Das russische Staatsleben.
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ist bekannt, wie weit die Union gelang, wie weit nicht. Ob sie aber auch denCharakter einer wahrhaft staatlichen Form nicht annehme» konnte, da nun einmaldie Landeshoheit das Feldgcschrci damaliger Zeit ebenso war, wie die Volkssouveräne-ta't das der Gegenwart — Östreichs Plan war dadurch vereitelt, das klcinfürstlicheCliquenwesen zerstört, welches Deutschlands Unterordnung unter ausländische Befehlevollendet hatte. Rußland aber, welches plötzlich die von ihm schmählich verletzte Reichs-verfassung „suslissmmsnt garantik par >es traites üe ^eslpkalik et Issoben" fand,wußte wenigstens für den Augenblick eine schönste Blüte seiner glänzendsten Hoff-nungen verwelkt erkennen.
Östreich gab ihm jedoch Gelegenheit sich in Südosten zu entschädigen. Dennm seinen westlichen Planen durch Preußen zurückgewiesen, klammerte es sich immerkrampfhafter an das Allianzverhältniß mit Rußland. Seine Heere wurden zwar aufdrr Westhälfte des Kricgslhcaters von der türkischen Defensivkraft vernichtet, wäh-Rußland im Osten den Nutzen von der Zersplitterung der Heerkrästc derPforte ^g. Trotzdem mußte Joseph dem Verlocker fortwährend dienen ; denn erkonnte jeht nicht mehr zurück. , Unterdessen war auch Friedrich II. gestorben, derMtrstcnbund wieder zerfallen. Östreich mußte dennoch an den Pforten der TürkeiWache halten, bis die russischen Heere Karl Gustav's Einfall in den FinnischenBusen zurückgewiesen hatten, ohne doch verhindern zu können, daß Schweden in denSeesiegcn bei Fricdrichshamm, Reval und Swenskasund den günstigen Frieden vonVcrcla und die beinahe verlorene innere Unabhängigkeit zurück erfocht. Und wasward Ostreichs Gewinn? Sowie Joseph II. in die Gruft hinabgestiegen war,mußte Ostreich auf dem Congreß zu Ncichenbach seiner bisherigen Offcnsivpolitikgegen die Pforte entsagen, mußte das Bündniß mit Rußland losen, mußte die ge-machten Eroberungen herausgeben, mußte endlich selbst jener innern Politik ent-sagen, welche versucht hatte, aus der unorganisch zusammcngekitteten Monarchieeinen östreichischen Gesammtstaat zu entwickeln. Was dagegen ward RußlandsGewinn? Von der Uneinigkeit der vermittelnden Mächte, wie von dem ErschreckenEuropas über das Weiterreisen der Französischen Revolution begünstigt, dictirte esblieben jene Fricdensbedingungcn von Galacz und Jassy (Augustdimi-b ^".Januar 1792), welche alle frühern Eroberungen am Asowschen Meereder Position zwischen Dnjepr und Dnjestr sicherten, thatsächlich- k"°dke Donaumündungcn russischer Verfügung anheimgaben und die russischeHerrschaft in TranSkaukasicn, befestigten. Zugleich hatte Rußland eben durch denRcichenbacher Vertrag, weil Östreich sein Bündniß mit ihm lösen mußte, die volleureihcit der Rücksichtslosigkeit im Vorschrciten gegen den Westen wiedergewonnen.Die preußisch-östreichische Allianz gegen Frankreich konnte ihm nur willkommen sein.Denn damit war Polen ganz in seine Hand gegeben, dessen letzte Theilung jetzt voll-kommen eigenmächtig von ihm dictirt werden durfte. Diese gab den beiden dcut-'chen Großsiaaten einen rein illusorischen Zuwachs an Macht, weil einen Landbesitz""geographisch, militärisch und politisch unhaltbaren Grenzen. Und wenn der Pcnt-versichert, Rußland müsse nothwendig dereinst wieder auf die Federung nach»nbc von ganz Polen zurückkommen, so muß man ihm zugestehen: es war
diese?^^^ wie die beiden Thcilnehmcr an der Zerreißung nicht einsahen, daß esließ ' <?"fpruch zu keiner Stunde vergessen hat. Aber sie erkannten es nicht, siegcf"k ^ vielmehr durch die polnischen Schenkungen zu dem ebenso unnvthigen alsf^^'chcn Offensivsystcm gegen Frankreich treiben, während Rußland sich davonganis^' dagegen mit seinem polnischen Besitze die ehemals türkischen Provinzen or-thün, dem Zarenreiche vereinte und drohend an die Grenzen der Donaufürstcn-
Drückte.
>m 5>ch^ke„d nun die Folgen der bisherigen Politik Preußens und Ostreichs beidenkraft du Hände banden, standen sie im Westen einer unberechenbaren Volks-k gegenüber, welche nicht auf Befehl eines Cabinets zur Ausfechtung diplomati-' Gegenwart. VII. 25