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Baiern unter den Ubergangöministerien von 1847—49. 709
ausgeben möchte. Auf eine kräftige, gesinnungstl'ichtige Jugend müssen die Regie-rungen zunächst zu zähle» haben, und Ihr Beispiel sagt mir, daß sie eS könnenwerde auf eine mit den Waffen geistiger Bildung umgürtete Jugend, die mit ringe-schwächt» Kraft bereit ist, um den geistigen Kampf zu bestehen, der vielleicht nochmannichfach bevorstehe» mag. Allein eS ist eine gute Sache, für die Sie kämpfen,für di« Sie Ihr Dasein einsetzen. Ein Morgenroth leuchtet uns voran, nicht aberjener Morgenroth, von welchem ein fremdes Parteiblatt jüngst bemerkte, daß eS denKoth deS Abends bedeute. ES ist jenes Morgenroth, welches der belebenden Sonnevorangeht, die alles Edle erwärmen und reifen wird. In diesem Sinne, meineHerren, wollen wir die neue Zeit begrüßen... Ohne Arg und Falsch blicken wirder Zukunft entgegen, redlich thue Jeder das Seine. Dann wird durch die umhül-lenden Nebel ein schöner Tag hervortreten und all das wüste Getriebe, da- jetztnoch mit der Schlangengeißel der Lüge durch die Lüfte zischt, welches bauen zu wol-len vorgibt, während eS nur zu wühlen versteht — eS wird entlarvt in den Ab-Srund versinken, dem eS entstiegen" u. s. w.
-DaS klang allerdings, hinauSgerufen in die aufhorchende Welt, sehr schön; al-lein eigentlich war eS doch sehr gestaltlos und nebelhaft. Was sollte daS Publicum,dem es doch galt, mit diesen Phrasen machen? Sie waren ihm nicht einmal neu;die Zeitungen hatten in ihren officiellen und intimen Korrespondenzen längst Gleichesgesprochen und immer wieder gesprochen. Was sollte also wirken? Vielleicht die'-Gemüthlichkeit" der Situation? Davon ließ sich allerdings ein großer Eindruckerwarten. Allein auch dazu war eS bereits zu spät. Überdies war soeben ein Er-eigniß eingetreten, welches den Baiern von weitaus höherer Bedeutung erschien unddie Hoffnungen aus eine Morgenröthe wieder einigermaßen erhob. Sowol der Kron-prinz Max als Prinz Luitpolb hatten sich nämlich seit der Anwesenheit der LolaMontez in München, namentlich seit ihrer Annäherung an den König, von der Re-sidenz ferngehalten. Prinz Luitpold, der nebst seiner Gemahlin für einen eifrigenAnhänger deS katholischen Princips galt, war gerade in dem Moment zurückgekom-wen (23. April), als die Maßregeln am eifrigsten gegen die Anhänger und Der-tret» des Ultramontanismus verhängt wurden. Dies mochte den Muth der ver-folgten Partei zu einer Offcnsiv-Defensive gegen das neue System angestachelt haben,welche in allen nichtbairischen Organen deS hierarchischen Naturalismus wie in eini-gen der Demokratie wahrhaftige Kreuzzüge gegen Baiern predigte, während die ober-sten Träger des neuen Systems einigermaßen befangen standen und auch andereAnhänger der Progression mit Besorgniß die Frage erörterten: welche Einflüsse beimKönige überwiegen würden, ob die verwandtschaftlichen, oder die ministeriellen.Obgleich nun keinerlei sichere Anzeichen eintraten, daß im innersten Hofkreise demsogenannten neuen Systeme erhebliche Hinderungen bereitet würden, so fühlte mansich doch außerordentlich erleichtert und erfreut, als endlich (12. Juni) der Kronprinzebenfalls zurückkehrte. Besonders knüpfte man an dessen ausnehmend herzlichen Em-pfang am Hofe sehr große Hoffnungen, welche dadurch noch erhöht wurden, daßdem Kronprinzen, gleichsam demonstrativ, sofort die Stelle eines GeneralinspectorSder Armee zugetheilt ward. Daran schloß sich sofort die Nachricht von einem kö-niglichen Decrcte, wonach der Kronprinz in allen Fällen, wo der König am Vorsitzim Staat-rathe verhindert sein würde, auch diesen übernehmen sollte. Hierin er-blickte man einen sichersten Beweis, daß auch in den politischen Ansichten vollkom-mene Verständigung zwischen dem Staatsoberhaupte und dem Thronfolger eingetretensei, während man bisher Letztem ebenso in liberaler Opposition gegen das Principseines Vaters begriffen hielt, wie sich ehemals Dieser als Kronprinz Ludwig gegendie NegierungSmaximen des KönigS Max Joseph gezeigt hatte.
Kurze Zeit darauf (22. Juni) reiste König Ludwig nach Brücken«». Ebensobesuchte gleichzeitig Gräfin Landsseld diesen Badeort. In derselben Zeit wurdevon der „Allgemeinen Zeitung", sicherlich nicht voreilig, aus dem „nächstens erschei-nenden" vierten Bande der Gedichte König Ludwig'- von Baiern, nebst einigen