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Achter Band.
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Die kirchlich-religiöse Bewegung der Gegenwart. E

Inhalt zu den ausgezeichnetsten Leistungen der neuern deutschen Literatur, und gebenzugleich xinx treffliche culturgeschichtliche Kritik der verschiedenen theologischen Stand-punkte, von denen aus seine zahlreichen Gegner ihn angreifen. Unter den kleinernAufsahen/ die in den nächsten Jahren von ihm erschienen, nimmt seine Abhandlung„Über Vergängliches und Bleibendes im Christenthum" (Altvna 1839) wol denersten Platz ein. Der Charakter dieser Schrift ist ein entschieden versöhnlicher, in-dem er auch snr die veränderte Denk- und Anschauungsweise der Gegenwart denNamen cmer christlichen in Anspruch nimmt, und zu diesem Zwecke die Uberein-stnnmung derselben mit den Grundanschauungen des Christenthums (Einheit desmenschlichen Selbstbewußtseins mit dem Gottesbewußtsein in Christus) nachzuwer-fen sucht.

Da wir es nicht mit der Person, sondern nur mit der theologisch-religiösenWirksamkeit von Strauß zu thun haben, so übergehen wir die Geschichte seiner Be-rufung nach Zürich und seiner Pensionirung, bevor er noch sein Amt angetreten,und erwähnen nur noch seines letzten theologischen Werks „Die christliche Glaubens-lehre in ihrer geschichtlichen Entwickelung und im Kämpft mit der modernen Wis-senschaft" (2 Bde., Tüb. 1840—41). Hier gibt er den Nachweis von der unvermerk-ten, aber ununterbrochenen innern Umgestaltung, mit welcher die christliche Dogmatikden fortschreitenden Menschengeist begleitet, und läßt sie auf diese Weise selbst denBeweis gegen die absolute und unwandelbare Gültigkeit ihrer Wahrheiten führen.

Aber wie entschieden Strauß jede Autorität verwirft, die das Recht der Ver-nunft und der fortschreitenden Wissenschaft beschränkt; wie offen er die geschichtlicheWahrheit der Thatsachen leugnet, die in den Evangelien von dem Stifter und derStiftung des Christenthums erzählt werden; wie rücksichtslos er sich gegen dieDogmen erklärt, die den Glaubcnsinhalt aller christlichen Bekenntnisse bilden: so willer doch durchaus nicht mit dem Christenthum gebrochen haben, sondern erkennt auchin der gegenwärtigen Entwickelungsstufe des Menschengeistes den nothwendigen undununterbrochenen Zusammenhang svwvl mit der mythenbildcnden Zeit der ältestenchristlichen Gemeinden, wie mit der dogmcnbildcnden Periode seiner spätern Ent-wickelung, und mit der kritischen Auflösung derselben seit der Reformation. .Erhält eine Entwickelung des Christenthums im Geiste der Gegenwart eben darumfür eine berechtigte und nothwendige, weil er die innere Berechtigung jedes frühernStandpunktes für seine Zeit nachweist. Er glaubt die Vergangenheit des Christen-thums und ihren Zusammenhang mit der Gegenwart nur retten zu können, wenner sie zugleich als den Weg erkennt, der in die Zukunft desselben führt.

Dieser zarte feingewebte Faden des Zusammenhangs, in dem Strauß sich selbstund die Wissenschaft der Gegenwart mit den Traditionen des Christenthums zu er-halten wußte, wird von B. Bauer mit schonungsloser und fast roher Hand zerrissen.In seiner „Kritik der evangelischen Geschichte der Synoptiker" (2 Bde., Leipz. 1841)verwirft Bauer die Idee von einer mythischen Bedeutung der Evangelien, nach welcherihre Darstellungen der Ausdruck eines Gesammtbcwußtseins seien und als solchereine bleibende Berechtigung haben sollen. Ihm sind die Verfasser einzelne für ihre< verantwortliche Schriftsteller, au deren Werke er schonungs-

los das -'-besser der Kritik anlegt, um auf diese Weise nicht nur die Unwahrheit,sondern auch tne Absichtlichkeit ihrer Erzählungen nachzuweisen. Vor seiner gelehrtenund geistreichen, aber herz- und erbarmungslosen Kritik schwindet jeder Nimbus, mitdem auch der Ungläubigste die altehrwürdigen Quellen des Christenthums zu um-geben liebte. Die Kritik ist mit B. Bauer auf dem theologischen Gebiete bis zurabsoluten Negation aller Autorität gelangt, die aus der Vergangenheit des Christen-thums stammt. Die Geschichte des Christenthums ist ihm vielmehr die Geschichteder Selbstentfremdung des Menschen. Seine gegenwärtige Ausgabe ist die volleRückkehr zu sich selbst, zu der verlorenen und freiwillig ausgegebenen Freiheit, die erbisher als eine fremde Macht anbetete. Die Lösung dieser Aufgabe ist es, die sichdemnächst eine neue positive Philosophie zu stellen hätte.