Band 
Siebenter Band.
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Preußen seit 184S bis Ende 1859.

Versammlung, wäre dieselbe gleich am 9. Nov., dem Tage, wo die Vertagungsordreverkündigt wurde, oder gar am 2. Nov., unmittelbar nach dem Rücktritt deS Mini-steriums Pfuel, erfolgt, würde zweifelsohne einen gewaltsamen Conflict herbeigeführthaben, bei welchem der Sieg der Regierung zum wenigsten nicht gewiß blieb. DerPlan der Reaction mußte aber dahin gehen, Schritt für Schritt die Errungenschaf-ten der Märzbewegung zu beseitigen, stets nur so weit zurück zu gehen, als man imAugenblicke wagen durfte, den Eigennutz der Einen für sich zu gewinnen, den Hal-ben Vertrauen einzuflößen, zunächst die Demokratie mit Hülfe des Constitutionalis-mus und endlich dann diesen selbst zu bewältigen. Wahrend des Sommers 1848war die Nationalversammlung mit Petitionen und eingesandten Zeitungsartikeln ausder Provinz überstürmt worden, welche den Ruf nach der Berfassung voranstellten.Den verborgenen Leitern dieses Vcrfasiungssturms war es keincnfalls um eine Con-Million, sondern lediglich um die schleunige Beseitigung einer Versammlung zu thun,welche die «„verändert fortbestehende vormärzliche Verwaltung beständig controlirte undauf deren Säuberung von entschieden constitutionsfeindlichen Elementen hinzuwirkenbemüht war. Die Verzögerung, welche die Berathung der Verfassung in Folge derAugust- und Septcmberereignisse in Berlin erlitt, war denn auch einer der vorzüg-lichsten Hebel, den man in den Provinzen in Bewegung setzte, um die Nationalver-sammlnng zu discreditiren. Diesem Umstände hauptsächlich ist cS zuzuschreiben, daß"ach dem Stcuerverweigerungsbeschlusse, der spät genug gefaßt wurde, um den Agr-takionen gegen die Versammlung weiten Spielraum zu lassen, so schnell eur Rück-schlag in der Stimmung der Provinzialbevölkerung eintrat. War dieser Rückschlag^ Sache der Nationalversammlung ungünstig,- so iimßte er vollends -m mächtigerBundesgenosse der Regierung werden, als letztere in Worten und Acten ihre constl-tutionellen Gesinnungen an den Tag zu legen suchte. Schon m der Antwortsbvt-Aast vom 3. Nov. an die Nationalversammlung erklärte der Komg, daß er dentrafen Brandenburg mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt habe,„weil wir, nach seinen uns bekannten Gesinnungen, überzeugt sind, daß er der festenBegründung und gedeihlichen Entwickelung der constitutionellen Freiheiten mit Freu-digkeit seine Kräfte widmen und sich bemühen werde, die ihm von uns gestellte Auf-gabe in entsprechender Weise zu lösen. Wen» ihm das gelingt, so wird das neueMinisterium, wie wir hoffen, sich Ansprüche auf das Vertrauen des Landes zu er-werben wissen. Einem andern Ministerium als einem solchen, von welchem wir dieserwarten können, werden wir niemals die Leitung der Regierung anvertrauen. Inähnlicher Weise sprachen sich die Minister in Privataudienzen mit Deputationen und' w Antworten auf die aus den Provinzen eingehenden Adressen aus. Nun kamendie Vorgänge im Dome zu Brandenburg, wo die Versammlung ein trostloses Bildder innern Zerrissenheit darbot. So war denn der Boden geebnet, auf dem die Re-gierung den ersten entscheidenden Schlag, die „rettende That", wie. ihre Organe esspäter nannten, vollführen konnte. Die Verfassung vom 3. Dec. erschien. Das be-gleitende Patent begründete den einseitigen Erlaß derselben durch die Absicht, „unsergetreues Volk sogleich der von demselben ersehnten Segnungen der verheißenen con-i, st'tuuonellen Freiheit theilhaftig werden zu lassen". Die Regierung suchte auch denKnhangcrn der aufgelösten Nationalversammlung einigen Trost zu gewähren, indemye m der Einleitung zur Berfassungsurkunde dieselbe als „in möglichster Beruckstch-tlgung der von den gewählten Vertretern des- Volks ausgegangenen umfassenden Vor-arbeiten" erlassen hinstellte. In ähnlicher Weise appellirte man an die deutsch-einheit-M) Gesinnten, indem man darauf hinwies, daß in der Verfassungsurkunde auch dieBeschlüsse der frankfurter Nationalversammlung gebührend berücksichtigt seien.

Dies wirkte in weiten Schichten des Landes. Man hatte endlich eine Ver-wssung, und «och dazu eine sehr demokratische, denn sie war ja fast ein wörtlicherAbdruck der von der Nationalversammlung ausgearbeiteten. Die große Menge derAdifferenten nahm sich nicht die Mühe, die Verfassung genau zu prüfen. Nurbeachteten, daß der Art. 105 der Regierung in Abwesenheit der Kammern