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Achter Band.
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Die Chemie.

I. Zeitalter bis 300 nach Christus; Kenntnisse der Alten.

Die älteste Geschichte eines Volks ist immer eine Geschichte der ersten Anfangeder Cultur. Wir sehen in der Entwickelung derselben die im Naturreich für denGebrauch des Menschen niedergelegten Schätze allmälig in dessen Hände übergehe»,und aus naheliegenden Gründen geschieht dies zunächst mit den am leichtesten zu-gänglichen und den Lebensbedürfnissen am uncmbehrlichsten. Die Erzeugnisse deschemischen Processes gehören nun allerdings zu den mehr verborgenen Schätze», anwelchen selbst die neueste, mit chemischen Kenntnissen und Hülfsmitteln so reich aus-gestattete Zeit noch manchen wcrthvollen Fund zu thun hofft. Um so weniger dür-fen wir daher erwarten, bei den ältesten Völkern eine bedeutende Mannichfaltigkcitchemischer Producte in Gebrauch zu sehen.

Unstreitig erregte zuerst ein Zufall die Aufmerksamkeit auf eine und die anderechemische Erscheinung, deren Produkt einer Anwendbarkeit sich fähig zeigte, und führteeine absichtliche Wiederholung derselben herbei. Nicht jeder Zufall führt indessen zueiner Entdeckung. Wie viele Tausende von an sich werthvollen Beobachtungen sindnicht schon gemacht worden, ja werden noch fortwährend gemacht, ohne daß sichhieran irgend erhebliche Folgen knüpfen! Glücklich ist daher ein Zufall nur dannzu nennen, wenn er im Bereiche eines aufmerksamen, denkenden und regsamen Be-obachters sich zuträgt, der denselben erfolgreich zu machen versteht. Wir sehen daherPersonen, die sich einer derartigen Entdeckung zu bemächtigen verstanden, im Alter-thum mehrfach mit göttlichen Attributen oder Eingebungen in Verbindung gebracht,wie die Sagen des Prometheus, der das Feuer anzufachen vermochte, des Bachus,welcher die Gährung lehrte, des Hephästos, der die Metalle zu behandeln verstand,und andere bezeugen.

Die Erfindung des Glases, irrthümlich den Phöniziern zugeschrieben, soll del»zufälligen Umstände verdankt werden, daß, in Ermangelung eines Andern, Stücke vo»Soda zur Unterlage eines Nosts bei Anläge eines Feuers im Freien gebraucht w»r'den. Hier konnten allerdings die vorhandenen Bedingungen zur Bildung eines Glas-flusses, nämlich Sand, Soda und Glühhitze, vorhanden sein. Ein noch einfacheresExperiment führte zur Entdeckung der Orscille, eines schönen, rothen Farbestoffs, detaus einer unscheinbaren Flechte gewonnen wird, welche die Felsen der Canarische"Inseln überzieht. Ein Reisender, von!» 8it verbo, pißte auf eine mit jener Flech^bedeckte Stelle und bemerkte, daß diese nach einiger Zeit eine schöne rothe Färbungangenommen hatte. Seitdem wird die Pflanze gesammelt und mit gcfaultem äst"'oder anderer ammoniakhaltigcr Flüssigkeit zur Darstellung schön rother und violettFarben benutzt. Auch in der neuern Zeit, in einer Periode reich an wisscnschass'lichen Entdeckungen, hat sich der Zufall noch mehrmals überraschend hülfreich crwü'sen, wie z. B. das Jod zuerst von einem Seifensieder beobachtet wurde^ als der-selbe in ganz anderer Absicht gewisse Salze mit Braunstein und Schwefelsäure d<Destillation unterwarf.

Je reicher die Hülfsmittel, je verbreiteter die Kenntniß chemischer Operation^'desto weniger werden solche Ergebnisse dcS Zufalls verloren -sein, und gerade ^Fehlen dieser Bedingungen erklärt eS, wie Reihen von Jahrhunderten selbst bei ^cultivictesten Völkern des Alterthums crsodcrlich waren, um nur die einfachste«misch-technischen Operationen,in Übung zu bringe».

Vor allem sind es die Ägypter, dieses merkwürdige, in Künsten und ÄM".schaften so früh schon vorangeschrittene Volk, bei welchen die meiste chemisch ^ ^duction vorausgesetzt werden darf, ja von welchen die Kenntniß chemischer Geweund Handgriffe überhaupt ausgegangen ist und durch ihre Berührung mit a« ^Völkern auf diese übertragen wurde. Schon oben haben wir diesen Umsta.^ ^der Ableitung des Namens der Chemie in Zusammenhang gebracht. Dieverstanden die Darstellung und Bearbeitung niedrer Metalle und Metallgenüsekssl ^>lwußten Salmiak, Soda, Kochsalz, Alaun und Glas zu bereiten, sie brannte»und verfertigten bemalte Töpfcrwaarc». Auch Grünspan und Blciwciß wa>c»