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sie sich nach dem Verlust ihrer Handclsgröße nebe» mancher andern Stadt im Va-terland«, die sich gleicher Rechte erfreute und einen gleichen Namen trug, nicht mehrhervorthun. Dazu lag sie viel zu weit ab von dem Mittelpunkte des Reichs undden großen Pulsadern des Völkerlcbens. Während Hamburg und Bremen, früherabhängig von Lübeck, rasch aufblühten und, besonders das erstere, unter allen deut-schen Handelsstädten die wichtigste und großartigste Rolle führte, saß die alte Köni-gin der Hansa wie ein vom Vaterland- verstoßenes oder doch vergessenes Kind anden braunen trägen Welle» seines Stroms, zehrte von alten Erinnerungen, undkünimerte sich wenig in ihrer Abgeschiedenheit um den Wirrwarr der Welt. Siewar freilich alt und runzelig geworden, die stolze, ehemals so prachtvoll und herrsch-gewaltig auftretende Königin der deutschen Handelsstädte, aber sie verstand doch im-mer noch königlich zu leben, und hatte sich trotz ihres Verfalls den heitern Sinn,das Leben in vollen Zügen zu genießen, treulich bewahrt. So voll Lebenslust undstill genießend überraschte die ehrwürdige Matrone der Revolutionssturm des vorigenJahrhunderts mit seinen welterschütterndcn, weltumgestaltenden Folgen.
Man hatte von der alten Hansestadt an der Ostsee sehr lange im deutschenVaterlande nichts gehört, als das Glück des corfischcn Eroberers im Jahre 1806den Sieg bei Jena erkämpfte und die preußische Armee zu schleunigem Rückzüge nö-thigte. Eine Abtheilung des geschlagenen Heeres zog sich unter Blüchcr's Führunggegen die Niederelbe und, da er sah, daß auch hier an ein Aufhalten der Feindenicht zu denken sei, nach der Trave, um dort eine feste Stellung einzunehmen.Lübeck, daS sonst so kriegerisch gesinnte, dessen Bürgermeister manche Feldschlacht ge-schlagen, in manchem Seetreffcn sich blutige Lorbcrn errungen hatten, dachte scho"lange nicht mehr an Kampf und Sieg. Die starken Befestigungen der weitläufiggebauten Stadt, von den tapfern Söhnen der alten Hansa errichtet, waren z""'Theil von deren friedlicher» Nachkommen abgetragen worden: wenigstens konnten sieeine ernsthafte Berennung nicht mehr aus- oder abhalten. Die friedlichen Bürger,an stillen, gesicherten Handelsverkehr und behaglichen Lebensgenuß der leicht erwor-benen oder von Kind auf Kindeskind ererbten Güter gewöhnt, waren nicht wenigerstaunt, als urplötzlich eine zum Äußersten entschlossene Armee gewaltsam Drsißvon der freien, dem ganzen Kriege völlig fremd gebliebenen Stadt nahm. Das Er-staunen aber steigerte sich zum furchtbarsten Entsetzen ihrer Bewohner, als scho"Tags darauf die siegreiche französische Armee unter Bernadotte die Preußen angriffund nach hartnäckiger Gegenwehr vertrieb. Die mit Sturm genommene Stadt ver-fiel einem furchtbaren, von Niemand geahnten Schicksal, indem die siegestrunkene»Franzosen sie gleich einer hartnäckig vertheidigten feindlichen Festung behandelten n"volle drei Tage lang der Plünderung preisgaben. Alte Leute erzählen nochThatsachen aus jenen Schrcckenstagen, die ein Scitenstück zu jenen Gräucln abgebe"/welche einst Tilly'S entmenschte Krieger in dem brennenden Magdeburg verüble"-Blücher aber mit den Resten seines geschlagenen Heeres mußte sich eine g"Stunde nordwestlich von Lübeck bei dem oldcnbnrgischcn Dorfe Nathckau dem gl"lichen Sieger ergeben.
Bereits im Jahre 1803, wo von den 51 in deutschen Landen zerstreut liege"'den Reichsstädte» durch ReichSdepntationsrcceß ihre Unabhängigkeit alle bis aufverloren, wurde Lübeck, die zu diesen sechs Städten gehörte, als Freie und H""'stadt anerkannt und ihr einige Quadratmeilcn Land als Gebiet znertheilt. Der uaufhaltsame Siegeslauf deS Kaisers Napoleon, dessen Reich halb Europa zu "spannen drohte, einverleibte 1810 auch die Stadt Lübeck dem Departement dermündung, und zwar nicht als einen Hauptort, sonder» als eine bwS untergenete Stadt dieses Departements. Erst nach der Entscheidungsschlacht bei eip1813, erhielt Lübeck seine Selbständigkeit wieder, und trat 1816 durch o>e l-MWdeS Deutschen Bundes als Freie Stadt und selbständiger Staat in diesen