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Die Alpen.
Wölbungen der Erdoberfläche darstellen, in denen zusammenhängende Massen weilüber das Niveau des Meeres aufgebläht wurden, und eigentliche Gebirge, welcheauS verschiedenen Bergketten, Kämmen und Gipfeln zusammengesetzt werden. DieLänge und Ausdehnung einzelner dieser Bergketten ist oft sehr bedeutend; es beträgtz. B. die Länge der ganzen Himalajagruppe 1200 Meilen, jene der Cordilleren vonSüdamerika 1000 Meilen, der nordamerikanischen Andeskette 800 Meilen, jene dereuropäischen Alpen, ebenso wie des Kaukasus 130 Meilen. Durch die verschiedenenGebirgserhebungen wird die Erdoberfläche in einzelne größere und kleinere Beckengetheilt. Es ist dabei eine alte Erfahrung, daß die Gebirge ländertheilende und völ-kerscheidende Grenzen sind, und gerade die Alpen bieten einen schönen Beweis fürdie Richtigkeit dieser Ansichten dar. Wer erinnert sich nicht z. B. an ihre histo-rische Bedeutung bei vielen der wichtigsten Völkerkriege. Seit dem berühmten ZugeHannibal's, welcher durch die französischen Alpen, den kleinen St.-Bernhard unddas Onstathal ging, wo man noch jetzt zuweilen Spuren davon findet, waren Hee-reszüge über diese mächtige Kette stets mit den größten. Schwierigkeiten verknüpft,welche die deutschen Kaiser bei ihren Nömerfahrten ebenso wie die Heere der Neuzeitim Anfange dieses Jahrhunderts vielfach in ihren Bewegungen hinderten. Für denHandelsverkehr nicht minder wie für die Anlage von Straßen und besonders in neue-rer Zeit von Eisenbahnen sind die Alpen stets eine Wichtige Scheidewand geblieben.
Die Alpen bilden eine Gebirgskette weit länger als breit. Man bemerkt inihrer Richtung eine große Umbiegung, indem der eine, kürzere Theil, von den blauenFluten des Meeres bei Nizza bis nach Savoyen fast genau von Süden nach Nor-den streicht. Von da ab hingegen bis in die ungarische Ebene, wo sich die Gesteineder Alpen unter den neuern Bildungen verlieren, zieht das Gebirge von Westen nachOsten, oder genauer von West-Süd-West nach Ost-Nord-Ost. Die höchsten Theilebefinden sich bei einem Querschnitte, den man an irgend einem Punkte über dieBreite der Alpenkette legt, so ziemlich in der Mitte, während die beiden Ränder desGebirgs im Allgemeinen von niedern Bergketten gebildet werden. Die Kenntnißder absoluten Erhebung ist besonders in einem so großen Gebirge von hohem In-teresse. Ich werde daher, ehe ich auf die specielle Gliederung des Alpensystems ineil^clne Gruppen eingehe, einige der wesentlichsten hypsometrischen Daten vor-anstellen.
s) Hypsometrie.
Die genaue Untersuchung der Erhebung einzelner Punkte der Erdoberflächeüber das Niveau des Meeres ist ein Verdienst, welches hauptsächlich der neuernZeit angehört, und es muß bei unserm jetzigen Standpunkte die Unkenntniß derVölker des Alterthums uns in der That überraschen, welche über ähnliche Verhält-nisse nicht selten die übertriebensten Vorstellungen hatten. Ja, selbst vor 100 Jah-ren wurde z. B. noch in Scheuchzer's „Naturgeschichte des Schweizerlandes" derSt.-Gotthard als der höchste Berg der Alpen angeführt, und hierfür der Grundangegeben, daß von keinem andern eine gleiche Anzahl so mächtiger Flüsse entspringe.Horace Benoit de Saussure, der berühmte genfer Naturforscher, war der Erste,welcher eine große Reihe der sorgfältigsten hypsometrischen Bestimmungen in denAlpen ausführte. Ich darf hier überhaupt erwähnen, daß dieser ausgezeichnete Geo-loge und Physiker (geb. 1740, gest. 1799) am meisten zur wissenschaftlichen Kennt-niß des so interessanten Alpengebirgs beigetragen hat, indem sein meisterhaftes Werk:„Vo^aZss äsns los tUpss" (4 Bde., Genf 1779—96) die reichhaltigste Sammlungvon geologischen, metercologischen und physikalischen Beobachtungen hierüber enthält.Er war es bekanntlich auch, welcher im Jahre 1787 den Gipfel des Montblanc bestieg.Das Aufsehen, welches seine geistreichen Beobachtungen erregten, war von wesent-lichem Einflüsse auf den Fortgang dieser Wissenschaften und auf die wichtigen Un-tersuchungen, welche später in ähnlicher Richtung von unserm berühmten Lands-manne, Alexander von Humboldt, in Amerika und in Asien ausgeführt wurden.