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Das Osmanische Reich.
vater unterordnen würde. Reschid-Pascha endlich, der schon damals als das eigent-liche Haupt der Ncformpartei angesehen wurde, diente zugleich als Bürgschaft fürdas gute Einvernehmen, in welchem die Regierung mit den europäischen Höfen zustehen beabsichtigte. Durchaus europäisch gebildet, stand er in schroffem Gegensatzezu Mchcmed Ali, der wenigstens der türkischen Bevölkerung gegenüber gern als einaltgläubiger Muselmann gelten wollte. Doch befand er sich damals als türkischerBotschafter in Paris abwesend, wo er sich bemühte, die französische Regierung vondem guten Rechte der Pforte gegen den Pascha von Ägypten zu überzeugen. Mitder Leitung der äußern Angelegenheiten war unterdessen als interimistischer VertreterNuri-Efendi, ein wenig bedeutender Staatsmann, bequftragt.
Diesen Männern also lag es ob, das wankende Staatsgebäude aufrecht zu er-halten. Die europäische Diplomatie, welche freilich wenig ahnte, wie der bewaffneteFrieden, welcher sieben Jahre lang zwischen der Pforte und dem Pascha von Ägyptenaufrecht erhalten worden war, beide Reiche, vorzüglich aber die Türkei zu Grunderichten mußte, hatte während der Erkrankung Mahmud's ihre Bemühungen verdop-pelt, um den Feindseligkeiten Einhalt zu thun und eine große Entscheidung zu ver-meiden. Unter den vorliegenden Umständen schien nun auch dem Großvezier dasNachgeben heilsam, und es wurden die Vertreter der fünf Mächte benachrichtigt,daß der Sultan den Frieden zu erhalten wünsche, und zu diesem Ende MehcmedAli den erblichen Besitz Ägyptens und irgend eine andere Provinz des Reichs alszeitweises Lehn für seinen Sohn Ibrahim-Pascha zugestehe. Unterdessen waren aberEreignisse eingetreten, welche das gegenseitige Verhältniß beider streitenden Parteienwesentlich in ein anderes Licht stellten, und die Lage der Pforte, die schon immerdie precärere gewesen, im höchsten Grade verschlimmerten. Eine Woche nach derThronbesteigung Abdul Medschid's trafen fast gleichzeitig die Nachrichten ein, daßHasiz-Pascha die Feindseligkeiten begonnen und am 24. Juni bei Nisib eine Nie-derlage erlitten, und daß der Großadmiral Achmed-Pascha mit der ganzen FlotteMehemed Ali übergetreten sei.
Ibrahim-Pascha hatte in Syrien das ägyptische Regiment durch Druck undErpressungen im höchsten Grade verhaßt gemacht; die Unzufriedenheit machte sichüberall in Empörungen Luft, und seiner Armee gebrach es an den nothwendigstenBedürfnissen. Unter diesen Umständen hatte eine Schlacht ihm die einzige Aussichtauf Rettung geboten; er führte seine Truppen ins Feuer, nachdem er ihnen dasletzte Brot hatte reichen lassen, und überließ sich dabei ganz den geschickten Dispo-sitionen, welche ein in seinen Diensten befindlicher französischer Renegat, Suleiman-Pascha, getroffen hatte. Hasiz-Pascha wies dagegen den Rath der ihm zur Unter-stützung beigcgebcnen preußischen Offiziere hartnäckig zurück, und dennoch würde derTag sich für ihn entschieden haben, wenn es möglich gewesen wäre, die türkischeArmee, die aus mühsam zusammengepreßten Anatoliern und Kurden bestand, nocheine halbe Stunde länger auf der Wahlstatt festzuhalten. So groß war die Demo-ralisation der ägyptischen Armee, daß, als der Schrecken, den das ägyptische Artille'riefeuer in den türkischen Truppen verbreitete, schon deren Reihen überall auflöstsinoch ganze Regimenter von den Siegern zu den Besiegten übergingen und sich >">iletzter» zu wilder Flucht vereinigten. Obwol die türkische Kriegsmacht durch diese"einen Schlag so gut wie vernichtet war, so konnte deshalb Ibrahim-Pascha dochnicht daran denken, den gewonnenen Vortheil unmittelbar weiter auszubeuten: ^rückt« den Flüchtigen nicht nach, und schien zufrieden, mit den eroberten Vorräthe"und dem reichen Kriegsmateriale seine Selbsterhaltung bewerkstelligt zu haben. Dosdagegen der Sieg von Nisib zugleich mit dem Abfall der Flotte auf die politischeVerhältnisse einen sehr bedeutenden Einfluß ausüben mußte, bedarf keiner Verstehrung. Bevor wir aber zu letzterm Ereignisse übergehen, haben wir uns zunächst ^Stellung der fünf Großmächte der ägyptischen Frage gegenüber klar zu mache"'