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Achter Band.
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272 Die Botanik.

unsere jetzigen so ausgezeichneten Mikroskope uns die Gegenstände nicht anders dar-stellen, als sie Ercw, Malpighi und andere sorgsame Beobachter, der ältesten Zeitgezeichnet haben; nur daß uns schärfere Beleuchtung und stärkere Vergrößerung oftin den Stand setzt, Das, was früher als eine Linie erschien, nun als eine breiteFläche, ja oft als eine Anhäufung von verschiedenen Linien zu erkennen. Dagegengibt es eine andere Quelle der Irrthümer beim Gebrauche des Mikroskops, und ihrverdankt daS Borurthcil viel mehr, ja vielleicht allein seine Entstehung: diese beruhtauf dem Umstände, welchen wir oben erwähnten, daß das Mikroskop nur Flächen,nicht Körper zeigt. Es genügt also nicht das einfache Betrachten, um sich von demGegenstände ein Bild zu machen, sondern der Beobachter muß eine Reihe von Bil-dern combiniren und aus diesen sich das Bild des Gegenstandes zusammensetzen, seies nun, daß er diese Bilder durch Höher- und Tieferstellen an einen: Objecte, oderdurch Anfertigung verschiedener Objecte aus demselben Gegenstände erlangt. So be-steht jede mikroskopische Beobachtung aus zwei Theilen, erstens dem richtigen Sehender mikroskopischen Bilder, zweitens dem richtigen Zusammenfügen dieser Bilder durchden Verstand. Der erste Punkt ist wenigen Irrthümern ausgesetzt; der zweite da-gegen ist es, welcher die verschiedensten Ansichten über denselben Gegenstand zu Tagegefördert hat, besonders wenn die Feinheit des Gegenstandes das Präparircn er-schwert und derselbe, nur von allerlei umgebenden Theilen verdunkelt und verdeckt,nicht frei für sich daliegt.

, Folgen der Mikroskopie.

Alle diese Bedenken aber, welche man aus solchen Schwierigkeiten herleitenkann, sowie gleicherweise die Kostbarkeit und Seltenheit des Mikroskops konnten ge-genüber den eminenten Entdeckungen, zu denen dasselbe verholfen hatte, nicht insGewicht fallen. Wir müssen darum den Grund, daß sich die Wissenschaft andernWegen zuwandte, in andern Umständen suchen, und finden ihn ohne Zweifel ebenin der Größe der Resultate, welche Malpighi und Grew veröffentlicht hatten. Eswar schwierig, mit den Instrumenten der damaligen Zeit mehr zu sehen, besser zuuntersuchen, als es von jenen Heroen der Wissenschaft geschehen war; dagegen eröff-neten ihre Untersuchungen ganz neue Ansichten für alle Zweige der Botanik. Weitleichter war cS daher und weit mehr Gewinn für die Wissenschaft versprach es, dieerhaltenen Resultate als die Grundlage anderer Arbeiten zu benutzen.

Die Resultate der Anatomie waren es, welche den Weg zu jenen Fortschrittenin der Terminologie und Systematik bahnten, die wir als das wichtigste Ergebnißdes vorigen Jahrhunderts oben betrachtet haben. Ja, daS System von Linne' warnur möglich durch diese Fortschritte. Wir bemerkten bereits, wie man nacheinanderalle Theile der Pflanze als unbrauchbar für die Systematik bei Seite gesetzt, undwie Tournefort nur in den Blüten und Fruchttheilen charakteristische Unterschiedegefunden hatte. Mittlerweile hatte man aber jene kleinen Theile, die Staubgefäße,welche, Stecknadeln nicht unähnlich, das Innere der Blume mit ihren verschieden ge-färbten, den zarten Stielen aufsitzenden Knöpfchen auf das mannichfaltigste verzieren,ins Auge gefaßt. Auf diese bisher unbeachteten Organe, die oft dem bloßen Auge fastverschwinden, baute nun Linus seine ganze Eintheilung. Hierdurch nöthigte er nichtblos alle Systematiker aufs neue ihre Pflanzen zu untersuchen, um diese plötzlichzu so großer Wichtigkeit gelangten Theilchen zu studircn, sondern überhaupt Alle,die sich mit botanischen Untersuchungen beschäftigten. Er nöthigte sie dazu, weil esnothwendig war und noch immer nothwendig ist, daß Der, welcher den Bau oderdie Lebensweise einer Pflanze untersuchen will, zuvor wisse, welche Pflanze er vorsich habe, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen will, daß seine Versuche unbrauch-bar werden für die Mit- und Nachwelt. Denn es ist eine allgemeine Regel in derNaturwisscnschaft, daß waS Einer sah, erst durch den Zweiten und Dritten seinevolle Bestätigung erhalten muß. Aber keine Beobachtung kann bestätigt werden,sobald nicht genau derselbe Körper, oder in diesem Falle genau dieselbe Pflanze der