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Baiern unter den Übergangsministerien von 1847—49.
Nun kamen neue Berichtigungen: Herr von Abel habe gemeinschaftlich mit dempreußischen Gesandten, Graf Nedern, jene Schritte gethan. Allein schon andernTags wurde (wahrscheinlich von preußischer Seite) auch dieser Angabe widersprochen;denn Graf Nedern sei „gleichzeitig mit dem östreichischen Gesandten" von Turin ab-gereist und habe nur einen Vorstand der Gesandtschaftskanzlei, Baron Werthern,für die laufenden Geschäfte zurückgelassen, welcher allerdings mit Abel gemeinschaft-lich dem dortigen Ministerium das Bevorstehen eines energischen Protestes des Deut-schen Bundes angekündigt habe. Damit schrumpfte freilich die nationale That Abel'ssehr zusammen. Daß endlich hinter dem sogenannten bairischen Proteste wirklich dieWucht des drohenden Bundesprotestes gewirkt hatte, erkannte sich am deutlichstendaraus, daß Sardinien die Blockade aufheben zu wollen vorgab, noch ehe der for-melle Bundesprotest in Turin anlangte, trohdem aber sie nicht aufhob, als es er-kannte, wie auch die Reichsgewalt, eben wegen der separatistischen Haltung der Ein-zelstaaten, nur mit Noten Krieg zu führen vermochte. Abel aber blieb dessenungeachtetin Turin, bis die bairischen Verhältnisse erlaubten, den ungern entbehrten Rath des„gewiegten Staatsmannes" wieder bei den innern Angelegenheiten in Anspruch zunehmen. Der sardinische Gesandte, Marquis Pallavicini, hat München sogar wäh-rend des ganzen italienischen Kriegs nicht einen Augenblick verlassen.
Die Wahl des Erzherzogs Johann von Östreich zum Reichsverweser, sowie diebeinahe gleichzeitige Besiegung der communistisch - socialistischen Revolution in Frank-reich waren zwei Ereignisse, deren augenblickliche Wirkungen vom royalistischen Prin-cip allerdings als Errettungen aus drohendster Gefahr begrüßt wurden, deren Con-sequenzen aber möglicherweise dasselbe in einer Weise erschüttern konnten, daß wenig-stens eine Berufung aus dessen historisches Recht fürdcrhin zur Unmöglichkeit werdenmußte. Denn der Sieger über die selbstzerrüttende Entartung des republikanischenStaatslebens in Frankreich war ein starrer Republikaner; der deutsche Neichsverweserwar hervorgegangen aus der Wahl des Volks. Daneben fiel es, streng genommen,nur mit leichtem Gewichte in die Wagschale, daß er auch „ein östreichischer Prinz, nochleichter, daß er gleichzeitig Alterego des Kaisers von Ostreich. Mußte er ja dochdiese Würde sofort niederlegen, um eine zweite Neichsherrscherwahl nicht geschehenzu lassen, deren Ergebniß vielleicht noch Nachtheiliger für den dynastischen Noyalismusgeworden wäre. Solche Erwägungen der doppeltschneidigen Bedeutung der Reichs-verweserwahl mochten an vielen Fürstenhöfen mehr Besorgniß erregen als Anderes.Daher die Glückwunschschreiben der Höfe an den Erzherzog, welche der Parlamcnts-deputativn vvraneilten, um ihn dringend zur Annahme der Wahl aufzufodcrn;daher aber auch die nachfolgenden Bchabungen, welche ihn so empfindlich fühlenließen, daß er in keiner Beziehung als psr intvr psrss anerkannt werde. Daseigenhändige Glückwunschschreiben des Königs von Baiern war das erste, welchesan den Erzherzog gelangte. Dennoch ward in Baiern weder das Gesetz über dieCentralgewalt noch die erfolgte Wahl des Erzherzogs Johann zum Reichsverweserofficiell kundgemacht. Selbst die von allen Seiten drängenden Foderungcn da-nach konnten blos die halbofficielle Antwort erwirken, daß „gewiß keine, weder diebairische, noch eine andere Regierung daran gedacht habe, das Gesetz über die Pro-visorische Centralgewalt um jener Formalitäten willen zn behindern oder nicht fördernzu wollen". Allerdings wurde auch am 9. Juli in München zur Feier der Wahleine Militärmesse veranstaltet, erklangen Tagesreveille und Kanonenschüsse, flaggtendeutsche Fahnen auf den Thürmen und Staatsgebäude» u. s. w. Aber dies Alles,oder was in andern Städten geschah, war nur locale Demonstration, meist hervor-gerufen durch die Stadkmagistrate, an mehren Orten selbst ohne solche municipaleVeranlassungen. Die Regierung als solche schien von den mit dem Eintritte derCentralgewalt anhebenden wichtigen Umgestaltungen im bairischen Verfassungslebendurchaus keine Notiz zu nehmen; keine einzige ofsicielle Veröffentlichung deutete selbstnur auf das Ereigniß hin. Noch weniger gewann es die Regierung über sich, ir-gend eine Erklärung über ihre Stellung zum Parlamente und der Centralgewalt