Ostreich.
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Auch der Sicherheitsausschuß blieb seinerseits nicht unthätig, und während aufden Straßen das Einschüchterungsmittel der Barrikaden angewendet ward, brachteer das Ministerium durch geschickt gemalte Phantasicbilder von vergossenem Bürger-blüte, Drängen der Zeit u. s. w. in Angst und Schrecken. Noch im Laufe desVormittags verfügten sich Mitglieder des Sicherheitsausschusses zu Pillersdorf, umihn wegen des Geschehenen zur Rede zu stellen. Er entschuldigte sich zuerst durchdas Vorgeben, die akademische Legion sei durch einen bloßen Ministerialerlaß in dasLeben gerufen worden, und könne daher ebenso gut durch einen solchen abgeschafftwerden. Das Einschreiten des Militärs anlangend, behaupteten er und alle übrigenMinister das Vorwiffen deS Ausschusses, worauf eine schriftliche Erklärung allerMitglieder des Sicherheitsausschusses auf den Conferenztisch niedergelegt wurde desInhalts, daß die Gefertigten weder von den Negierungsmaßregeln noch von derRequisition des Militärs die geringste Kenntniß gehabt hätten. Die Wahrheit waraber, daß der Präsident des Ausschusses, Graf Brenner, von der Sache gewußt; inder Meinung jedoch, das Militär werde auf der Glacis aufgestellt, hatte dieser dieAngelegenheit gering geachtet. Ferner hatten die Professoren Hye und Endlicher denBaron Percira, einen sogenannten Fricdensmann, aufgcfodert, mit ihnen zum Com-mandircnden zu gehen, um dort die Nothwendigkeit einer militärischen Besetzungder Aula zu begründen.
Im Gefühle seiner verletzten Würde löste sich jetzt der Sicherheitsausschußzwar auf, aber bei der Nathlosigkeit der Behörden fehlte eS nun an einer ver»mittelnden Autorität. Die Barrikaden blieben; die Zurüstungen zum Kampfe wur-den fortgesetzt; der Frieden schien für immer gewichen zu sein. Unter dem Titel„Was wir wünschen", las man auf öffentlich angeschlagenen Placatcn folgende Fe-derungen: Das Militär verläßt binnen 24 Stunden Wien; die Nationalgarden unddie Legion haften für die Ruhe. Die Errungenschaften vom 15. Mai werden vomMinisterium in ihrer vollsten Ausdehnung verbürgt. Geißel» aus dem Adel haftenmit ihrem Kopfe dafür, daß der Kaiser sein gegebenes Wort nicht bricht. Er selbstwird aber aufgefodcrt, binnen 14 Tagen nach Wien zurückzukehren. In der Aulahatte man die 14 Tage in 8 Tage umgewandelt, denn „konnte er in 56 Stundenvon Wien entführt werden, so könne er in 8 Tagen wol mit aller Bequemlichkeitauch nach Wien zurückkehren". Bis dahin, schloß das Placat, wird keine Barri-kade geräumt und keine Muskete aus der Hand gelegt. Man durfte aber doch derRegierung nicht zumuthcn, sich mit unbekannten Placatenschreibern zu verständigen.Auf die Anfrage des Vicebürgermeisters Bcrgmüllcr, was vorgekehrt sei, um dieRuhe wieder herzustellen, hatte das Ministerium sich also ausgesprochen: „Es müsseDenjenigen, welche die Bewegung hervorgerufen haben, auch überlassen bleiben, die-selbe zu dämpfen und zu bewältigen." Auf dieses hin versammelten sich eiligst her-beigeholte Abgeordnete des Gemeinderaths, der Nationalgarde und der Studenten un-ter dem Namen eines vereinigten Ausschusses und beriethen über die Mittel, Wienwieder sein friedliches Ansehen zu verleihen. Die Räumung der Barrikaden wurdevon fünf Punkten abhängig gemacht, welche man dem Ministerium zur Annahmevorlegte: die Stadtthore werden künftighin ausschließlich von der Nationalgarde be-wacht; Alles nicht zum Dienst gehörige Militär wird aus der Stadt entfernt; Gei-ßeln werden keine verlangt, doch bleibt Graf Hvyvs (welchen die Studenten nachder Aula gebracht hatten) in Haft; die Schuldigen an den Ereignisse» des Tage-werken zur Verantwortung gezogen und vor ein öffentliches Gericht gestellt; dasMinisterium wird verpflichtet, den Kaiser zu schleunigster Rückkehr in die Residenzeinzuladen. Die Nacht war bereits längst angebrochen, als die Debatte geschlossenwurde. Nach Bildung eines permanenten Comite vertagte sich der vereinigte Aus-schuß bis zum nächsten Morgen. Die Zwischenzeit bis zu seinem Wiederzusammen-tntte verlief zwar nicht ruhig, doch ohne Gefahr. Die Stadt blieb erleuchtet, dieBarrikaden von Studenten und Arbeitern bewacht. Man vertrieb sich die Zeit mitScherz und Gesang, machte und empfing Besuche, darunter auch vom schönen Ge-