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Das russische Staatsleben.
blos von Fremdherrschaft, sondern ebenso von dem absolutistischen Staalsprincipc alsgerecht anerkenne, so wäre die natürliche Folge eine doppelte geworden. Einestheilseine selbständige Concentration Deutschlands um Preußen, also wahrscheinlich einnationaler Bundcsstaat; andernkheils eine mindestens mistrauische Stellung diesesStaats gegen Rußland vom Augenblicke seines Entstehens an. Dieser Staat hättenicht nur den neutralen skandinavischen Staatencomplex für sich zu gewinnen suchen,sondern auch vor allem die Forterhaltung des Hcrzogthums Warschau, vielleicht dierascheste Wiederherstellung Polens mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln er»wirken müssen. Östreichs Zusammenhang mit dem französischen Interesse konnteaußerdem auch nur so lange gedacht werden, als Frankreich in Mitteleuropa dieMacht hatte. Wurde Deutschland ohne Östreich und Rußland frei, vielleicht garunter Englands unmittelbarer Mithülfe, so blieb die Schweiz voraussichtlich in va-sallcnhafter Stellung zu Frankreich, Italien ein französisch-englisches Nivalitätsland.Ohne eine selbständige Schweiz und neben einem mächtigen Deutschland, mußteÖstreich seine italienischen Bestrebungen aufgeben und sich durch die Türkei gegenRußland schützen. Hier also drohte neue Gefahr für Rußlands Plane, falls essich von der allgemeinen europäischen Bewegung abschloß. Behielt dagegen durchein Bündniß mit Preußen und Östreich der Zar mindestens einen Theil seiner Ein-flüsse auf die innere und äußere Politik beider Staaten, so war die Wahrscheinlich-keit vorhanden, daß die frühern absolutistischen Principien wieder in Kraft zu brin-gen und in der äußern Politik die alten Plane unbehindert zu verfolgen seien. Zu-nächst war also England aus der Mitte des Spiels zu schieben. Dies geschah durchdie Aufgreifung des Pittsschcn Plans von 1805, dessen Aneignung die Proklamationvon Kalisch verkündete. An Mcntalreservationcn dachte natürlich Niemand in jenerZeit, am wenigsten die der Befreiung entgcgenjauchzcnden Nationen.
Die französischen Armeen hatten früher ihre Siege so unaufhaltsam erfochten,weil sie überall von den Befreiungshoffnungen der Völker empfangen wurden; späterwar Mitteleuropa der wirklichen Übermacht erlegen. Endlich aber hatten in Ruß-land die Elemente den französischen Soldatenkaiscr überwältigt, hatten den Nimbusseiner Unbesiegbarkeit gebrochen. Das Wanken des Bodens unter den Füßen derNapoleon'schcn Kriegsmacht, die nationale Revolution gegen die Fremdherrschaft be-flügelte den Siegesschritt der Alliirten. Ihre Siege zwangen neue Bündncr heran-Wie unter den frühern Constellalionen die Unaufhaltsamkeit der französischen Siegevon dem Petersburger Cabinet nicht hatte vorausgesehen werden können, so jetztebenso wenig die Naschheit der nationalen Siege. Rußland war selbst vom Triumph'zuge nach Paris überrascht. Wäre dies nicht der Fall gewesen, so würde sicher dierussische Diplomatie jene Wendung ihrer Behandlung des europäischen Kampfsnicht so plötzlich, so nach allen Seiten verletzend haben eintreten lassen, wie es nachdem „ersten Pariser Frieden geschah. Die Vorverhandlungen dafür waren „freilichmit Östreich gewiß gepflogen worden. Denn man darf nicht vergessen, daß Östreichseine verspätete Annäherung an die deutsche Sache als Vermittler auf dem Prag^Congreß begann, also nicht als deutscher Staat; daß es ferner seinen endlich^Beitritt zur Allianz keineswegs aus dem nationalen Gesichtspunkte, sondern mit sp^'cifisch-östreichischen Gründen der Cabinetspolitik molivirte; daß es die ReconstruirnnSDeutschlands vollkommen unberührt ließ und ausschließlich von dem wiederherzusch'lenden „Gleichgewicht Europas" sprach. Wäre dies nicht im Einverständniß n"Rußland geschehen, so hätte es überhaupt nicht geschehen können.
Dennoch wirkte der erste Pariser Friedensschluß auf die noch in Waffen stehe"'den Nationen niederschlagend. Die erste Proklamation, „daß die Verbündeten nickmehr mit Napoleon, noch mit Jemand aus dessen Familie unterhandeln würden tkonnte es allerdings noch zweifelhaft lassen, ob der „heilige Kampf der Nationen gege'die Vernichtung göttlichen und menschlichen Rechts, zur Errettung des Vaterlanvom Despotismus" nur ein den Umständen nach wohlangcbrachter Ausdruck gcwestsei, wofür die Nationen ihr Blut und Leben gegeben. Aber dieser Zweifel war
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