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Handeln. Andererseits jedoch vergrößerte die durch diese Truppenstellung verringerteGefahr eines unmittelbaren Angriffs die ungezügelte Lust des bewaffneten Volks,das Plänkeln fortzusetzen. Schon am Vormittage des 15. hatte das Volk abermalsdie Erneuerung des Kampfes veranlaßt und eine heftige Kanonade hervorgerufen.Um die Mittagszeit begannen von neuem die Unterhandlungen mit der Hofcommissivn,welche ihren Sitz im königlichen Schlosse aufgeschlagen. Eben war man über dieFriedenSpunkte einig geworden und hatte die Übernahme des Militärbefehls durch denGrafen Mensdorf im Innern der Altstadt verkündigt, als das Schießen auf den Mol-dauufern wiederbcgann. In solcher Weise schwankte der Zustand zwischen Kampfund Waffenstillstand bis zum nächsten Morgen. Da erklärten denn die Hofcom-miffare ihre Misston für beendigt und gaben dem Fürsten Windisch-Grätz den Be-fehl über die Truppen und die Stadt wieder zurück. Sie hätten vielleicht mit demAbbrechen der Unterhandlungen noch gezögert, wenn sie nicht bei längerer Nachgie-bigkeit eine Meuterei der Truppen befürchtet. Schon am 13. hatten dieselben Dc-putirte aller Chargen an den commandirenden General abgeordnet und um die Er-laubniß, die Barrikaden zu stürmen und die „Ruhestörer zu züchtigen", gebeten.Auch jetzt ließen sie sich dahin vernehmen, daß sie nur den „Fürsten" als ihren Füh-rer anerkennen, nur seinen Befehlen Folge leisten würden. Graf Mensdorf wolltezwar diese Thatsache und seine Äußerung: „er könne das Commando nicht über-nehmen, weil ihm die Truppen den Gehorsam verweigern würden, also auch nichtdie Unterhandlungen fortsetzen", ableugnen, wurde aber durch drei Zeugen überwie-sen. Sobald Fürst Windisch-Grätz freie Hand hatte, war es auch mit der Ver-schleppung des Ausgangs am Ende. Prag wurde in Belagerungszustand erklärt,und der Fürst stellte die kategorische Federung, daß man sich unbedingt ergebe, dieBarrikaden räume und die Waffen abliefere. Damit nicht blos die nationale Par-tei sich rühmen könne, im Costunic des Mitkelalters aufgetreten zu sein, so verlangteWindisch-Grätz auch die Stellung von 11 Geiseln, theils Bürger, theils Studentenund Professoren. Dieser Ernst und die angefügte Drohung, im Falle eines länger»Widerstandes das Wurfgeschütz spielen zu lassen, veränderte die herrschende Stim-mung. Man begann die Barrikaden abzutragen, weiße Fahnen aufzustecken undsich auf den jeden Augenblick erwarteten Einzug der Truppen vorzubereiten. Dieam meisten bei dem Aufstande Bethciligten hielten es gleichfalls gerathen, sich »uentfernen, und schlössen sich einer nach Wien abgeordneten Deputation an. Siewußten, daß der Arm des Fürsten Windisch-Grätz nicht nach Wien reiche, und daßhier unter den Auge» des Ministeriums alle Parteien ungehindert ihr Spiel trieben.Es sollte aber dennoch der Präger Aufstand nicht ohne ein ernste« Nachspiel schlie-ßen. Wie im Laufe der Woche immer geschehen, so setzten auch jetzt noch Einzelnedas Plänkeln fort. Am 17. Juni sielen mehre Schüsse auf das am linken Mol-dauufer postirte Militär. Die Antwort lautete anders, als die unermüdlichen Schützenwol erwartet hatten. Fürst Windisch-Grätz ließ Bomben und Granaten werfen:der Wasserthurm und die Mühlen an der Karlsbrücke — aus ihnen waren dieSchüsse gefallen — gingen nach einigen Minuten in Flammen auf. Die Verwir-rung, der Schrecken in der Alt- und Neustadt waren ebenso grenzenlos als die Fluchtin die Keller allgemein. Hätte die Furcht nicht auch die Diebe erfaßt, sie hättendie ganze Stadt straflos plündern, Alles und Jedes verüben können. Als dernächste Morgen anbrach, hatten Prags Bewohner nichts Eiligeres zu thun, als weg-zuräumen, was »och von Barrikaden stand, und die Waffen von sich zu werfen.Zum Überfluß durchzogen noch Priester mit dem Sacramente die Straßen und er-theilte» die Generalabsolution. Wer hätte da nicht glauben sollen, der Jüngste Tagfür Böhmens Hauptstadt sei angebrochen.
Fünf Tage halte der Aufstand gedauert. Die unmittelbaren Nachwirkungenwaren zwar traurig genug, aber immer noch nicht so arg, als man gefürchtet hatte.Die Zahl der Todten gab die ofsicielle Liste auf der Seite des Militärs auf 6, aufjener des Civils auf 11 an, welche letztere Zahl spater auf 16 Todte und 111 Ver-