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Zehnter Band.
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Die Vereinigten Staaten von Nordamerika.

herziger und grausamer als der sklavenhaltcnde Süden. In Ohio duldet man nicht,daß die freien Farbigen zur Schulsteucr beitragen, um nur nicht ihren Kindern Zu-tritt in den Volksschulen der Weißen gestatten zu mästen; in Cincinnati, einemHauptsitze der Abolitionistcn, sondert man selbst im Tode die Schwarze» und Far-bigen von den Weißen, indem man die Leichen der Letzter» von Westen nach Osten,jene der Erster» von Süden nach Norden legt. In den Adreßkalendcrn von Phil-adelphia und Boston hat man die Weißen von den Schwarzen abgeschieden; inConnecticut, dem sehr puritanischen Erz-Iankeestaate, verbietet ein Gesetz die Anlagevon Schulen für solche Schwarze, welche nicht in diesem Staate geboren sind. Selbstin den Ncttungshäuscrn für jugendliche Verbrecher gebietet die Aristokratie der Hauteine Absonderung nach Farben, und noch nie ist es vorgekommen, daß ein Weißeroder Farbiger es gewagt hätte, einen Neger oder Mulatten in sein Gesellschaftszim-mer treten zu lassen. So tief ist das gleichviel ob berechtigte oder unberechtigteVorurtheil gewurzelt, und gerade die Abolitionistcn haben noch nicht das Mindestegethan, dasselbe zu beseitigen. Kein ruhiger Beobachter wird daher dem Fanatismusdieses Schlags von Menschenfreunden Beifall zollen mögen.

Der Süden und Südwcsten wäre sicherlich gern der Sklaven überhoben, wennohne sie das Land bebaut werden könnte, und wenn er wüßte, wohin er die über-flüssigen Neger schaffen sollte, welche der philanthropische Norden ja nicht aufnimmt.Gerade in den sklavenhaltenden Staaten schlug die Colonisirungsgesellschaft für AfrikaWurzel. Sie wollte nach und nach so viele Sklaven emaneipiren, als irgend mög-lich war, und diese nach der Guineaküste hinüberschiffen. Zu diesem Zwecke grün-dete sie die bekannte Colonie Liberia, und manche Staaten zahlen seit 20 Jahrennicht unbeträchtliche Summen, um dieselbe zu bevölkern und in Blüte zu bringen.Aber gerade die Abolitionisten sind es, welche sich der Übersiedelung widersetzen unddie Neger und Mulatten zum Verharren in den Vereinigten Staaten bewegen.Die Neger wissen, daß sie in Afrika ihren Lebensunterhalt im Schweiße des Ange-sichts würden erwerben müssen, sie bleiben deshalb lieber in Amerika, wo sie zugleichverachtet werden und auf der gesellschaftlichen Stufenleiter für immer den niedrigstenPlatz einnehmen. Es ist allerdings bezeichnend für die freien Farbigen, daß unterden 11039 derselben, welche 1848 im Staate Neuyork lebten, nur 103 stimmbe-rechtigt waren, obwol der freie Farbige wählen kann, wenn er ein Vermögen vonnur 250 Dollars nachzuweisen vermag. Dabei ist wol zu beachten, daß diese Men-schenrasse gerade in den westlichen und nördlichen Staaten, namentlich aber in dengroßen Handelsplätzen auch in materieller Beziehung mehr und mehr ins Gedrängegeräth, und zum Beispiel in der Stadt Neuyork völlig verarmt, weil sie die Con-currenz der weißen Arbeiter nicht bestehen kann und der Strom der Einwanderungaus Deutschland, Schottland und Irland allwöchentlich die Zahl anstelliger undfleißiger Arbeiter steigert, welche man dem Neger und dem Mulatten vorzieht undzu demselben Lohnsätze haben kann. Selbst jenen Farbigen, welche sich etwa demBetriebe eines Handwerks zuwenden, wird es schwer, den Mitbewerb der Weißen zubestehen. Wie und von welcher Seite man also auch die Stellung der Neger undMulatten, der Sklaven wie der Freien, betrachten mag, immer stellt es sich deutlichheraus, daß diese Classe neben und mit den Weißen aus hundert Gründen eine tiefuntergeordnete Stellung einnehmen wird, und daß sie für das Staatswesen und dieGesellschaft überhaupt eine Last und ein Nachtheil bleibt. Unbegreiflich ist unter die-sen Umstanden, daß die Abolitionisten den verschiedenen Colonisationsgescllschasten,welche mit großen Geldopfern Neger und Farbige nach Afrika herüberschaffen, oftmit geradezu unbändigem Fanatismus entgegenarbeiten. Und doch liegt der Beweisbor, daß die vor nun 35 Jahren gegründete Colonie Liberia an der Küste vonGumea allmälig auf gesunder Grundlage gedeiht. Dort hört der Neger auf, des^beißen äffischer Nachahmer zu sein. Er steht zwar unter der kirchlichen Leitung wei-ser Menschenfreunde, aber diese beschränken sich darauf, ihm wohlwollenden Rath zu