Das Königreich Sardinien.
57S
mit solcher Gewalt auf die bewaffnete, viel« Hunderte zählende Bande, daß sie auS-cinanderstob, ehe sie noch einen Säbelhieb gefühlt.*) Von der Schmach de- 3. Aug.ist noch nicht der Schleier des Geheimnisses gefallen. Nur unter dem Schutze dernamenlosesten Verwirrung und verschiedenartigsten Erregtheit, unter dem zusammen-wirkenden Schrecken des Feindes im Innern und des Feindes vor den Thoren, wäh-rend die Sturmglocken die Luft und die Gemüther durchzitterten, während in der Stadtund in den Vorstädten Häuser und Paläste in Flammen aufgingen und ringsum von.den Wällen unaufhörliches Gewehrfeuer knatterte, konnte Solches geschehen. That-sache ist, daß mehre bekannte mailänder Republikaner mit andern Bürgern sich zuHütern Karl Albert'S machten, daß sie durch ihren Einfluß bei der Menge lange Zeitdie äußersten Gewaltthaten niederzuhalten suchten, während^ die hauptsächlichsten An-stifter und Führer der Bande theils unbekannt, theils verdächtigen Rufs waren, undden Pöbel, wie eS stets in ähnlichen Fallen geschieht, nur dadurch beherrschten, daßsie ihm in den AuSbrüchcn wilder Leidenschaft vorangingen. Das unparteiische Ar-theil darf darum nicht wagen, die Frevel jenes Tages mit dem republikanischen Par-tcinamcn zu bezeichnen.
Einige Stunden nach der Capitulation des MunicipiumS, welche dem Königevom Podcstä und dem Erzbischofe von Mailand erst gegen Abend mitgetheilt wurde,federten drei der angesehensten Mailänder, Graf Pompes Litta, Anelli und CesareCantü, in einem gedruckten Aufruf die Stadt zur Auswanderung in Masse auf. „Mit-kürzer", hieß eS darin, „wer von euch noch eine Büchse führe» und einen Marschertragen kann, der erhebe feierlichen Protest zu Gunsten der Lombardei. Nein, da«Vaterland geht nicht mit den Mauern unter, nein! das italienische Vaterland erliegtnicht jener wilden Gewalt, die als Recht auftritt. Wandern wir Alle mit der Waffeaus. Folgen wir dem piemvntesischen Heere, welches betrübt auS diesem Lande, fürdessen Befreiung und Wicdererhebung eS gekämpft, fortzieht, auf den Boden de-ExilS, das als italienische- un- Vaterland sein wird. Europa wird mit Staunenauf so männlichen Entschluß Hinblicken." AIS Nadetzky am folgenden Tage um Mit-tagszcit mit seinen siegreichen und mit Myrten geschmückten Scharen in die Stadteinzog, fand er die Straße» verödet, die Häuser geschlossen. Kein Beifallsjubel kröntedie Tapferkeit des Siegers -, Myrten und Palmen wurden von der Ode und Stilledes Kirchhofs begrüßt.**) IljUOOO Bewohner, Männer, Frauen, Greise und Kin-ker waren an frühem Morgen zur Porta Vercellina hinausgezogen, der VaterstadtAbcwohl sagend, die Luft mit Klagen, Schluchzen, mit Rufen der Verzweiflung, derBestürzung, Drohung, Muth und Trostlosigkeit erfüllend. Mütter und Vater tru-
ihre Kinder auf dem Arme; Viele ließen ihre meist« Habe zurück; Kranke undVerwundere wurden auf Tragbahre» geführt; Reich- und Arme, Adelige und Po-Pvlanos betraten den gemeinsame» Weg de« Erils. Nie ist eine stolzere und zugleichtraurigere Auswanderung gesehen worden. Soldaten, Bürger, Frauen und Kindervtldettn cme unübersehbare, durch gemeinsame« Unglück vereinte Familie, von welcher^iwcif,u„g im Herzen, der Sonnengluk und Entbehrung trotzend, der. M ^ iE"nfk entgegengingen. Mancher der Auswandernden erreichte nicht
«'-°- -°»«"> "»«li-»--!»«-- m hnmi,«.- s-°-
w?ouno ""d Mäimer, überwältigt, erschüttert von ungeheuerer Be-
eg mg und Ertast, packt- pli>»,ich„ Wahnsinn, und der herzbrechende Anblick, den
te„ n ^ »"rissen,,, Kleidern, verwilderten Haare» und verdreh-
" Augen durch die Menge drängten und die nächtliche Stille durch gellenden
ausführliche und treue Schilderung de« «ug. von Mailand findet sich in dem"^Knten „kwiucn-n- ock o«!Mi-viir,<>,u tzu>-rr»", "vd m der ,,8tor>» cl> auo »nn>..7^'" Augusto B-cchi (Turin I-v', 1 ),
besetzt """" Thore blieben bi« zum vinzug der .kaiserlichen nnt piemontesischen »irren
37 *