Band 
Achter Band.
Seite
149
JPEG-Download
 

Die Alpen. 149

bedeutend werden, daß sie auch für Culturzwecke sich sehr bemerkbar macht. Des-halb erfrieren so häufig in kalten Wintern die Weinreben und Olivcnbäume unmit-telbar auf dem Boden der Thäler, während sie ein wenig höher auf den Abhängenunversehrt bleiben. Im Sommer hingegen werden die Thalkessel bei gleicher Höheweit mehr erwärmt als freie Abhänge oder Gipfel, weil in den Thälern die von derbedeutenden Felsenoberfläche, welche sie rings umgibt, zurückstrahlende Wärme ange-sammelt wird, und Weil diese Wärme weit weniger leicht als auf freiern Punktendurchs die Luftcirculation und Windstöße hinwegführt werden kann. Daher sind dieThalbecken und die umgebenden Gehänge weit mehr zur Anlage von Culturen geeig-Utt als andere weniger geschützte Punkte.

Ze mehr man sich den höhern Regionen nähert, desto weniger bedeutend wirdder Unterschied zwischen der Temperatur der Winter- und Sommermonate, da jagerade die letzter,, so bedeutend an Wärme verlieren und sich daher gleichsam derTemperatur des Winters zu nähern suchen. Auf den höchsten Alpengipseln werdenselbst die Maxima der Wärme, welche man an den schönsten Sommcrtagen des Mit-tags dort antrifft, auffallend gering. So oft man noch die Riesen der Alpen, denMontblanc, Monte-Rosa u. s. w., bis zu Hohen von 42000 Fuß bestiegen hat:niemals hat man eine Wärme gefunden, die im höchsten Falle -j- 5 — 6" übertreffenhätte. Im Gegentheil wurden die Beobachter, welche sich in ähnliche Höhen be-gaben, sehr häufig durch Temperaturen überrascht, die, selbst an ganz schönen undWarmen Tagen, 2 — 7 ° unter dem Gefrierpunkte waren.

Es dürfte nicht ohne Interesse sein, jene Punkte der Erde anzuführen, welchewegen ihrer hohen Breite, d. h. wegen ihrer Nähe gegen die Pole, eine gleiche mitt-lere Jahreswärme mit den höchsten Alpengipseln haben. Man findet, daß diesungefähr jene Theile des nördlichen Amerikas sind, welche sich bei 70° nördlicherBreite befinden. Zm nördlichen Asien sind die Länder in dieser Breite mit den höch-sten Alpengipseln nicht vergleichbar, weil dort wegen der größer,, Ländermasse weitbedeutendere Temperaturvariationen zwischen den Winter- und Sommermonaten vor-kommen, und daher die Sommerwärme jene der höchsten Alpenregionen bedeutendübertrifft.

Aber nicht nur in der Atmosphäre, auch in dem Innern der Erde muß mandie Wärmeverhältnisse aufmerksam verfolgen, wenn man einen Überblick über ihreGesammtheit erlang«, und den Einfluß erkennen will, welchen dieselbe auf dieVerbreitung der Vegetation, das Gedeihen der Culturen und somit auch aus dieExistenz und Lebensweise des Menschen ausüben. Wie schon erwähnt, erwärmt sichdie Oberfläche der Erde unter dem Einflüsse der directe» Besonnung, während siedes Nachts, wo dieser Einfluß aufhört, sich wieder erkältet. Jedoch werden dieseTemperaturwechsel geringer, je mehr man sich von der Oberfläche entfernt. Schonbei einer Tiefe von wenigen Fuß sind die Variationen zwischen Tag und Nacht nichtmehr zu bemerken, bis ungefähr in einen, Abstände von 60 oder 70 Fuß von derOberfläche die Temperatur während des ganzen Jahres unverändert bleibt, indem sichdie Wärme so langsam und allmälig in der Erde fortpflanzt, daß sich, bis sie injene Tiefe gelangt, die Unterschiede der Temperatur zwischen den einzelnen Monatenbereits völlig ausgeglichen haben. Diese Vertheilung der Wärme nach der Tiefe isteine sehr merkwürdige und für den Haushalt der Natur höchst wichtige Erscheinung.Jedermann kann sich von ihrem langsamen Eindringen in die untern Bodenschichtenund ihrem stationären Charakter in der Tiefe leicht überzeugen, wenn er wahrendeiniger Zeit einen Thermometer in einem etwas tiefen Keller beobachtet, wo die An-gaben des Thermometers sich nur sehr wenig ändern werden, wenn auch in derfreien Atmosphäre in sehr kurzen Awischenräumen große Wärme- und Kältegradeabwechseln sollten. Die Wärme, welche durch die Besonnung hervorgebracht wwd.Pflanzt sich durchaus nicht in allen Erd- und Felsenarten auf gleiche Weise und mitgleicher Schnelligkeit nach der Tiefe fort. Man hat, um diese Verhältnisse naherzu erforschen, an mehren Punkten, besonders aber in Brüssel und Edinburg, v,s zu