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Siebenter Band.
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608 Das Osmanische Reich.

dieses abenteuerliche Heilmittel seinem Zwecke entsprechen, und daß nicht Mchcmed Aliseine Macht zunächst zur Vernichtung seines Lehnsherrn verwenden werde, um danneine ephemere Herrschaft zu gründen, die gleich nach dem Tode des ehrgeizigen Greiseswieder zerfallen müßte — diesen' Beweis blieb die französische Diplomatie schuldig.Schon seit dem Friede» von Kutaya hatte Frankreich unter allen europäischen Mäch-ten den größten Einfluß auf Ägypten gehabt: der Pascha umgab sich mit Franzosenund glaubte sein Land zu civilisiren, indem er es sranzösirke. Jetzt galt es, ihnfactisch unabhängig zu machen, d. h. mit Beibehaltung der Pforte den Schwerpunktder türkischen Monarchie vom Bosporus an den Nil zu verlegen. Da dies abernur durch Frankreichs thätige Hülfe bewerkstelligt werden konnte, so hoffte man einDoppeltes zu erreichen, einmal gegen den von Ost und West heranbringenden Stromder englischen Macht in Ägypten einen mächtigen Damm zu errichten, und zwei-tens den Vicekönig zu dauernder Ergebenheit und Dankbarkeit gegen Frankreich zuverpflichten.

Die englischen Staatsmänner hatten mit dem praktischen Blicke, der sie aus-zeichnet, in den meisten Bestrebungen der französischen Politik auf dem Mittelmecredie Spinngewebe erkannt, als welche die spätere Zeit, sie herausstellte, und sie des-halb auch keiner besondern Beachtung gewürdigt. Ägypten aber bildet die nächsteCommunication mit Englands Besitzungen in Indien, und die politischen Verhält-nisse dieses Landes konnten ihm also keineswegs gleichgültig sein. Die Vorliebe Me-hemed Äli's für Frankreich war England schon längst ein Dorn im Auge gewesen: !

es wußte, daß Mehemed Ali ebenso wenig als sein Sohn Ibrahim-Pascha vor den iKonsequenzen zurückschreckte, und daß Beide, zur Dankbarkeit gegen Frankreich ver- ^pflichtet und auf die Macht dieses Landes ein übergroßes Vertrauen setzend, sich leicht.M:zu Schritten fortreißen lassen konnten, welche seine Interessen schwer verletzten. Aus'HMdiesem Grunde hatte England in der Hohen Pforte, bei welcher ihm ein bestimmter MEinfluß gesichert.war, ein Gegengewicht gegen die ägyptische Macht gesucht. Die-»fUnabhängigkeit des Vicekönigs sollte nicht so weit gehen, daß die Anwendung der Vor-theilhaften Verträge, welche England mit der Türkei abgeschlossen, in Ägypten aufHindernisse stoßen könnte, und in letzten» Lande sollte keine große Administrations-maßregel vorgenommen werden, ohne daß vorher bei der Pforte die Genehmigungeingeholt worden wäre. So sehr nämlich England im Allgemeinen die Erleichterungdes Verkehrs zwischen dem Rothen und dem Mittelländischen Meere über ägyptischesGebiet in seinem eigenen Interesse förderte, convcnirte es ihm doch keineswegs, einenPlan zur Ausführung gedeihen zu sehen, den Frankreich schon lange hegte, und fürden es die öffentliche Meinung auf dem Contincnt mit vielem Glück bearbeitete:das ist, durch einen Kanalbau oder Durchstich des Isthmus von Suez beide Meerein directe Verbindung zu setzen. England wußte sehr wohl, daß wenn auf dieseWeise dem großen Welthandel der directe Weg von Europa nach Ostindien ge'öffnet würde, nicht allein seine Etablissements an der afrikanischen Küste alle Be- >

dcutung verlieren müßten, sondern daß damit für die maritime Entwickelung der Kü' I

stenländer des Mittelmeercs, deren Schiffe dann vor den englischen auf der Fahrtnach Ostindien einen so bedeutenden Vorsprung hätten, ein Aufschwung zu gewär'tigy, stände, der möglicherweise, wie vor der Entdeckung von Amerika, den Schwer'Punkt der europäischen Machtverhältnisse durchaus wieder nach den Süden verlege'' jkönnte. Die von den fünf Mächten nicht allein rechtlich anerkannte, sondern auch !factisch unterstützte Oberherrlichkeit der Pforte über den Vicekönig schien ihm da-geeignetste Mittel, diesen Plan zu hintertreiben, weshalb es denn in Beziehung ""ldie ägyptische Frage mit den nordischen Mächten Hand in Hand ging.

Bei der Einigkeit, die, wie wir hier gesehen, zwischen vier Mächten einer cini^ !gen gegenüber bestand, würde demnach die Lösung der Frage keine erheblicherigkciten geboten haben, wenn nicht ein anderer Umstand sie complicirt gemacht h^ '

Wir haben bereits des vorwiegenden Einflusses Erwähnung gethan, drn der lLertr-von Hunkiar Skelessi dem russischen Cabinet in Konstantinopel gegeben hatte.