48 Baiern unter den Übergangsministerien von 1847—49.
ließ sich nicht mit Worten ohne thatsächliche Garantie wieder hinwegdecretiren. Selbstauf die Nationalversammlung blieb Deutschlands Misstimmung gegen Baiern nichtohne Eindruck. Nicht weil man etwa unter den Baiern keine wissenschaftlich undin Gesinnung tüchtige Männer gefunden oder vermuthet hätte (man erinnere sichnur der spätern Stellung H. von Raumer's aus Dinkelsbühl, Paur's aus Augs-burg, Kirchgeßner's aus Würzburg), sondern weil man in der That an die Mög-lichkeit glaubte, daß die dauernde Theilnahme der Baiern am Parlamente zweifelhaftsei, trat die bedeutungsvolle Erscheinung ein, daß kein einziges bairisches Parlaments-mitglied ursprünglich in den Verfassungsausschuß gewählt wurde. * *) Endlich schienfreilich auch das dänische Ministerium die mögliche Gefahr des allgemeinen Arg-wohns gegen seine deutsche Politik zu empfinden. Es mochte den Drang empfinden,sich darüber auszusprechen, aber die Furcht, sich irgendwie zu binden oder zu ver-pflichten, überwog. Oft hattte ihm der Landtag Gelegenheit zu einer beruhigendenErklärung gegeben, und sie war nicht erfolgt. Gerade gegen sein Ende schien erdagegen jede Explikation in dieser Beziehung absichtlich vermeiden zu wollen; selbstbei Verhandlungsgegenständen, welche ein Äussprechen über die deutschen Verhältnisseheraussoderten, hatten sich die Redner nur mit allgemeinen Bemerkungen begnügt.Sogar die Schlußäußerungen des Präsidenten Kirchgeßner (30. Mai) brachten keinWort des Vertrauens für das Ministerium in dieser Beziehung. So kam es dennzu einer ministeriellen Kundgebung erst in dem Augenblicke, da die Abgeordnetenbereits den Hut zum Fortgehen in der Hand hielten, sogar erst mach dem üblichenVivat für den König am Schlüsse der setzten Sitzung, also in einem Momente, woeine parlamentarische Antwort unmöglich war. „Ehe diese hohe Versammlung aus-einandergeht", begann Graf Bray, „sei es mir erlaubt, von meinem Standpunkteaus auch noch einige Worte an Sie zu richten. Es sind gegen die bairische Re-gierung und das bairische Volk in manchen Organen der Öffentlichkeit arge Ver-dächtigungen ausgestreut worden. Man hat Volk und Regierung separatistischerTendenzen beschuldigt, ihnen vorgeworfen, es belebe sie nicht der nöthige Eifer fürDeutschlands Einheit. In beider Namen weise ich diese Verdächtigungen zurück,und hoffe, daß meine Worte weiter reichen werden als bis zu den Männern diesesSaales. Nirgends ist man wahrhafter deutsch gesinnt als in unserm Lande undunsern Stämmen. Wir leben im Herzen Deutschlands, Baiern ist das Herz Deutsch-lands; und sowie das Herz nicht vom Leibe getrennt werden kann, wenn das Lebenfortdauern soll, so wird auch Baiern und Deutschland nicht geschieden werden kön-nen. Fragt man, was die Regierung will? so antworte ich: sie will nichts, wasnicht auch Baiern will. Sie will ssin einiges, kräftiges, verjüngtes Deutschland; imInnern intelligent, frei, betriebsam, nach außen geachtet und achtunggebietend. WelcheOpfer gebracht werden müssen, um das hohe Ziel zu erreichen, läßt sich im vorauswol nicht so genau bestimmen. Es wird eine Verständigung stattfinden zwischenVolk und Regierung, ein Vertrag, von beiden heilig und gleich geachtet. "Die Opferaber, die nicht gebracht werden dürfen, zu denen rechne ich solche, welche, wirklichgebrächt, Deutschland selbst schwächen, Deutschland seines Ruhms und seiner Zierdeberauben würden. Hierunter verstehe ich: die reiche, fruchtbringende, lichtverbreitcndeMannichsaltigkeit und Eigenthümlichkeit der deutschen Volksstämme, und, was Baierninsbesondere betrifft, unsern glorreichen Namen, unsere in Deutschland stets einge-nommene hohe Stellung unter einer tausendjährigen Dynastie. Dies sind die An-sichten und Absichten der Regierung. Daß es auch die Ihrigen sind, dafür bürgenmir die patriotischen Verhandlungen dieses letzten Landtags, wie aller frühern." Wer
besondere Bündnisse, Kriegs- oder Friedensverträge zu schließen, zu verzichten ist, steht nachhämischer Ansicht ebenfalls ebenso fest, als daß die bairische Heeresmacht in einem KriegeDeutschlands dem Oberbefehle des Bundes unbedingt zu kräftigster und wirksamster Verwen-dung stets bereit stehen werde."
*) Erst dadurch, daß mehre Gewählte, weil schon in andern Ausschüssen beschäftigt, die Wahlablehnten, kamen bei den Nachwahlen mehre Baiery, zuerst Herr von Lassaulx, in denselben.