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tenkitzel unterliegen und Regentenlaunen annehmen, bewährte sich auch hier. DerSicherheitsausschuß, welcher sich am 1. Juni unter Fischhofs Präsidium consti-tuirte, zeigte in seinen ersten Sitzungen einen ziemlich starken Polizcicharakter, dieLust Alles und Jedes zu bevormunden und zu maßregeln, und bedurfte erst wiederdeS Stachels der Opposition, des Reizes öffentlicher und geheimer Umtriebe gegenseine Wirksamkeit, um seinen ursprünglichen revolutionären Charakter aufzufrischen.Die Protokolle des Sicherheitsausschufscs fanden noch keine Veröffentlichung. Sollteaber diese Veröffentlichung einmal stattfinden, so würde man das beste Bild von demGeiste der wiener Revolution erhalten und eine richtigere Einsicht in ihre Genesisgewinnen, als wenig berufene Federn bisjetzt gegeben haben. Der Umfang der Ge-schäfte, welche dem Sicherheitsausschusse theils von der rathlosen Regierung, theilsvon der nun einmal an polizeiliche Eingriffe in die privatesten Angelegenheiten ge-wöhnten Bevölkerung auferlegt wurden, übersteigt alle Grenzen. Hier galt esKatzenmusiken zu verhüten oder, falls diese schon ein liiit soeompli waren, ein ofsi-ciöses Bedauern darüber auszusprechen; dort niußte wieder ein Pfarrer zurechtgewie-sen werden, der eine übermäßige Begräbnißtaxe verlangt hatte. Dann gab es Kla-gen über reactionäre Beamte und „zopfige" Obrigkeiten anzuhören, Bittschriften vonBauerschaften, darunter eine mit der Aufschrist: „Hohe regierende Nationalgarde",in Empfang zu nehmen, Streitigkeiten zwischen Miethsleuten und Hausbesitzern, Mei-stern und Gesellen, Käufern und Verkäufern, wol auch zwischen Eheleuten zu schlich-ten, die stets zu Tumulten bereiten Arbeiter — man zahlte im Juni 20000 In-dividuen, die bei öffentlichen Bauten verwendet wurden — zu beschwichtigen, kurz:die niedere Justiz, die Polizeiniacht, die localc Administration, Alles war in denHänden des Sicherheitsausschuffes vereinigt. Nebe» diesen mehr häuslichen Angele-genheiten wußte der Ausschuß eben die Sorge um die allgemeinen öffentlichen In-teressen an sich zu ziehen. Zunächst beschäftigte ihn die dauernde Abwesenheit desHofs. Diese Abwesenheit hatte, außer den materiellen Folgen, daß die Aristokratieden Schritt nachahmlc-und dadurch einer Unzahl Handwerkern und'Handelsleuten denErwerb entzog, auch noch gewichtige politische. Man führte wol in Wien alle Büt-tel in den Händen, das Ministerium einzuschüchtern und ihm alle nur erdenkbarenZugeständnisse abzuzwingen, man besaß aber, solange nicht auch der Hof hier wie-der weilte, nicht die Macht, auch den Willen des Hofs zu lenken. Wie nun, wennin Innsbruck die Sanction der ministeriellen Thaten oder vielmehr Leiden verweigertwurde? Sollte man sich offen gegen den Hof auflehnen? Ja, wenn nur nicht dieProvinzen in den Maitagen so offenkundig ihre Antipathien gegen Wien dargelegthätten! Die wiener Demokraten erinnerten sich noch lebhaft der Manifestationenim prager Nationalausschuß und vernahmen eben (H. Juni) aus der „Wiener Zei-tung", daß in Salzburg der Plan berathen würbe, einen Congreß der inneröstrei-chischen Provinzen abzuhalten, um daselbst die nöthigen Schritte zur ZurückweisungWiens in seine normalen Schranken zu berathen. Die Person des Kaisers, dieswußten die Aula und der Sicherhcitsausschuß, durfte nicht in den Streit gezogenwerden. Gegen das Ministerium mochte sich die wiener Demokratie Alles erlauben:der geringste Angriff gegen den Kaiser hätte sie aller Sympathien wie in den Pro-vinzen, so bei dem Bürgerstande Wiens beraubt. War der Hof i» Wien anwesend,so ließ sich die Furcht und der Schrecken von dem Ministerium auf ihn verpflanzen;bis nach Innsbruck jedoch reichten die Wirkungen der Clubs nicht. Es bildete alsodie Abwesenheit des Hofs eine unübersteigliche Schranke für alle weiter» Entwürfe derwiener Bewegungspartei, und daher nichts natürlicher als der Wunsch nach derRückkehr des Hofs in die Mauern — in die Gewalt der Residenz. Wurde» dochbereits Gerüchte von der Abdankung des Kaisers laut, und selbst die officiclle „Wie-ner Zeitung" sprach davon, daß „ein die persönliche Stellung des Kaisers betreffen-der Schritt zu gewärtigen sei". Und noch war nichts beschworen, nichts festgestelltund geregelt! Am 2. Juni beschloß der Sicherheitsausschuß eine Deputation anden Kaiser zu entsenden und ihn zur Rückkehr einzuladen. Sollte keine klare Ant-