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Achter Band.
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China und die Länder seines Cultursystems.

Die Länder innerhalb zweier großen Cultursystemc ermangeln gewöhnlich einerselbständigen Bildung, einer selbständigen Geschichte; die Einflüsse der mächtigenNachbarn gestatten kein besonderes Leben. Selbst der Name jener weitgestrecktenGauen, welche auf drei Seiten vom Meere und im Norden von Alpen umgebensind, die theils zum Mittelreiche, theils zu Hindostan gehören, steht schwankend dain der Weltgeschichte. Sie werden bald Hintcrindicn, bald die Halbinsel jenseit desGanges genannt, bald auch, eben der beiderseitigen Einwirkung wegen, indochinesischeLänder und deren Bewohner indochinesische Völkerschaften. Dasselbe gilt von deneinzelnen Ländern und Städten; sie heißen nicht selten verschieden in Siam undBirma, in Kambodscha und Anam, und führen wol überdies eigene Namen bei denbenachbarten Malaien und Chinesen. Die Halbinsel ist durch sechs Mcridiankettenin ebenso viele Längentheile gespalten, jeder von einem Strome durchflossen, welchedie staatlichen Verhältnisse und geschichtlichen Ereignisse bestimmen. Sie zerfiel, die-ser natürlichen Beschaffenheit gemäß, bald in sechs, bald auch in weniger Reiche; eshat sich in diesem und jenem Thäte bald dieser und jener Stamm, diese und jeneFamilie zur Herrschaft emporgeschwungen. Man findet jedoch in den meisten Jahr-hunderten, vermöge der drei Hauptrinnsäle der, gleichwie die Cultur, außerhalb desLandes entspringenden Flüsse: des Jrawaddi, der Menam und Makhaum oder Mekon,drei größere Reiche: Anam, Schau und Pegu, oder unter andern, Namen: Kotschin-china, Siam und Birma. Alle diese Reiche sind jetzt bereits von der meergebietendeneuropäischen Macht umgeben. England beherrscht im Suden die GestadelandschaftenMalakkas, Tenasserim, Ae-Tawoi und Arrakan; im Norden die GebirgslandschaftenRaschar, Mainpur und Assam, wo eine Anzahl ursprünglicher Stämme gegen dieherrschsüchtigen civilisirten Völker Schutz gesucht und gefunden haben. Schnell nahtdie Zeit heran, wo die Engländer die unmittelbare Herrschaft auch über das Innereder vielfach gegliederten Halbinsel erringen werden und müssen. Enthält sie dochdie ergiebigsten Länder des asiatischen Festlands. Hier herrscht eine große mannich-faltige Fruchtbarkeit des Bodens und ein Reichthum an den verschiedensten minera-logischen Stoffen. Die schönen schiffbaren Flüsse gewähren nach allen Richtungeneinen ungehinderten Binnenverkehr, und die Anzahl und Vortrefflichkeit der Häfenbietet eine bequeme Lage für den ganzen Weltverkehr nach Indien und China, nachAustralien und Afrika.

Die Bewohner der Halbinsel sind, gleichwie die Tübetancr, nach körperlicher Ge-stalt und Sprache den Völkern des Mittelreichs verwandt; je näher ihre Sitze dieserCulturhcimat des östlichen Asien, desto inniger ist auch diese Verwandtschaft. MitAusnahme der Anamescn haben sie aber sämmtlich ihre Religion und Cultur einzigund allein aus Indien erhalten. Die Literaturen sind auf dem Grunde der überCeylon eingeführten Neligionsbücher und Legenden des Brahamanismus und Bud-dhaismus aufgewachsen; selbst die Sprachen der westlichen Jndochinescn haben durchAufnahme einer großen Anzahl indischer Wörter ihren einsilbigen, chinesischen Charak-ter zum Theil verändert. In den Ländern des obern Laos und Tongking, zu Ko-tschinchina, Tsiampa und Kambodscha, konnte der in den ersten Jahrhunderten unsererZeitrechnung eindringende Buddhaismus, so wenig wie in China selbst, die einheimi-schen Sprachen und Gläubensformen nicht verdrängen. Die altchinesische Naturreli-gion hat sich hier immer noch als herrschende erhalten; nur neben ihr findet manbald den Glauben des Königssohnes von Kapilapura, bald auch den der Taosse, derJünger der grundsätzlich mit dem Buddhaismus verwandten Lehre des Laotse.

Die südlichen Länder Asiens waren vor den arischen und chinesischen Wande-rungen von einheimischen Völkerschaften bewohnt, deren Neste, von den ChinesenMiaotse genannt und mit verschiedenen Schimpfwörtern belegt, heutzutage noch in-nerhalb der Berge und zerstreut in den Alpenlandschaften leben. Das chinesischeCulturvolk überschritt zu den Zeiten des zweite» Punischen Kriegs das Gebirge,Meiling oder Pflanmcnkette geheißen, welches den Südwestcn trennt vom Nordendes Reichs, und hat sich alle Länder bis herab zum Meere unterworfen. Die Be-