Molaffegruppe.
Die Schichten zwischen der Kreide und den Diluvialbildungen hat man tertiäregenannt, oder auch wol als Molasscgruppc bezeichnet, welche letztere Benennung vondem Localnamen gewisser mächtiger Schichten in den Alpen entlehnt ist. Sie zeigennicksichtlich ihrer pctrographischen Gliederung, beinahe eine noch größere geographischeVerschiedenheit als die der Kreidegruppe. Eine petrofactologische Eigenschaft unter-scheidet sie dagegen von allen ältern Bildungen. In ihnen treten nämlich neben er-losckenen zuerst die Überreste noch lebender Thier- und Pflanzenarten versteinert auf,weshalb sie DcShayeS, mit Einschluß der allerneuesten Bildungen, käntozoische »vr-die°s w E ältern fossilen Arten sind ausgestorbene. Da mm über-
'"diesen Ablagerungen zugleich auch die Unterschiede der Zonen sich schon deut-lich geltend machen, so hat man bei der großen Schwierigkeit, die in icder Art un-gleichen localen Bildungen einander -u varallelisiren und in bestimmte Formationenzu gruppiren, auf Lyell's Vorschlag versucht dieselben nach dem Verhältniß der auS-gestorbenen zu den lebenden Arien z« vergleichen und zu classificiren. So unterschiedman eoccne Schichten mit 4—17 "/o lebenden Arten, mivcenr mit 17—35"/° undPliocene mit mehr als 55"/°.
Ehe wir aber auf diese eigentlichen Tertiär» oder Molassebildungen weiter ein-sehen, müssen wir noch einer etwas zweifelhaften Formation gedenken, welche vonitalienischen Geologen, insbesondere von Pilla, als ein Zwischenglied zwischen Kreide-