Der Socialismus in Deutschland. 549
Verflachung und der rheinischen Verwilderung sich die dritte Richtung mit bestimm-terer Ausgabe hinstellte, die ihrerseits wesentlich von Suddeutschland vertreten ward.Dies war die wissenschaftliche Auffassung der socialen Elemente und Bewegung.
Die wissenschaftlich-sociale Richtung.
Süddeutschland ist vor allem die Heimat der alten Neichsidee. Aus den srü-hcrn Erinnerungen lebt hier noch die Vorstellung des Römischen Reichs deutscherNation lebendig fort, und Das, was diese Länder für jene Idee gelitten und gethanhaben, gibt ihnen vorzugsweise ein Anrecht aus dieses Besihthum. Durch dasselbeaber ist dem Volke in Süddeutschland das Bedürfniß nach einer hohem staatlichenEinheit, nach einem großartigen Zusammenwirken lebendig geblieben. Die Bildung"er Staaten seit 1815 hat dasselbe aber mehr davon entfernt als selbst die Zersplit-terung des alten Deutschen Reichs. Denn da die Unzahl kleiner Herrschaften vomMain bis zum Bodensee früher gar nichts war, wenn sie nicht durch den Anschlußan das Reich etwas bedeutete, so blieb es natürlich, daß auch damals das „Reich"nirgends höher stand, und nirgends so sehr in das Leben jedes Einzelnen eingriff,gerade hier. Dieses Reich nun verschwand, und an seine Stelle traten Baden,^»ürtemberg und Baiern neben Nassau und einigen andern kleinen Staaten. An">esen jetzt selbständigen Staaten fand nun zwar das Recht, nicht aber das Volks»Gefühl sijnx natürliche Grenze. Die Idee der Gemeinsamkeit und des strengen undnarren Deutschthums suchte und sucht daher auch jeHt noch hier einen bestimmtenAusdruck; und - in Ermangelung alles Andern fand sie ihn in der Herrschaft derWissenschaft. Süddeutschland ist daher die Heimat der strengen Achtung vor derr^'ssenschaft und des fast instinctmäßigen Strebens, zunächst auf wissenschaftlichemege jede große Frage zu lösen.
d, - ivar daher natürlich, daß hier die agitatorische Richtung sich anfänglich von.. badischen Rheinlinie nicht tiefer in das Land hinein erstrecken konnte, und daß">e vublicistische Verflachung Berlins Niemandem recht genügte. Man versuchte imGegentheil sofort, der Sache ihre tiefste und ernste Seite abzugewinnen. Die „All-gemeine Zeitung^ zuerst machte ihren Leserkreis auf die ganze Bedeutung der svcia-n Krage auf eine Weise aufmerksam, die von vornherein die allgemeinen Redens»en sowie die Ausbeutung der Bewegung für bestimmte Zwecke abwies. Jenerfolgten eine Reche von Arbeiten, die den Ernst bezeugten, mit welchem man na-mentlich in Würtemberg die Sache aufzufassen wußte. Rob. Mohl zuerst, derMann, der unter Allen am ersten die eigentlich wissenschaftliche Seite erkannte, lie-ferte schon 1845 in der tübinger „Zeitschrift für Staatswisscnschaft" (Jahrg. 1845,Heft 1) eine „Geschichte der StaatSromanie oder Utopien", die über dieses GebietWenig mehr zu sagen übrig ließ. Fallati's Aufsatz: „Zur Verständigung über Be-griff und Wesen des Socialismus" in derselben Zeitschrift (Jahrg. 1847, Heft 2)suchte den philosophischen Begriff desselben festzustellen. Bensen schrieb „Die Pro-Dorische Denkschrift" (Stuttg. 1847), der erste Versuch, eine Ge-sckl-Ll^ § Proletariats aufzustellen, dessen wesentlicher Mangel es freilich war, aus-lick-n Proletariat in seiner Geschichte, getrennt von den übrigen gesellschast-
Jekt-^ darstellen zu wollen. Von K. Erieb erschien: „Abbruch und Neubau,
Zukunft" (Stuttg. 1845), ein Buch, das zuiu ersten mal- das Stre-dem "eue Organisation der gewerblichen Gesellschaft nicht mehr nach
aus r s""zösischen Doctrinen, wie die rheinländische Schule, sondern
eigen«/I^'Nasi« gegebenen Zustände und Verhältnisse Deutschlands und nachund Ab.i'Ä^ anzubahnen. Er will nicht Gütergemeinschaft, Nationalwerkstattenzu einem ^ sondern er will zunächst „das Heil in der Vereinigung der Gewerbeund das Mrbande". Durch diese Association soll die Solidität der Geschäfte
Schneider - des kleinen Arbeiters gewonnen werden. Schon früher (1844) halteentsvr.^«^"„Problem der Zeit und dessen Lösung durch die Association"p eyenbe Ideen angeregt; in gleicher Weise trat K. Hagen in seinen „Fragen