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Achter Band.
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274 Die Botanik.

Beobachtungsfeld eröffneten, ward das Athmen der Pflanzen zahlreichen Unters»- >chungen unterworfen. Bereits Priestley, der Entdecker der Gase, hatte die Beobach-tung gemacht, daß die Pflanzen Sauerstoff aushauchen und dagegen Kohlensäureeinsaugen, daß also ihr Athmen im geraden Gegensatz zum Athmen der Thiere undMenschen steht, welche den Sauerstoff der Luft verzehren, um Kohlensäure auszu-athmen. Eine Menge Beobachter verfolgte diese Entdeckung. Wer sich erinnert,welche Streitigkeiten in der Chemie die Entdeckung des Sauerstoffs herbeiführte,welche Revolutionen dadurch entstanden, daß man endlich dieses Körpers habhaft ge-worden, der bis dahin bei jeder Analyse sich verflüchtigt hatte und dessen Ent-schlüpfen die Ursache unendlicher Zweifel und Irrthümer geworden war, der wird cSerklärlich finden, daß er auch auf dem Gebiete der Botanik eine solche Aufmerk-samkeit fand. Zngenhouß, Spallanzani, Senebier, Th. de Saussure sind die bedeu-tendsten der Männer, welche in den letzten 30 Zähren des vorigen und den erstenJahren unsers Jahrhunderts das Athmen der Pflanzen genau untersucht, und denenwir den wesentlichsten Theil unserer jetzigen Kenntnisse über diesen wichtigen Proceß jzu danken haben. Nicht blos über die Beschaffenheit und Menge der ein- undausgeathmeten Luft, sondern auch darüber, in welcher Weise und an welchen Pflan-zentheilen der Ein- und Austritt der Gase stattfindet, haben unS ihre Beobachtun- ,gen Ausschluß gegeben.

- Stand der Botanik am Schlüsse des vorigen Jahrhunderts.

Während sich die Aufmerksamkeit der Botaniker somit weit mehr den Lebens-Verrichtungen der Pflanzen zugewendet hatte, und ihr Bau nur untersucht ward, umüber die Art und Weise dieser Verrichtungen Anhaltepunkte zu geben, begann mandie großen Resultate der Mikroskopie und mit ihnen die Mikroskope, die zuerst über ,alle Maßen gepriesen waren, zu vernachlässigen und geringzuschätzen. Die mannich'faltigsten Versuche, sie zu verbessern, waren gemacht worden. Man war von denzusammengesetzten zu den einfachen, von da zur Beleuchtung durch Sonnen- undLampenlicht übergegangen, ohne wesentliche Vortheile zu erhalten. Man bestrebtesich immer nur die Vergrößerung zu erhöhen, statt die Herstellung eines klare»Bildes zur Hauptaufgabe zu machen. In dem Sonnenmikroflop und dem ihm nach'gebildeten Hydro-Oxygen-Gasmikroskopc hat man eine ungeheure Vergrößerung er-reicht, aber sich dabei nur um so klarer überzeugt, wis wenig ein großes Bild nützt,wenn es nicht mit der größten Schärfe der Umrisse, mit der größten Klarheit allerLinien verbunden ist. ES waren und sind noch solche Instrumente nur geeignet,das Staunen der Laien zu erregen, nicht aber eine brauchbare Hülse dem Untersu-cher zu gewähren.

Da war es die Systematik, welche von diesen Spielereien zu einer richtige»Anwendung des Mikroskops zurückführte; welche dieses unvergleichliche Znstrumc»wieder schätzen lehrte und seinen Gebrauch unter den Botanikern unentbehrlich machte-Linne und seine Nachfolger hatten ihre besondere Aufmerksamkeit den vollkommener»Pflanzen mit deutlicher Blüte und Frucht vor allem zugewendet, dagegen das »i^unbedeutende, aber unscheinbare Reich der niedern Gewächse fast unbeachtet gelassen- !Gegenüber den 23 Classen, in welche Linne jene Gewächse, die Phancrogamcn, ge'bracht hatte, stand als die letzte die eine (24.) Classe der Kryptogamcn, welche vonden Farrnkräutern mit ihrem herrlichen Blätterschmuck bis zu den kleinsten Wasser'moosen, die nur durch ihr massenhaftes Zusammenleben dem bloßen Auge sichtb»»werden, und dem ebenso winzigen Schimmel, eine Menge von Gebilden der versetz"'densten Art umschloß. Als nun die Länder Europas von den Pflanzcnsammlern Igenau durchsucht wurden, konnten auch diese Gewächse der Aufmerksamkeit nicht en'geben. Die Meisten freilich ließen die unbekannten Wesen unbeachtet oder begnüg"'sich, sie in eine der Linne"schcn Diagnosen hineinzupassen; einige Forscher aber beg»'nen dieselben einer sorgsamern Untersuchung zu unterwerfen, und bald krönte ,Erfolg ihre Thätigkeit. In keiner Abtheilung gab eS so viel Neues zu entdecke!,