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Zehnter Band.
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Lebensmagnetismus — Magie.

in London förmliche Sitzungen angekündigt*), wo die dazu sich Einfindenden gegenBezahlung Fragen vorlegten, deren Beantwortung dann nach obiger Weise, aber(wie es die Unkundiger behaupten) von den Tischgeistern allein und nur unter Lei-tung des die Sitzung dirigirenden Vermittlers der Geisterwelt (Medium), durchKlopfen gegeben wurden. Daß nun von diesen letzter» Betrügereien, die ganz indas Gebiet der gemeinsten Taschenspielerei gehören, hier nicht weiter die Rede seinkann, versteht sich wol von selbst; was dagegen die Tischbewegung überhaupt — seisie nun Rücken oder Klopfen — betrifft, insofern sie von Mehren zugleich bewirktwird, so wollen wir nun suchen, etwas tiefer auf das Bedingende dieser Phänomeneeinzugehen, auf deren Erklärung wir übrigens hier nun schon durch Das, was imvorhergehenden Abschnitt über Pendelschwingungen gesagt wurde, sattsam vorbereitetsein werden.

In Wahrheit reducirt sich hier wie dort zuletzt Alles auf das „Hervortretendes Unbewußten in die Region des Bewußtseins", und daher auch das Erstaunendarüber. Diese beiden Regionen sind nun einmal auf die merkwürdigste Weise durchund durch und überall geschieden, und tritt die eine in der andern plötzlich heraus,so überrascht das ebenso sehr, als wenn unerwartet die Nacht durch ein Meteor er-leuchtet, oder der Tag durch Wirkung einer Sonnenfinsterniß verdunkelt wird.Dergleichen Ereignisse sind es, z. B. wenn wir entweder sehen, daß der Eine esvermag, sein Herz nach Gefallen langsamer oder schneller schlagen zu lasten, oder derAndere durch Verallgemeinerung seines Unbewußten Dinge empfindet, welche dasklare Vermögen der gewöhnlichen Sinne sonst nicht zu empfinden vermag, oder wenner Muskeln unbewußt wirken läßt, welche sonst nur dem bestimmtesten Willensein-flusse zu gehorchen gewohnt waren. In beiden Fällen ist das Volk bereit „Wun-der" zu schreien — ebenso wie es eine Krankheitsheilung ein Wunder nennt, wenneinmal durch plötzliches Heben des unbewußten Göttlichen im Menschen eine Krank-heitsstimmung in wenig Augenblicken verschwindet, welche sonst vielleicht Wochenoder Monate zu ihrer Beseitigung gebraucht hätte.

Ich habe nun oben gezeigt, wie es wol sehr natürlich sei, daß ein Pendel sichdurch unmerkliche und unbewußte Contractionen der Fingermuskeln in Bewegungsetzt, sobald auf irgend eine Weise, sei es durch dunkle Wahrnehmung eines eigen-thümlich dynamischen Spannungsverhältnisses gegen irgend ein äußeres Object oderdurch im Stillen gehegte Vorstellung von der Nothwendigkeit jener Pendelbeweguugenselbst, die unwillkürliche Veranlassung dazu gegeben war, und ganz auf gleiche Weisesind denn auch die »»merklichen und unbewußten Bewegungen zu beurtheilen, welcheeine Tischplatte durch mehre ausgelegte Hände in Rotationen setzen, obwol hier nocheigenthümliche und zwar offenbar in das früher abgehandelte Gebiet des Mcsmeris-mus gehörige Bedingungen hinzukommen müssen, wenn solche Bewegungen sich ver-wirklichen sollen. Was nämlich schon bei mehren um ein Äaguet sitzenden magne-lisirten Kranken von Mesmcr und Puysegur beobachtet war, daß durch ein Geeint-werden dieser Art eigenthümliche Strömungen der Jnnervation sich veranlaßt finden,hat sich bei den Versuchen des Tischrückens hundertfältig bewährt, und es kann alleTage beobachtet werden, wenn man auch nur eine Anzahl im Kreise sitzender sensiblerPersonen sich wechselseitig mit den Händen berühren und dieses Berühren lange fort-setzen läßt; die Empfindungen werden hierbei oft so stark, daß Krämpfe, Ohnmach-ten und Ubligkeiten eintreten, und ich war oft genug in dem Falle, Versuche dieser

*). Eine solche londoner Ankündigung lautet in der Übersetzung: „Mrs. W. R. Hayden,Medium, 22 Queen Anne Street Cavendish Square. Zu Hause von 12—3 Uhr und von1 — 6. Mrs. Hayden beehrt sich dem hohen Adel u. s. w. anzuzeigen, daß sie mit ihrenSeanoos in den angeführten Stunden noch fortfahren wird Denen zu dienen, welche diesemerkwürdigen und schönen Erscheinungen zu sehen und zu untersuchen wünschen u. s. w."Eine Sitzung dieser Art mit aller vorkommenden Albernheit lese man beschrieben in der „All-gemeinen Zeitung", Beilage zum 26. Sept. 1852, unter der Aufschrift: „Ein Besuch beiden G-isterklopfern jenseit des Oceans."