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Achter Band.
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Die Freie Stadt Bremen.

sie das Werk weniger Stunden sein konnte. Im Juni 1851 lief die legislative Pe-riode der Bürgerschaft ab, und die Hälfte der Mitglieder mußte ausscheiden.

Die Neuwahlen hatten nur das Resultat, die Linke zu verstärken. Nösingward in einem städtischen Bezirke mit großer Mehrheit gewählt und gelangte alsbaldan die Spitze der wichtigsten Deputationen. Auffallcnderweise trat gleichzeitig Dulon,ohne Angabe der Motive,'aus der Bürgerschaft aus: er war nach London gereist,um dort seine Freunde zu besuchen, und schrieb plötzlich, daß er sein Mandat alsVolksvertreter niederlege. WaS ihn dazu bewog, wissen wir nicht. Vielleicht daß

er es damals noch für möglich hielt, die Consequenzen seines Verhaltens von sich

abzuwenden; wie er denn schon im Oetober 1850 die Redaction der „Tageschronik"mit dem Bemerken niedergelegt hatte, er wünsche Conflicte mit den Behörden zuvermeiden. Allein er war zu weit gegangen, um sich zurückziehen zu können; der jStrudel erfaßte ihn bei seiner Rückkehr von London von neuem und ließ ihn erstlos, als nichts mehr zu verlieren war. '

Die neue Bürgerschaft trat vollständig in die Fußstapfen ihrer Vorgängerin; sie !

geberdete sich, als ob die Welt sich noch mitten im Jahre 1848 befinde. Aber Alle-verrieth, daß die Atmosphäre sich vollständig geändert habe. Die Angriffe kamenvon verschiedenen Seiten. Ein Theil der Licbfrauengemeinde wandte sich an denSenat als obersten Schutzherrn der Kirche und foderte ihn auf, Dulon als einenoffenen Verhöhner des Christenthums und politischen Agitator von der Kanzel zuentfernen; die Staatsanwaltschaft leitete verschiedene Preßprocesse gegen demokratischeLocalblätter ein; gegen Dulon selbst ward auf Grund einer Haussuchung eine Unter-suchung wegen staatsgefährlichcr Verbrechen eröffnet. Der Senat verlangte von derneuen Bürgerschaft wie von der alten Revision des Wahlgesetzes. Der Antrag wardvon neuem abgelehnt. Der Sommer verging unter den gewöhnlichen Reibungen,indessen verloren dieselben mehr und mehr an Interesse. Die Rechte besuchte dieBürgerconvrnte kaum noch und nahm an den Debatten fast gar keinen Theilmehr. Man ließ die Majorität beschließen was sie wollte; mochte der SenatSorge tragen, daß die Republik nicht Schaden nehme. Endlich erfolgte der ent-scheidende Schlag.

Kurz nach dem Bundcsbeschlusse vom 25. Aug. 1851, im Monat September,stellte der Senat die kategorische Federung an die Bürgerschaft, die Verfassung >»>Sinne dieses Beschlusses abzuändern, das Kopfzahlsystem abzuschaffen, eine Vcrtre- ,lung der Berufsstände einzuführen, die Wahlen zum Senate mit bessern Garantien ^zu umgeben, dem Senate die obere Leitung der Deputationsverwaltungen einzuräu-men, das Vereins- und Vcrsanimlungsrccht einzuschränken, die Geltung der deutschenGrundrechte aufzuheben, und überhaupt aus der Verfassung alle Bestimmungen aus-zumärzen, welche mit dem Bundesbeschluß vom 23. Aug. im Widerspruch ständen.Der Senat hatte alle diese Federungen bestimmt formulirt: er wollte ihretwegen nichtmehr unterhandeln; er wollte sie einfach angenommen wissen. Er erklärte, daß essich nicht um eine gewöhnliche Verfassungsänderung handele, für welche die Ver-fassung selbst ein weitläufiges Verfahren verschreibt, sondern um eine unbedingt z»vollziehende, aus dem über den Einzclverfassungcn stehenden Bundesrechte hergeleite-ten Beschlußfassung der obersten deutschen Behörde. Ob diese ausgeführt werdensolle oder nicht, darüber könne nicht erst gestritten werden; es frage sich lediglich, obdie Bürgerschaft zur Vollstreckung die Hand bieten wolle oder nicht.

In, October gab die Bürgerschaft ihre Rückäußcrung auf diese Mittheilung-Sie focht den Bundcsbeschluß vom 23. Aug. als bindend für Bremen nicht an, gabvielmehr zu, daß man die thatsächliche Gewalt des Bundestags anzuerkennen habe,bcstritc aber, daß der Senat diesen Beschluß richtig aufgefaßt und die aus demselbensich ergebenden Folgerungen unwiderleglich gezogen habe. Daß die Verfassung einerRevision bedürfe, ward eingeräumt; dieselbe könne aber nur auf dem Verfassung^'mäßig vorgeschriebenen Wege geschehen, und die Bürgerschaft wolle gern eine DepU'