Die Freie Stadt Bremen.
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zeigte sich, wie nothwendig das strenge Geheimniß gewesen war, welches man beob-achtet hatte. Nicht allein Oldenburg war im höchsten Grade entrüstet über eineVereinbarung, die seinen Hafenplätzcn eine reiche Erwerbsquelle zu entziehen drohte,und welche rückgängig zu machen es Alles aufgeboten haben würde, wenn eS nichtzu spät gewesen wäre: die bremische Kaufmannschaft selbst zeigte den alleräußerstenWiderwillen gegen ein so weitausschendcs, so kostspieliges und hinsichtlich der Ren-tabilität so zweifelhaftes Unternehmen. War es schon schwer genug gewesen, demFormalismus der hannoverischen Bureaukraten die crfoderlichen Zugeständnisse abzu-ringen,, so würde das Unterhandeln ganz unmöglich gewesen sein mit einer unwilligenBürgerschaft im Rücken und einem intriguirenden Rivalen zur Seite. Die Bürger-schaft ratificirte zwar den mit Hannover abgeschlossenen Abtretungsvertrag, aber esgelang nur mit Mühe und gegen eine sehr starke Opposition ihre Genehmigung zuder für die Kosten crfoderlichen Anleihe zu erlangen. Die Millionen, die der Hafenkosten würde, so hieß es bei den Kaufleuten, seien ins Wasser geworfen; der Senathabe die Bürgerschaft überrumpelt; das ganze Unternehmen sei pure Phantasterei;es sei verrückt, daß eine einzelne Stadt für einige Dutzend Schiffe ein Werk aus-führen wolle, welchem nur die Kräfte großer Monarchien gewachsen seien. Inzwi-schen ward der Vertrag ausgeführt. Bremen erhielt für ewige Zeiten ein StückLandes an der Gerste, auf welchem Hannover sich nur gewisse Hoheitsrechte, na-mentlich das militärische, vorbehielt. Dies war im Jahre 1827. Ein namhafterholländischer Wasserbaumrister ward berufen, den Bau auszuführen, den nran, derWiderwilligen und geizenden Bürgerschaft zu Liebe, auf das nothwendigste Maß be-schränkte und so sparsam wie möglich einrichtete. Nicht einmal konnte das ganzeausgeriefte Becken mit Quadersteinen eingefaßt werden; man belegte einen Theil derBöschungen mit Flechtwerk. Die Schleusen dagegen, welche das Hafenbecken gegenden Andrang der Flut und des Sturms schützen, und welche sich in ihren Angelnleicht wie Thüren drehen, wenn ein Schiff aus- oder einlegen will, waren vorzüglicheonstruirt und gearbeitet, und erregten damals allgemeine Bewunderung. Da« ist diel-ntstehung des Orts Bremcrhafcn. ^ ^ .
3m Jahre >830 ward der Hafen feierlich eröffnet und dem Verkehre aller see-fahrenden Nationen übergeben. Aber die Vollendung des Werks hatte den Unwillender Kaufmannschaft nicht beschwichtigt. Kein Schiff suchte den eigenen Hafen derStadt auf; die Rhcder ließen in alter Weise ihre Fahrzeuge nach Brake aussegeln.Manches Segel passirte das öde Bassin, das die Stadt mit so großen Opfern her-gestellt hatte, aber keins schien einkehren zu wollen. Ein fremdes Schiff, ein Ame*rikanrr, war das erste, das in Brcmerhafen einlief und altem Brauche gemäß fürimmer von allen Hafcnabgaben frei erklärt ward. Allmälig fand sich auch hin undWieder ein Bremer ein, aber noch schwur mehr als ein Nheder, daß er niemals mitdem neuen Hafen etwas zu schaffen haben wolle. Plötzlich ereignete sich ein Vor-fall, der dieses thörichte Vorunheil beseitigte. Ein schneller Frost überfiel die inBrake liegenden Schiffe, die zum Winter in See gehen sollten, und fesselte sie aufMonate im Eise. Die in Brcmerhafen liegenden Fahrzeuge dagegen gelangten un-gehindert in See. Dies öffnete den Blinden die Augen. Das Geschrei über weg-geworfenes Geld verstummte; alle Schiffe liefen von nun au regelmäßig i» Bremer-hafen ein, und man überzeugte sich bald, daß dieser Ankerplatz die erheblichsten Vor-züge besitze. Ein lebhafter Verkehr zog sich nach dem jungen Orte hin, dem vonallen Seite» Ansiedler zuströmten. Anfänglich verschenkte der Staat die BauplätzeJedem, der sich anheischig machte, ein Haus bauen zu wollen, aber es währte nichtlm'ge, so wurden für die Plätze namhafte Preise geboten. Gegenwärtig löst derDtaat aus diesem Verkaufe alljährlich bedeutende Summen. Auf dem Platze, wovor 20 Jahre» der Wind über dürre Halbe strich, steht jetzt eine freundliche, wohl-habende Stadt von fast 5000 Einwohnern, die noch fortwährend in raschem Wachs-thum begriffen ist. Hunderte von netten reinlichen Häusern reihen sich >" gera»
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