Alexander von Humboldt.
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Übereinkunft, erwarten sollte. Es war der Anfang des Monats Mai 1798; am20. desselben Monats ging Bonapartc mit seiner Expedition von Tonlon nach Maltaund Alexandricn ab. Statt die erwarteten Briefe zu erhalten, las Humboldt zuseinem großen Erstaunen in der „ Strasburger Zeitung" die Nachricht, daß LordBristol auf Befehl des Direktoriums in Mailand verhaftet worden sei, weil manihn beschuldige, daß der geheime Zweck seiner ägyptischen Reise sei, auf irgend eineWeise zum Vortheile Englands an den Nilufern zu wirken. So ungerecht und un-wahrscheinlich auch eine solche Beschuldigung war, so hätte sie doch, wenn man inMailand Briefe von Humboldt aufgefunden hätte, auch seine persönliche Sicherheitgefährden können. Als er ungehindert in Paris ankam, wo er sich mit der Familieseines Bruders vereinigte, fand er die Mitglieder des Instituts, die Professoren des1-u-clin 6ss planlos und das ganze gebildete Publikum mit den, viele Hoffnung erre-genden Ausrüstungen zu einer großen Weltumsegelung beschäftigt, die das Direktoriumunter Anführung des Capitän Baudin seit einigen Monate» decretirt hatte. Die Expe-dition sollte Bnenos Ayres, das Feuerland und die ganze amerikanische Westküste vonValparaiso bis zum Isthmus von Panama berühren, viele Inseln der Südsee, Ncu-holland und Madagaskar besuchen und um das Cap der guten Hoffnung zurückkeh-ren. Humboldt, der die erste sich darbietende Gelegenheit zu einem großen Unter-nehmen benutzen wollte, schloß sich sogleich dieser Expedition an. Er erhielt von demDirektorium, in dem zwei Mitglieder, Francois de Neufchateau und La Neveillere-Lepaux, sich besonders für Bereicherung der Gärten und Sammlungen intecessirten,die Erlaubniß sich mit allen seinen Instrumenten einzuschiffen, mit dem Versprechen dieSchiffe verlassen zu dürfen und da zu bleiben, wo er tiefer in das Land einzudringenwünschte. Vier volle Monate vergingen in peinigender Spannung und Ungewißheit.Die politische Lage von Italien und die wohlgegründcte Besorgniß eines nahe» undneuen Ausbruchs des Kriegs mit Deutschland bewogen die Regierung, die für dieExpedition ausgesetzten Fonds zurückzuziehen und das ganze Unternehmen bis aufeine günstigere Epoche zu vertagen. Die innige freundschaftliche Verbindung, welcheso leicht und schnell sich zwischen Personen anknüpft, die mehre Jahre lang aus dem-selben Schiffe leben werden, hatte Humboldt mit einem sehr ausgezeichneten jungenBotaniker, Anne Vonpland, befreundet, der später so viele Schicksale mit ihm getheilthat und von dem alten Jussieu, Richard und dem aus Algier und Constanline rück-kehrenden Desfontaincs wegen seiner Kenntnisse und Liebenswürdigkeit des Charaktersgeschätzt war. Indem Humboldt's süßeste Hoffnungen bitter getäuscht wurden, gingein schwedischer Consul, Herr Skjöldebrand, durch Paris mit Geschenken seines Hofesfür den Dei von Algier, um sich in Marseille auf einer für ihn bestimmten Fregatteeinzuschiffen. Da sein Haus alle Jahre eine Barke nach Tunis schickte, um die nachMekka wandernden Pilgrimrne nach Alexandrien zu führen, so beschloß Humboldt desCvnsulS freundliche Anerbietungen dankbar anzunehmen und sich so der französischenExpedition in Ägypten anzuschließen. Er harrte in Marseille vergebens bis EndeDecember 1798 auf die verheißene Ankunft der schwedischen Fregatte «Jaramas»,die von Stürmen an der portugiesischen Küste beschädigt im nahen Hafen von Ca-dix überwintern mußte. Da zugleich die Nachricht sich verbreitete, daß in der Ber-berci bei der» zwischen Türken und Franzosen ausgebrochenen Kriege alle von Mar-seille aus an die Küsten der Berberei kommenden Franzosen in Ketten gelegt würden,so mußte es Humboldt vorziehen, mit Bonpland den Winter in Spanien zuzubrin-gen, und dann, wenn die Ereignisse es erlaubten, sich von Cartagena oder Cadix nach^uriis und Ägypten einzuschiffen. Die Reisenden gingen langsam und angenehm mitHerbarisationen, astronomische» Ortsbestimmungen und magnetischen Jntcnsitäts- und^clinationsbeobachtungen auf dem Wege beschäftigt über Perpignan, Barcelona, den^lontserrat und Valencia nach Madrid, wo sie erst Anfangs Februar 1799 ankamen.. * außerordentliche Gunst, deren Humboldt sich an dem spanischen Hofe in Aran-U'ez drei Monate lang durch Vermittelung des sächsischen Gesandten, Baron vonDi« Gegenwart. Vlll. 48