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Achter Band.
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344 Die Chemie.

fassungen, bürgerlichen Gesetzen und fürstlichen Hausgesetzen, Interessen, Sympathienund Antipathien hervorgehen zu lassen, als Alles dies sich aus vorhandenen Bedin-gungen mit Nothwendigkeit zum theilweise sehr unerquicklichen Zustande der Gegen-wart entwickeln mußte. Nur schwierig ergeben sich aus dem Expcrimentirtische derGeschichte, auf welchem in rastlosen Schwankungen der menschliche Geist oscillirt,brauchbare Gesetze, die seiner Bewegung künftig als Grundlage zu dienen fähig sind,und die wahre Politik wird noch lange als die Wissenschaft der Zukunft bezeichnetwerden müssen.

Ebenso wird unser Ausspruch, der die Chemie vorzugsweise der Gegenwart zu-eignet, nur dann verständlich und überzeugend sein, wenn wir den Nachweis liefern,daß in frühern Perioden der Geschichte von der Chemie als Wissenschaft kaum dieRede sein konnte. Auö diesem Grunde müssen wir allerdings jenen Ausspruch durcheine rückwärts gehende Betrachtung zu rechtfertigen suchen. Wir sind hierzu um somehr verbunden, als unsere Wissenschaft einen Namen trägt, der so weit ins Alter-thum hinaufreicht, daß wir nicht einmal im Stande sind, Ursprung und Bedeutungdes Worts Chemie mit Gewißheit abzuleiten, sodaß wir in dieser Beziehung in großerUnsicherheit uns befinden. Wenn nun det Name so alt, und die Wissenschaft, dieer bezeichnet, als so neu dargestellt wird, so bedarf dies jedenfalls einer Aufklärung»und ebenso wie es unmöglich ist, die gegenwärtigen Beziehungen verschiedener Staa-ten ohne historischen Hintergrund richtig zu beurtheilen, können wir hier das Ver-hältniß der Chemie zu den. andern Wissenschaften keineswegs erfolgreich ausführen,ohne einen Blick in die Geschichte der Chemie zu werfen.

Geschichtlicher Überblick der Chemie.

Fragen wir uns zuerst, ob aus der Chemie an sich, wie wir in der ersten Ab-theilung unserer Abhandlung bemüht waren, dieselbe als Wissenschaft darzustellen,eine große Wahrscheinlichkeit oder Nothwendigkeit sich folgern lasse, daß sie schonfrüh in einiger Ausbildung und Vollendung bei den Völkern des Alterthums sicheingestellt habe» müsse, so wird nach nicht allzu langem Erwägen die Antwort imverneinenden Sinne ausfallen.

Solche rückwärts schließende Beweisführungen haben freilich eine große Erleich-terung in der ihnen zur Seite stehenden vollendeten Thatsache. Für Das, w^wirklich geschehen ist, sind wir selten um Gründe verlegen. Allein wenn man sichdie Schwierigkeit der feinern chemischen Versuche und die dabei nothwendige Berück-sichtigung so vieler Nebenumstände vergegenwärtigt, die erfoderlich sind, um z-ein analytisches Resultat von beweisführender Kraft zu erhalten, so sieht man wolein, daß selbst von den scharfsinnigsten Gelehrten des Alterthums, den Philosophender Griechen, solche Arbeiten nicht zu erwarten sind. Theils fehlte ihnen manchevon dem hierzu erfoderlichen Material, anderntheils aber war eS die denselben eigen*Eeistesrichtung, nach welcher sie auf dem Wege reiner Gedankcnentwickelung oderSpeculation die wissenschaftliche Erkenntniß in den verschiedenen Gebieten zu erzielenstrebten, wodurch sie der genauern Naturforschung fern blieben. In den Natur-wissenschaften können aber Ideen den Fortschritt nur alsdann fördern, wenn sie svrk"während mit genau bestätigten Thatsachen zusammengehalten werden, um die Gültig-keit jener an der Übereinstimmung mit letztem zu erproben.

Da wir die Griechen im Übrigen in den Künsten geschickt sehen, so hätte dochvon diesen eine Anregung zur experimentirenden Methode ausgehen oder unterstützt wer-den können. Allein Alles, waS Arbeit und Gewerbe heißt, geschah dort ausschl'^'lich durch die Hände der Sklaven oder doch des ungebildeten Theils der Bevölke-rung. Wenn nichtsdestoweniger ein jeder Gegenstand, der aus einer griechisch*?Werkstatt hervorgegangen und bis zu uns gekommen ist, daS Gepräge deS grieM''scheu Schönheitssinns trägt, so war eS eben doch nur der ästhetische Theil der KünAwelcher die Aufmerksamkeit und Theilnahme der Hochgebildete» für sich hatte. -muth und Schönheit der Form war die allgemein gestellte Federung, und wir siv*