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Achter Band.
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92 China und die Länder seines Cultursystems.

Gegenden verschiedene Namen) zwischen den Wällen der Festung und der westlichenVorstadt hindurch und vereinigt sich hier mit dem Strom. Auf dem nördlichen,der Festung gegenüberliegenden Ufer theilt er sich in zwei Arnie, welche nach ver-schiedenen Richtungen das Land durchschneiden. Der westliche heißt Itschin Junho,der wahre Transportfluß, der zweite, Tschingkiang gerade gegenüber, wird Kuatsche'uJunho, Transportfluß der'Gurkeninscl, genannt, durch den die zahlreichen Barkengehen, welche das Getreide der südlichen und mittlern Kreise nach der Hauptstadtund allen weniger fruchtbaren nördlichen Landen bringen. Man hat später durchArmeelisten, die nach der Einnahme der Festung in die Hände der Engländer fie-len, erfahren, die ganze Besatzung dieses so wichtigen Orts habe blos aus 2400 Mannbestanden, von welchen 1200 aus den einheimischen in Tschingkiang ansässigenMandschutruppen und 400 Mandschu aus den fernen Kreisen herbeigekommen wä-ren. Warum hatte die chinesische Regierung aber nicht 50—60000 Mann deracht Banner, welche ja nach den amtlichen Angaben die Anzahl von 160000 er-reichen sollen, dahin beordert? Warum wurden überhaupt während des ganzenzweijährigen Kampfes den Engländern keine Heere von 100 — 200000 Mann ent-gegengestellt, da ja nach dem Staatshandbuche nahe an eine Million Truppen vor-handen sein sollen? Weil, wie schon erwähnt, gewöhnlich die amtlichen Angaben des-potischer Reiche der Wirklichkeit widersprechen und auf Lug und Trug beruhen. Dieenglischen Truppen in China waren niemals so zahlreich als zur Zeit, wo sie vorTschingkiang standen, und doch belief sich das ganze Heer nicht auf 7000 Mann!Mit dieser, verhältnißmäßig so geringen Macht haben die Briten der Regierungzu Peking die Friedensbedingungen vorgeschrieben, und hiermit hätte» sie auch, wennes nothwendig gewesen oder in ihrem Plane gelegen, ohne Zweifel die Mandschu-dynastie aus ihrer Hauptstadt jagen und das ganze chinesische Reich erobern können.Mit einer nicht größer» Truppenzahl wollte bereits in der zweiten Hälfte des16. Jahrhunderts ein spanischer Handelsagent zu Manilla das chinesische Reich derMing für König Philipp II. erobern.

Der Angriff begann am 21. Juli in der Frühe. Von verschiedenen Seitenzogen die Engländer gegen das Innere der Stadt, wo sich die Mandschu mit dergrößten Erbitterung schlugen, sodaß es in manchen engen Straßen zu einem förm-lichen Handgemenge kam. Als diese ehemaligen Eroberer des Mittelreichs die Über-zeugung erlangt, daß aller Anstrengungen ungeachtet der Tag verloren sei, wolltensie die Schande nicht überleben. Zuerst opferten sie, wie schon bei der EinnahmeTschapus geschehen, Weib und Kind, und rannten dann selbst auf mannichfache- Weise in den Tod. Ereignisse fielen hier vor, die nicht gräßlicher erdacht werdenkönnen. In einem Hause wurden 14 ermordete Weiber gefunden, und ringsumsaßen Männer, welche sich, sobald die Feinde eindrangen, den Hals abschnitten.Aber auch der Verlust der Engländer war nicht unbedeutend: er belief sich imGanzen an Todten und Verwundeten auf 168 Mann.

Ein panischer Schrecken ergriff jetzt alle Bewohner des Mittclreichs. Werkonnte es noch wagen, sagten sie, dieser mächtigen Nation Widerstand zu leisten,nachdem die stärkste Festung, von den tapfersten Truppen des Reichs vertheidigt, inwenigen Stunden gefallen ist! Allgemein sprach man in den mittlern und selbstin den westlichen Kreisen davon, daß die rothen Teufel den ganzen Süden erobertund den Norden ausgehungert hätten. Über diese wäre, nach der Flucht des Tao-kuang, ein einheimischer Fürst, Tschu geheißen (der Name des Gründers der Ming-dynastie), gesetzt worden; den Süden dagegen hätten die Fremden unter ihre unmit-telbare Herrschaft genommen. Alle Länder diesseit des Kiang, fügte die übertrei-bende Volkssage hinzu, würden jetzt wieder, wie so häufig während der frühernJahrhunderte, in selbständiger Weise regiert werden. Die unwissende Menge wähntesogar, es hielten sich allenthalben Engländer auf, die heimlicherweise ins Landgekommen, und nächstens über das Volk der Mitte herfallen würden. Man kannsich nun leicht denken, wie dieses Volk die flüchtigen chinesischen Truppen verhöhnte,