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Achter Band.
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Die neue deutsche Lyrik.

Poesie, die Lahmheit und Schwerfälligkeit der Form, im „Victor" noch mehr her-vortraten, während der Inhalt des Gedichts, die praktisch-politische Wendung desMenschengeistes, der revolutionäre Humanismus doch nicht an die Tieft des „HohenLiedes" hinanreichte. Tiefsinn und Gedankenfülle, sowie die Religiosität einer aufecht menschlichem Grunde ruhenden Begeisterung zeichnen die Ullrich'schen Gedichtevorthcilhaft aus und machen es zur Pflicht, mit Anerkennung aus sie zurückzuwei-sen, in einer Zeit, in welcher die Sündflut der gedankenarmen Poeten den Parnaßüberflutet.

Wie jene drei Dichter dem deutschen Norden, so gehören dem Süden AlfredMeißner und Moritz Hartmann an, ein poetisches Dioskurenpaar, welches fast gleich-zeitig sich einen Namen machte, und von dem Meißner mehr die brillante, gedanken-volle, Hartmann die bescheidene, empfindungsreiche Lyrik vertritt. Meißner hat mehrSchwung, Hartmann mehr Plastik; Meißner mehr Würde, Hartman» mehr Grazie.Beide vertreten die böhmische Freiheitspoesie: Kelch und Schwert. Dieser gemein-same Zug geht durch Hartmann's Gedichte und den „Ziska" von Meißner hindurch.Meißner ist vorwiegend ein socialistischer Dichter mit modern-französischer Färbung,der auch in diesem Sinne das Hussitenepos modernisirte, indem er darin das Ketzer-thun, im Allgemeinen, die Rebellion des freien Geistes gegen die alte Satzung ver-herrlichte. Sein „Ziska" (Leipz. 1846; 4. Aufl., 1850), dessen Form an die Lena»'-scheu Dichtungen erinnert, ist reich an lebendigen Schilderungen, glühenden Bildern,schwunghaftem Pathos in melodischen, getragenen Versen. Doch läßt die lockere,epische Form keine tiefere Charakteristik zu. Die Heldengestalten steigen o Manisch-schattenhaft auS dem Getümmel der Schlachten empor, ohne es zur Klarheit einerIndividualität zu bringen. Ziska selbst ist mehr mit dramatischer Innerlichkeit ge-schildert als zu einer episch-festen plastischen Gestalt gerundet. Dennoch ist viel An-schauung, Glut und Leben in den Schilderungen und Tiefe in der Auffassung des Stoffs.In seinen „Gedichten" (Leipz. 1845; 4. Aufl., 1851) zeigt Meißner einen tief elegischen,an Lord Byron erinnernden Zug, Zerfallenheit mit den Satzungen der Gesellschaft,Hingabe an die melancholischen Eindrücke der düstern Natur. Die Form ist oft vonhinreißendem Zauber, mit Meisterschaft selbst in Rembrandt'schen Bildern gehand-habt. Hin und wieder überwiegt indessen eine nüchterne, erkältende Reflexion, dieeinen Rosenkranz von Zeitgedanken ohne dichterische Andacht abbetet. Meißner istein geistreicher Dichter, der nur noch größerer Plastik bedarf, um Dauerndes zuschaffen. Er erinnert vielfach an Lena», dessen Melancholie er theilt, ohne sie bis zurSelbstqual zu steigern, und über dessen Zerrissenheit hinaus er zu bestimmter Welt-anschauung durchgedrungen ist. Dies wird vor allem klar, wenn man seinen „Ziska"mit Lenau's ,, Albigensern" vergleicht, in denen die Freiheit noch wie eine verhülltePythia umherwandelt, während sie in „Ziska" den Schleier abgeworfen hat. Sein„Sohn des Atta Troll" ist eine Heinisirende Dichtung, welche zu sehr an ihr Vor-bild sich anlehnt, um originalen Werth beanspruchen zu können. Dennoch zeigt sieMeißner's Talent von einer neuen Seite, indem sie Humor und Ironie zur vollenGeltung kommen läßt. Auch Hartmann hat in seiner Reimchronik des „PfaffenMauritius" (Franks. 1849) seine Begabung als geistvoller Pamphlctist bekundet.Der naive Chronikenstil dieser Schattenbilder aus der Paulskirche enthält viel Witz,Sarkasmus und attisches Salz, wenn auch manches Platte und Triviale mitunterliefund die Würdigung der politischen Charaktere an der Befangenheit eines extremen Partei-standpunkts litt. Trotz aller Unbill einer zügellosen Satire wird diese „Reimchronik"mit ihren keck umrissenen Charakterbildern, weil sie frisch aus der Zeit herausgedichtetist, von dauerndem Interesse sein. Bedeutender ist Moritz Hartmann in „Kelch undSchwert" (Leipz. 1845; 3. Aufl., Darmst. 1851), und in seinen „Neuern Gedichten"(Leipz. 1847) als Lyriker der Empfindung und des Gedankens, als begeisterter Frei-heitssänger mit national, böhmischer Färbung. Zwar erreicht er in seinen Versen nir-gends den Fluß und Schwung der Meißner'sthen Poesie. Dagegen trifft er sichererden Ton der einfachen, wahren Empfindung, und versteht es besser, mit wenigen