6t» Das Osmanische Reich.
derselben anerkannte und in der Person Kabuli - Efendi's einen Commissar nachder Moldau schickte, um den Proceß der Bojaren zu leiten. Kaum waren aber dieBewegungen in den Fürstcnthümcrn in Petersburg bekannt geworden, als das rus-sische Cabinet den General Duhamel als Commissar hinsandte, um die Ruhe derDonauländcr zu überwachen. In Konstantinopcl hatte unterdessen in Folge einerBeamicnintrique ein Ministcrwechsel stattgefunden, durch welchen Reschid- und Aali-Pascha auf 3/, Monat von den Geschäften entfernt wurdne, wahrend dessen Ssarym-Pascha den Posten des GroßvezicrS und Nifaat-Pascha den des Minister- der auSwär-tigen Angelegenheiten bekleidete. Dieser Umstand lahmte einigermaßen die Thätigkeit derPforte; da aber ein Systemwechscl vom Sultan selbst nicht bezweckt ward, so äußertesich der Einfluß dieses Wechsels auf die Verhältnisse der Donauländcr keineswegsals bedeutend. Doch war der Klcinmukh Rußland gegenüber und die Angst, demmächtigen Bundesgenossen zu missallcn, unter den türkischen Staatsmännern so all-gemein, daß man an eine gesunde Politik, welche diese Umstände geboten, d. b. demFürsten Skourdza gegenüber das IlL^lomont oeganiquo und die Rechte der Bojarenaufrecht zu erhalten, nicht denken konnte. Im Gegentheil begnügte sich Ssarym-Pascha Letztere durch Kabuli-Efcndi nach Konstantinopcl bringen zu lassen, von woer sie ohne weitere Untersuchung ihrer Schuld nach Brnssa in Bilhynicn erilirte.Nach Zassy dagegen wurde im Monat Mai ein zweiter Commissar, Tal'at-Efendi,gesandt, um mit General Duhamel zusammen die nöthigen Vorkehrungen zur Züge-lung der Moldau zu treffen. Natürlich gelang es dem russischen Bevollmächtigtenauch kier leicht, den türkischen in den Schatten zu stellen; doch genügte die Anwesen-heit Beider, um vorläufig weiter« Unordnungen vorzubeugen.
Im Juni 18-18 zeigten sich indessen auch in der Walachei revolutionäre Bewegun-gen, welche bald einen ernstlicher» Charakter annahmen. Der Hospodar dieses Landes,Fürst BibeSco, hatte, soweit es i» seinen Kräften stand, dem fremden Einflüsse Wi-derstand geleistet und sich überhaupt einer gerechter» Regierung befleißigt, weshalbes ihm auch bei seinen Untergebenen im Allgemeinen an Liebe und Vertrauen nichtfehlte. Bei einer frühern Bojarenvcrschworung, welche gleichzeitig mit der moldaui-schen statthatte, genügte demnach das Versprechen, gewisse Misbräuche in der Ver-waltung abzustellen, um die Ruhe im Fürstcnthume zu erhalten. Indessen war derim Lande weitverbreitete NadicaliSmus, von russcnfcindlichcn fremden Elementen, na-mentlich Polen, gehetzt, mit diesen Concessionen noch nicht befriedigt, und so brachin der Kleinen Walachei ein Aufstand aus, welcher sich bald bis Bukarescht verbrei-tete und in einer Weise auftrat, daß der russische Gencralconsul es gerathen fand/die Hauptstadt zu verlassen und sich nach Fokschan zurückzuziehen. Während nu»die Moldauer sich begnügt hatten, aus die Durchführung der ihnen durch die Trat'täte gewährleisteten Rechte zu dringen, verließ die walachische Revolution den Rechts'bodcn ganz, indem sie Abschaffung des Ilüglemorrt orgamciue, als die Interessen desLandes gefährdend, und zugleich eine Constitution nach französischem Zuschnitt, mitMcnschcnrcchtcn, Aufhebung der Leibeigenschaft und Roboten und ähnliche» Veiga'bcn verlangte, deren Einführung gegen den Willen Rußlands sie durch enges A>>'schließen an die Pforte durchzusetzen hoffte. Diese Verfassung erkannte Fürst Dubcsco, sobald die Aufständischen Bukarescht eingenommen hatten, an. Da aber detrussische Gencralconsul von Fokschan aus auf Grund dcS käglomsnt oez.nüquo eü^Protestnote erließ, so entsagte der Fürst seiner Würde, und zog sich auf östreichisch^Erbiet zurück, worauf die Häupter der Aufständischen eine Provisorische Negier»'^begründeten, die sich alsbald mit der Hohen Pforte in Verbindung setzte undihre,, Wunsch, die Verträge aufrecht zu erhalten, aussprach. „,
Die so offen kundgegebene Vorliebe der Moldauer und Walachen für diekci schmeichelte ebenso sehr der Pforte, als sie die Russen verletzte. Rußland,sich der schiefen Lage, die es gerathen, wohl bewußt, indem dir Donaul-'"gegen die Schutzmacht bei der souveränen Macht Beistand und Hülfe suchte» > ^
kehrt war aber auch die Pforte in Verlegenheit, indem sie sich die Zuneigung
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