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Siebenter Band.
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642 DaS Osmamsche Reich.

hatte. Aali-Efendi ersuchte in Folge dessen Koletkis, in einem höflichen Schreiben,das Fehlende nachzuholen; doch wollte sich Letzterer auch jetzt nicht dazu verstehenund die Sache abermals dem Fürsten Mctternich anheimgeben. Darüber verlorendlich der Divan die Geduld, und es wurde im August die Anwendung von Zwangs-maßregeln definitiv beschlossen. Der plötzliche Tod Kolettis' verzögerte aber auch dies-mal die Ausführung, und es blieb bei der Einziehung des Exequatur der griechischenConsuln, bis der russische Kaiser, an den König Otto appellirt hatte, sich auch dahinausgesprochen, daß das griechische Cabinet dem Musuros persönlich sein Bedauernüber daS Geschehene auszudrücken habe, worauf der neue griechische Minister, Gla-rakis, am 12. Dec. daS Entschuldigungsschreiben zusandte.

Die türkische Regierung gewann demnach in dieser Angelegenheit hauptsächlichdurch Englands Unterstützung einen diplomatischen Sieg, der nicht ohne Bedeutungfür sie geblieben ist. Schon während des ganzen Verlaufs der Verhandlungen hattesich deutlich gezeigt, daß Griechenland die Sympathien in Europa, welchen es seineBefreiung verdankte, gründlich verscherzt habe; seine schließliche Niederlage zeigte aberauch den Najahs, was sie von den prunkhaften Phrasen zu halten hatten, die vonder Tribune in Athen aus durch die griechische Nation verbreitet wurden und derenWiedervereinigung als das Ziel der hellenischen Politik ausposaunten. Sowol dastürkische als auch das hellenische Cabinet überzeugten sich, daß schwerlich von Athenaus der Halbmond von der Sophienkirche entfernt und das Kreuz darauf aufgerich-tet werde» würde, und während ersteres an Selbstvertrauen gewann, wurde letzteresin seinen äußern Beziehungen bescheidener und nahm einen seiner wirklichen Bedeu-tung und Weltstellung mehr angemessenen Ton an. Auch sind seitdem die gegensei-tigen Verhältnisse der beiden Nachbarstaaten nicht mehr getrübt worden. Für dieRajahgriechen war auch das geringe Hervortreten Rußlands während der Verhand-lungen von hoher Wichtigkeit gewesen. Es geschah sicher nicht ohne Zusammenhangmit der Musuros'schen Angelegenheit, daß sich die Rajahgriechen plötzlich der Lästig-keit des übertriebenen Einflusses, welchen das Petersburger Cabinet durch die Synodevon Konstantinopel auf das Volk ausübte, bewußt wurden, und, um diesem Ein-flüsse entgegenzuarbeiten, durch die Pforte der Synode im December 1847 einigeLaienmitglieder beigeben ließen.

Beruhigter Zustand der Türkei am Ende des Zahres 1817; die Pforte gegenüber der euro-päischen Bewegung von 1818; Verhandlungen mit dem päpstlichen Stuhl-

Im Sommer des ZahreS 1847 hatten sich in Hochalbanien, in der Nähe vonDelvino und Argyrokastro, wieder Unruhen gezeigt, welche bald einen bedrohlichenCharakter anzunehmen anfingen. Die Pforte zögerte diesmal nicht, energische Maß-regeln zu ergreifen; sie versetzte den Küstenstrich von Trcvesa bis Durazzo in Bela-gerungszustand, und sandte eine hinlängliche Truppenmasse gegen die Aufständischen,welche nach wenig Monaten bei Berat und Argyrokastro geschlagen und zum Gehor-sam zurückgeführt wurden. Von noch größerer Bedeutung war der Aufstand BedcrHa» Beg'S- eines Kurdenhäuptlings, welcher ebenfalls im Laufe dieses Sommers ,ruhmvoll zu Ende gebracht wurde, sodaß, da im Juni auch die Natificirung des inErzerum verhandelten Vertrags mit Persien eintraf, der normale Zustand im Ostendes Reichs vorläufig gesichert war.

Die großen Ereignisse, welche sich inzwischen für das Jahr 1848 in dem wefi'lichen Europa vorbereiteten, erregten natürlich auch unter der fränkischen BevölkerungKonstankinopels ein lebhaftes Interesse, welches sich besonders in der französisch/"und italienische,, Colonie durch eine fieberhafte Aufregung nianifestirte. Die i>nPrivatdienste der türkischen Minister stehenden Europäer, meistens Leute, welche »"ihrer Heimat vollkommen gebrochen, bemühten sich, diese der Sache des Liberalisw"geneigt zu machen, was ihnen auch namentlich bei Neschid-Pascha in hohemgelang. Die nationalen Demonstrationen der Italiener bei der ThronbesteigungPius' IX. blieben demnach hier nicht ohne Rückwirkung, und der Divan beschloß, be