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Die Freie Stadt Bremen.
alte Bürgercvnvent, der „einer Pairskammer gleich" die Mehrzahl der Einwohnerin einem Zustande der „Hörigkeit" gehalten habe, solle aufhören; dazu verlangteman Preßfrciheit, Schwurgerichte *), deutsches Parlament u. s. w. Eine Deputationward ernannt, welche die mit Tausenden von Unterschriften bedeckte Petition aufsRathhaus tragen sollte. Es hatte sich eine Menge von wohldenkcnden Bürgern un-terzeichnet, die nichts weniger als einen Gewaltact beabsichtigten, Aber einer jenerräthselhaften Momente, die bei allen Revolutionen eine scheinbar zufällige Rolle spie-len, verwandelte dir Demonstration in einen Sturm. Wie ein Lauffeuer ging durchdie Tausende der Vorschlag, man solle die Deputation aufs Nathhaus breiten. Esist kaum zu bezweifeln, daß diesem Vorschlage ein geheimer Plan zu Grunde lag;die Mehrzahl aber nahm ihn ohne arge Hintergedanken an. Der endloft Zug, sehranständig aussehend, wie alle Massenversammlungen in Bremen, sehte sich nach demRathhause in Bewegung, wo der Senat, nur von einigen Bürgerwehrleuten geschützt,Sitzung hielt. In kurzer Zeit war dort die große Halle, waren alle Treppen undZugänge von den Begleitern der Deputation besetzt, wahrend Alle, die im Innernkeinen Platz fanden, draußen auf dem Markte sich ausstellten. Nun begann imInnern des Rathhauses ein seltsames Unterhandeln. Der Senat, in seinem gewöhn-lichem Sitzungszimmer tagend, vor dessen Zugängen zwei Wehrleute Posten standen,draußen die zahllose erregte Menge in der großen Halle, die Deputation der Pcten-tcn in der Mitte zwischen Senat und Bürgern. Anfangs versuchte der Senatdurch Festhaltung der üblichen Formen sich auS der Klemme zu ziehen; die Pctcntensollten zu rechter Zeit ihren Bescheid empfangen. Aber die Deputation bestand aufsofortige Antwort. Sie wies auf die Erregung der Gemüther, die versammelte
Menge hin, für deren Ruhe sie andernfalls nicht stehen könne. Der Senat er-kannte, daß er sich in Belagerungszustand befinde. Seit 300 Jahren war derglei-chen in Bremen nicht vorgefallen. Man bemühte sich nun, der Deputation ansein,anderzusetzen, daß der Senat verfassungsmäßig gar nicht befugt sei, die j-etitaeinseitig zu bewilligen, daß dazu ein Raths- und Bürgerschluß erfoderlich sein wurde.Die Deputation leugnete Letzteres nicht geradezu, aber sie behauptete, tue draußenversammelte Menge sei die wahre „Gemeinheit", nicht jener oligarch,sehe Bürger-convent, der bisher regierr habe; mit dieser wahre» Gemeinheit solle der Senat nurverhandeln. Über dem Hin- und Widerreden vergingen Stunde». Allmalig ver-änderte sich der Charakter der draußen harrenden Menge; die Zahl der anstandrggekleideten Bürger verminderte sich, die der verdächtigen Gestalten nahm zu; es zeig-ten sich berufene Demagogen im Haufen, welche hetzten und drohten. Gegen Mittagward die Versammlung ungeduldig. Man hörte Verwünschungen gegen den Senat,man versuchte in dessen Sitzungszimmer einzudringen; nur mit Mühe gelang es denFührern, die Haufe» in der Halle zurückzuhalten. Die Lage ward immer kritischer;an materielle Hülfe von außen war nicht zu denken; die Sprache der Bittendenward zur kategorischen Federung; die Fenster des Nathhauscs liegen hoch über demSteinpflaster: — so gab der Senat am Ende nach. „Er für seinen Theil" geneh-mige die gestellten Petita und wolle Sorge tragen, daß sie zur verfassungsmäßigenGeltung gelangten. Sogleich trat die Deputation auf den Altan des Nalhhauseshinaus, und der Tischler Wischmann rief der untenstehenden Volksmenge zu: „ESist Alles bewilligt!" Ein Hurrahruf antwortete; dann ging Jedermann ruhig nachHause. Selbst in diesem revolutionären Augenblicke war von Taumel und Ausge-lassenheit wenig zu spüren.
Gerade Am dieselbe Zeit, als eben Alles entschieden war, rafften sich die altenEonventsbürger zu einer Art von Thätigkeit auf. Im Locale des Museums (des
. unklar die Begriffe waren, davon ein Beispiel. Die beiden gebildetsten Führer
der Marzpartei sormulirten bald nach der Revolution die Federungen, welche sie an v«nStaat stellten, und verlangten unter Anderm, daß alle Verbrechen von Geschworenen „nurAngabe der EntscheidungSgründe" abgeurtheilt werden sollten. (Schema u. s- w. vo 8mann und Kohenberg.)