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seitS wieder im Allgemeinen zwar willig die wiener Maitage nachahmten, doch aneinen ernsten Ausgang des Spiels im Grunde nicht dachten. Man muß sich erinnern,wie geläufig der Volksphantasie Barrikaden waren, um die Möglichkeit eines Auf-standes ohne Zweck und Ziel zu begreifen. Der Zustand der politischen Atmosphärein Prag erklärt schon hinreichend die Juniwoche, ohne daß man nöthig hätte, eineplanmäßige „weitverzweigte" Verschwörung als Entstchungsgrund vorzuschieben.Hätte eine solche cxistirt, die VcrthcidigungSmaßregcln wären gewiß besser getroffenworden, und es wäre wol weniger Unklarheit und Verworrenheit an den Tag ge-treten, als es sich um die Aussetzung der Capitulationspunkte handelte.
Gegen 1 Uhr war der Bau der übrigens ziemlich schlecht construirten Barrika-den vollendet; der Angriff des Militärs begann aber erst um 5 Uhr. Bis dahinhatte man die Zeit mit vergeblichen Unterhandlungen um die Wegräumung derBarrikaden, mit der Säuberung des Platzes um das Generalcommando-Gebäudeherum, wobei die hinter einem Fcnstervorhange lauschende Gemahlin des FürstenWindisch-Grätz erschossen wurde, und mit der leicht bewirkten Erstürmung der ziem-lich leeren Aula und der Swornostkaserne am Graben zugebracht. Um 5 Uhr rück-ten vier Divisionen Infanterie mit sechs Geschützen auf dem Graben vor, säuberte»die Straße mit Kartätschen und stellte» nach einem meist nur gegen die Fenster-scheiben gerichteten heftigen Gewehrfeuer die Verbindung mit der Kleinseite und demHradschin wieder her. Diese Prag beherrschenden Punkte hatten die Insurgen-ten der Altstadt völlig vergessen, obwol ihre Besetzung bei der geringen Truppen-zahl, die hier aufgestellt war, und bei der augenblickliche» Nathlosigkeit der Militär-commandanten keine Mühe gekostet hätte. Die Altstadt hatte sich im Gegentheilehermetisch von dem andern Moldauufer abgesperrt. Die Nacht verging lautlos ru-hig; aber am nächsten Morgen (13. Juni) gab es noch einen kurzen Kampf in derAeltnerstraße, der das Vorrücken des Militärs bis auf den freien Platz vor demNathhause zur Folge hatte. Dann begannen, von einzelnen Plänklerschüssen unter-brochen, die Verhandlungen unter dem Schutze des ebenso allgemein begehrten alsbewilligten Waffenstillstandes. Zwei Umstände verhinderten indessen den Erfolg die-ser wie der folgenden Verhandlungen. Auf die erste Nachricht von dem Ausbrucheder Unruhen war Graf Thun in die Altstadt geeilt, aber schon an der Brückevon Studenten erkannt und aufgehalten und unter mannichfachc» Insulten als Ge-fangener nach dem Clementinum abgeführt worden. Die Studenten glaubten inihm einen Geisel zu besitzen, welcher den commandirenden General gefügig machensolle, und hofften wol auch von der Schwäche des gefangenen Gouverneurs, daß er,gleich Zichy in Venedig und Baron Krieg in Krakau, die persönliche Gefahr aufKosten alles Andern von sich entfernen werde. Sie irrten in Allem! Graf Thunerklärte standhaft, er müsse sich in seiner gegenwärtigen Lage jedes amtlichen Wir-kens, jedes Einflusses auf den Gang der Dinge enthalten und betrachte sich als ein-fache Privatperson. Bei dem Fürsten Windisch-Grätz würde allerdings das Wortund die Fürsprache des ersten Civilbeamten des Königreichs gewirkt, er würde sicher-lich die Autorität des Gouverneurs anerkannt haben; allein das angedrohte schlimmeSchicksal des Gefangenen konnte ihn in seinem Handeln nicht beirren. Er wußteWohl, daß hinter der Drohung kein Ernst stecke, und hatte überdies in den gefan-genen Studenten eine hinreichende Garantie für die glimpfliche Behandlung desGrafen Thun in den Händen. Statt also dem Aufstande zu nützen, war die Ge-fangenschaft des Gouverneurs nur ein Hinderniß, den vorwitzig begonnenen Kampfunter günstigen Bedingungen zu schließen. Denn es fehlte gerade in der wichtigstenStunde an der rechten Mittelsperson zwischen dem commandirenden Generale unddem macht- und kopflosen Bürgermeister Dr. Wanka, der im Namen der Studen-ten, doch ohne .sich ihrer versichert zu haben oder auch nur über ihr Wollen undBegehren Kunde zu besitzen, die Unterhandlungen leitete. Ein anderes Hindernißwar der Mangel an Leitung, die gänzliche Anarchie und Insubordination auf derSeite der Aufständischen. Hier commandirte ein junger Mensch von 19 Jahre»,