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auch in der nächstfolgenden Nacht die Entscheidung gekommen und den Kampf mitden Kroaten bevorstehend. Das Gerücht ließ die Kroaten bereits die Vorstädte be-setzen und Jellachich das Lnsthans im Prater bewohnen. Kur; vor Mitternachtstiegen vom Stephansthurme die Alarmzeichen empor, und es ertönten von Maria-hilf her zahlreiche Schüsse. Die Sturmglocken wurden geläutet, der Generalmarschgeschlagen. Es fand aber nur ein kleines Vorpostengefecht statt. Die Aufregunglegte sich darum bald, die Kämpfenden kehrten heim, um in einer der nächsten Nächteähnliche Scenen zu erleben, wie z. B. am Abende des 13., wo die Kroaten angeb-lich die Linien bei St.-Marx angreifen sollten und ssch auch in der That bereit zeig-ten, die Flintenschüsse der Mobilgarden mit Granaten zu beantworten; desgleichenin der Nacht vom 14. auf den 15., wo nicht allein bei St.-Marx abermals Schüssegewechselt wurden, sondern auch auf der Landstraße und in der Roflau bis nachMitternacht der Alarm ertönte. Diese ziellosen Plänkeleien ermüdeten und cnt-muthigten nicht allein die wenig disciplinirte» Kämpfer, sie bewirkten auch Mis-trauen gegen Messenhauser und Bein, gegen den Reichstag und den Gemeinderathund nährten das Gerücht von verrätherischcn Anschlägen.
Als ein Zeichen des Verraths galt es namentlich, daß am Abende des 14.am östlichen Horizonte Raketen aufstiegen, welchen unmittelbar Raketen vom Ste-phansthurme folgten. Messenhauser hakte Mühe, die Aufregung zu beschwichtigen,indem er in einer „dringenden Kundmachung" erklärt, strategische Gründe der äußer-sten Wichtigkeit, die er Niemandem anvertrauen könne, hätten jene Thurmsignalehervorgerufen. Schon in diesen Tagen machte ssch unter den Einsichtsvollendie Überzeugung von der Unhaltbarkeit der Stadt geltend, und es beeilten sschnicht nur sogenannte Sckwarzgelbe, sondern auch einzelne besonders compromittirteDemokraten Wien zu verlassen. Die große einsichtslose Volksmassc klammerte sichaber an die am 17. in Wien angekommene demokratische Deputation aus Frank-furt: N. Blum, I. Fröbel, M. Hartmann und Trampusch, sowie an die anrückendeungarische Armee als ihre Rettungsanker. Durch jene Deputation gewann indessenWien nur vier vereinzelte Kämpfer und der demokratische Verein einige durch dieAnwesenheit Blum's belebte Sitzungen. Auf die Regierung und Jellachich konntendie Abgesandten der demokratischen Minorität in Frankfurt natürlich noch wenigerEinfluß üben als die beiden Neichsconimiffäre Wclcker und Mosle. Diese Com-missare betraten am 19. Oct. den östreichischen Boden und empfahlen in einergemüthlichen Proclamation die Einstellung des Kampfes, erlangten aber in Wien,in Olmüh und im Hauptquartiere des Fürsten Windisch - Grätz so geringe Geltung,daß sie bald unverrichtetcr Sache wieder nach Frankfurt zurückkehren mußten. So-wie aber die Hoffnungen auf Frankfurt, zerrannen auch die Erwartungen, die man
von Ungarns Hülfe hegte. Nachdem die in Wien anwesenden Ungarn durch einenöffentlichen Anschlag erklärt, daß die ungarische Armee bereit sei, vereint mit derwiener Bevölkerung den gemeinschaftlichen Feind zu bekämpfen, überschritt allerdingsdie ungarische Armee unter Moga und Csänyi die östreichische Grenze und erließnoch am 19. Oct. ein kurzes Manifest an die Wiener, in dem es hieß: „Eserklärt das ungarische Heer, daß es seinen gefährdeten östreichischen Brüdcrn zuHülfe eilt und mit seiner ganzen Kraft jzmes kroatische Heer verfolgen wird, das,aus Ungarn vertrieben, jetzt die Fluren Östreichs verwüstet." Indessen wünschten
die Wiener, die Ungarn möchten aus eigene Hand den Feind angreifen, und zeigten
sich nicht eben eilig, die verlangte Mitwirkung in das Werk zu setzen, während dieungarischen Heerführer vom östreichischen Reichstage eine förmliche Auffodcrung zumEinschreiten verlangten und, als dieselbe ausblieb, eine rückgängige Bewegung mach-ten. So verringerte sich mit jedem Tage die Hoffnung, den Aufstand erfolgreichzu Ende zu führen; dagegen stieg im feindlichen Lager die Zuversicht, die revolu-tionäre Bewegung durch große Machtcntfaltung zu erdrücken. Schon am 19. Oct.war die Einschließung Wiens beinahe vollendet, und der Bericht Messcnhauser's anden Gemeiuderath besagte rückstchtlich der Aufstellung der feindlichen Kräfte: „Be-