484 Das Königreich Dänemark.
von Jütland enthalten in ungeheurer Menge das sogenannte Mooreisen, welches auSeiner, dicht unter der Oberfläche befindlichen Erdschichte, Ahl genannt, ausgeschmol-zen wird. Man hat auf einem Areal von 400 Quadratfuß 48000 Pfund erhalten,und diese gaben durchschnittlich 30°/» Eisen, welches nach den damit in der Karls-hütte bei Rendsburg angestellten Versuchen zum Gusse sehr geeignet war. Den-noch liegt dieser Schatz unbenutzt, wahrscheinlich jedoch, weil das englische Gußeisenzu so unglaublich iriedrigen Preisen geliefert wird, daß der Vortheil der eigenenProduction zweifelhaft erscheint. Die nördlichsten Theile von Island, das überhauptreich an Mineralien, sollen nach der Behauptung sachkundiger Männer im Standesein, eine beispiellose Menge von Schwefel zu liefern. Es dürfte aber lange dauern,bevor ein darauf bezügliches Unternehmen ins Leben gerufen wird, besonders weildie damit verknüpften Schwierigkeiten, die Beschaffung großer Capitalien, die großeEntfernung, das rauhe Klima Islands u. s. w., nicht verkannt werden können.
Die Kalkgruben Dänemarks sind ebenfalls sehr ergiebig, und die Ziegeleien in denHerzogthümern zahlreich und sehr produktiv.
Vor dem Kriege mit den Herzogthümern bildete die Königsau die dänischeZollgrenze gegen Süden; die Herzogthümer hatten ihren eigenen Zolltarif, von demnur wegen der Nähe Hamburgs die Stadt Altona und der Flecken Wandsbcck aus-genommen waren. Dieser Tarif der Herzogthümer stand im Ganzen niedriger alsder Dänemarks, wo namentlich baumwollene und wollene Waare», Seide, Leinen,Branntwein, Wein, Holz und Kaffee bedeutend höher als dort tarifirt waren. Nachder Unterwerfung Schleswigs wurde die Zolllinie an die Eider verlegt, und also derdänische Zolltarif auf Schleswig ausgedehnt. Im Allgemeinen läßt sich noch nicht k,darthun, inwieweit diese Maßregel Einfluß auf den Nationalwohlstand des Herzog- jthumS gehabt. Nur die damit in Verbindung stehende Einführung der Brannt- ^
weinsteuer hat bereits für Schleswig einen fühlbaren Nachtheil gebracht. Die Spi-
ritusfabrikation ist einer der einträglichsten Zweige der landwirthschaftlichcn Production ^und ein wichtiges Beförderungsmittel für die Fortschritte in der Bodencultur, indemdie Rückstände (Schlampe) ein treffliches Mittel zur Vicbmästung gewähren, und diesewiederum den reichlichsten Dünger schafft. Außerdem öffnet die Brennerei den ein-zigen Weg, schlechtes Getreide oder misrathenc Kartoffeln mit einigem Erfolg zuverwerthen. Durch die Branntweinsteuer sehen sich besonders die kleinen Brenne-reien des HerzogthumS genöthigt, ihre Production einzustellen. Es darf kaum be-zweifelt werden, daß nächstens auch daS Herzogthum Holstein eine Veränderung sei-nes Zollsystems zu erwarten hat. Denn da man in Dänemark so viel als möglichdie GesammtstaatSidee zu rcalisiren sucht, so wird man nicht anstehen, die dänische
Zolllinie an die Elbe zu verlegen, sodaß auch Holstein den höher» Tarif nebst der
Branntweinsteuer erhält. Die Folge davon muß für Holstein noch nachthciligersein, als sie sich für SchleSwig bisher geäußert. Nur einzelne Fabrikanten dürftenaus dem Nutzen, den dadurch ihre Fabrikate erlange», Vortheile ziehen. Schwerlichgibt eS aber, nach Dem, was wir bereits erörtert, in Europa ein Land, auf welchessich die schutzzöllncrischen Theorien überhaupt weniger anwenden ließen alS auf Dä-nemark und die Herzogthümer, und es ist dringend zu wünschen, daß bei der bevor- >stehenden Veränderung der dänischen Zollverhältnisse der Tarif im Ganzen so viel fals möglich herabgesetzt werde. Die wichtigsten dänischen Zollgcsetze sind die Der-ordnung vom 1. Mai 1838, die dem ganzen Zollwcscn eine Umgestaltung gab,und der Tarif vom 13. März 1844. Der durchschnittliche Betrag dcS Einfuhrzollsist nach jener Verordnung 10"/» dcS Werths der Waaren aus dem europäischenMarkte oder auf der Stelle der Erzeugung; der Ausfuhrzoll, mit dem nur wenigeArtikel belastet sind, ist dagegen so unbedeutend, daß er kaum 60000 Rcichsbank-thaler jährlich einbringt. Zollfrei sind: alle Gegenstände zur Förderung der Wisse»'schaften und der Künste; solche Rohstoffe, die zur Veredelung inländischer Producttnothwendig sind; ungrmahlcnes Korn, und noch einzelne andere Artikel. Verbote ge-gen Ein- und Ausfuhr eristiren durchaus nicht.